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Gerettete Hühner
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Hühnerrettung – die Lösung?

Jetzt sitze ich hier und kann gar nicht so richtig fassen, was vor einigen Tagen passiert ist. Dass wir irgendwann mal den Verein Rettet das Huhn unterstützen werden war uns klar, seit wir davon wussten. Wir hätten nur nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde und jemand bei einem Termin in unserer Nähe abspringt. Somit haben wir jetzt nicht mehr drei Sundheimer Hühner, sondern noch zwei gerettete Hybrid-Legehennen on top. Die beiden neuen sind etwas spärlich gefiedert und deutlich in Mitleidenschaft gezogen, aber jetzt gerettet. Wir sind sehr dankbar dafür und trotz Zickereien bei Eingliederung zuversichtlich, dass das bald eine fröhliche Truppe wird… (spätestens im Winter rücken sie dann sowieso etwas zusammen, haha)

Hühnerrettung – was ist das?

Hier die Kurzfassung für alle, die sich dafür interessieren. Ich kann zumindest grobe Infos zur Rettung geben bzw. was ich darüber weiß. Nachdem die Hühner aufgrund der nicht mehr rentablen Legeleistung ausgesondert werden im Legebetrieb, kommen sie auf direktem Wege in die Schlachtung. Da dies nach nur einem Jahr oder eineinhalb Jahren schon passiert, versucht Rettet das Huhn Vereinbarungen zu treffen, um die Hühner ausstallen zu dürfen.

Ausstellung um 3 Uhr nachts

Das startete in diesem Fall mitten in der Nacht um 3 Uhr und es waren 600 (!) gerettete Hühner. Soweit ich gesehen habe, ist das übrigens eine eher kleinere Rettung gewesen. Am Vormittag fand die erste Übergabe statt und am Mittag dann die zweite am zweiten Übergabeort. Das ist ein anstrengender Tag für die Hühnerretter und endet nicht mit der zweiten Übergabe, sondern erst mit dem Reinigen des Transporters inklusive Zubehör. Alles ehrenamtlich. Dieses Mal ging auch alles gut und alle Hühnis wurden abgeholt, was natürlich umso schöner ist.

“Normale” Hühner mit Beigeschmack

Unsere drei Sundheimer Hühnis sind jetzt ein Jahr bei uns und wir haben uns wirklich gut eingegrooved, würde ich sagen. Kurz nachdem wir die Sundis geholt haben, erfuhr ich erst vom Verein “Rettet das Huhn e.V.” Ich würde nicht sagen, dass ich es danach bereut habe, unsere ruhigen, genügsamen und liebevollen Sundheimer Damen geholt zu haben. Sie passen nämlich perfekt zu uns und wir haben uns sofort verliebt, aber es hatte dann schon einen kleinen Beigeschmack. Wir nehmen “reinrassige”, gezüchtete Hühner zu uns, während da draußen so viele Hühner nach wenigen leidvollen Monaten ausgesondert werden. Ohne vielleicht einmal die Sonne gesehen oder einen Meter Platz um sich herum gehabt zu haben.

Retten ist nicht die Lösung des Problems.

Mir wurde aber auch nach und nach klar, dass das ganze Thema Hühnerrettung nur ein (wichtiger) Teil des ganzen Problems ist und dass wir dieses zuerst am Ursprung anpacken müssen. Ich rede vom ganzen Leid, dass immernoch durch unser System gestützt wird: Massentierhaltung. Masthennen. 

Masthennen, deren einziger Zweck es ist, schnellstmöglich jeden Tag ein Ei zu legen, um rentabel zu bleiben für Betrieb und Bauern. Das halten ihre hochgezüchteten Körper natürlich nicht ewig durch. Aus diesem Grund werden sie nach 12 bis 18 Monaten, also mit gerade einmal einem bzw. eineinhalb Jahren aussortiert und geschlachtet.

Unsere beiden Neuzugänge haben noch keine Namen und wir lassen uns damit auch Zeit. Denn Zeit haben die beiden jetzt so viel wie ihre in Mitleidenschaft gezogenen Körper ihnen geben. Ein “normales” Huhn kann 10 Jahre oder älter werden, eine Hochleistungs-Legehenne nur 3 bis 5 Jahre, wenn sie nicht vorher schon krank wird und stirbt.

“Wir essen sowieso nur Bio-Eier.” Pustekuchen.

Was die wenigsten wissen: unsere geretteten Hühner hier auf den Bildern stammen aus einer Biohaltung. Einer Mobilstall-Biohaltung wohlgemerkt. Also fast das “Beste” was es im Supermarkt zu kaufen gibt in Puncto Haltung und Bedingungen. Wer sich also wie wir auch mit “wir kaufen ja sowieso nur Bio-Eier” bisher bestätigt und beruhigt hat, dem muss ich leider sagen: wir fühlen das nicht mehr. Vielleicht geht es dir nach dieser Erfahrung auch wie uns und es macht sich Ernüchterung breit.

Wenn man sich die Zeit nimmt und in Ruhe überlegt, dann ist das aber auch logisch. Selbst bei Bio-Mobilställen kommt es natürlich auf die Rentabilität an – so ein Stall muss wirtschaftlich sein, klar. Und in einigen Fällen bedeutet das dann eben, dass 600 Hennen oder mehr, zusammen auf der Wiese und im Stall leben und dass dieser gerade einmal den Mindestanforderungen entspricht. Abgesehen von den Anforderungen, werden auch die meisten Betriebe nicht darüber hinwegsehen, dass ein Huhn nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr weiter jeden Tag ein Ei legen kann. Das ist ein buchstäbliches Henne-Ei-Problem, denn:

Bei Bio-Eiern mögen wir wohl mittlerweile die Aufzucht der berühmten Bruderküken mitbezahlen was auch nicht immer so war und eine tolle Errungenschaft ist. Dass eine Henne aber nicht jeden Tag ein Ei legt und ihr ganzes Leben lang beim Bauern bleiben kann sind wir offensichtlich bei weitem nicht bereit zu bezahlen. Mal ganz abgesehen von der ethischen Frage und der Frage des Fleisches. Also liegt es mal wieder an uns, den Konsumenten, wenn unsere Politik keine Handlungsnotwendigkeit sieht.

Bitte versteh mich nicht falsch – ich bin noch weit weg davon mich rein pflanzlich zu ernähren. Aber es geht mir hier um mehr: die bewusste Wahl von Lebensmitteln. Die Bewusste Wahl von Kleidung. Eine bewusste Wahl mit allen ihren Konsequenzen.

Nichts aus Boden- oder Freilandhaltung. Nichts.

Daher mein erster Appell: bitte bitte kaufe gar keine Eier aus Boden- und Freilandhaltung. Nichts, nada, einfach keine. Hier gibt es keinerlei Diskussions-Spielraum aus meiner Sicht. Dazu gehören zum Beispiel auch (das vergesse ich superschnell im Alltag, daher hier mal beispielhaft): Kekse, Nudeln mit Ei, Restaurant-Mahlzeiten, allerlei Produkte aus der Bäckerei, Snacks in der Cafeteria oder unterwegs, Fertigprodukte usw. Falls du Saucenpulver oder generell Fertigprodukte benutzt: hier verstecken sich auch Eier drin – und man muss wohl nicht lange überlegen, woher die stammen. Natürlich bei konventionellen Produkten aus Bodenhaltung. Das ist die günstigste Art und Weise schnell zu vielen Eiern zu kommen ohne dass viel Kosten entstehen. Was man auch immer wieder sieht sind freilaufende Hühner auf der Verpackung, die ja in Freilandhaltung leben. Die Wirklichkeit sieht anders aus, aber das ist an dieser Stelle hoffentlich jedem klar.

Aus obigen Gründen: bitte versuche auch deinen Konsum an Bio-Eiern zu reduzieren. Es gibt mittlerweile so viele gute Alternativen beim Backen oder zum Binden, die sehr gut funktionieren.

Das ist der erste Schritt und wichtiger als das Retten. Denn nur so können wir etwas verändern und das Retten sogar vielleicht irgendwann überflüssig machen.

Ihre ersten Minuten im Freien – ganz alleine.

Unterstütze Rettet das Huhn e. V.

Mein zweiter Appel: wenn du einen Garten mit etwas Platz hast, dann schau dir Rettet das Huhn an und ihre nächsten Termine. Die Termine sind nach Regionen und sicher findet sich auch mal ein Termin in deiner Nähe. Ich hatte 1h15 Fahrtzeit, da es keinen näheren Übergabeort gab, aber das ist ja nicht überall so. Bei der hohen Anzahl an Eiern, Produkten aus Ei / mit Huhn etc. wie wir noch immer konsumieren, gibt es unzählige hilflose Hühner, die nach einem qualvollen ersten Lebensabschnitt mehr verdient haben, als den Tod nach stundenlanger Fahrt, die alleine schon Leben kostet.

Du hast keinen Platz? Sie sind auch sehr dankbar für Spenden, welche übrigens zu 100% in die Hühnerrettung. Wenn du gerne nähst, werden auch Hühnerpullis und Traumarollen angenommen als Spende. Für die ganz stark in Mitleidenschaft gezogenen Hühnis, damit sie geschützt sind.

Danke.

Danke dass du den Artikel bis hier hin durchgelesen hast. Ich freue mich sehr darüber. Wenn du mehr über die Hühnerrettung von Rettet das Huhn e. V. wissen willst, schau unbedingt bei Rettet das Huhn vorbei.

Danke auch für ein Hinterfragen deiner Essgewohnheiten – also deines Kühlschrankinhalts, des Vorratsschranks, deiner Bestellungen auswärts und und und. Ich werde jeden Tag einwenig besser. Ich möchte mittlerweile sogar sehr gerne auf den Keks zum Kaffee im Restaurant verzichten, auf Dinge beim Bäcker mit Ei oder sonst vermeintliche Kleinigkeiten und weiß: wenn ich das schaffe, dann kannst du es auch! 😍

So, jetzt setze ich mich noch etwas zu unseren gefiederten Sweeties in den Garten. Unsere beiden Neuzugänge aus der Rettung fühlen sich jeden Tag wohler.Sogar die Federkiele sind schon deutlich länger geworden. 💚

weiße und blaue Kassenzettel
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Der blaue Kassenzettel

Immer öfter sieht man diese blauen Zettel in Supermärkten, Geschäften oder auf dem Markt. Sicher hast du diese Kassenbons auch schon bekommen oder gesehen.

Als Ergänzung zum Blogbeitrag Recycling-Mythen bzw. Mythos Nr. 4 „Alles Papier darf in die blaue Tonne“ sind mir die blauen Kassenzettel aufgefallen. Nach einer kurzen Umfrage in meinem Umfeld, wissen dazu viele Menschen noch nicht wirklich etwas. Hinter den blauen Zetteln verbirgt sich etwas mehr Nachhaltigkeit – die Farbe steht für eine andere Zusammensetzung des Papiers. Ganz ohne Chemie.

Mythos 4 also richtig? Alles was aus Papier ist, kann in die blaue Tonne, um recycelt zu werden?

Wie schon im Blogbeitrag erwähnt, ist das falsch. Nicht alle Produkte, die Papier enthalten oder aus Papier bestehen, dürfen auch als solches entsorgt werden. So darf eben nichts in die blaue Tonne, was thermisch bedruckt wird wie z. B. Kassenzettel, Parkhaustickets, Thermo-Faxe, Kontoauszüge, Konzert- und Flugtickets usw. Der Hauptgrund dafür: giftige Chemikalien im Papier. 

Weiße Kassenzettel, Tickets & Co. müssen in den Restmüll

Wie die meisten vermutlich wissen, werden diese Tickets nicht einfach mit regulären Tintenpatronen bzw. Druckern bedruckt. Das erfolgt thermisch mit Hitze. Damit man die Buchstaben lesen kann, wird das Papier mit Bisphenol A / BPA beschichtet. BPA ist allerdings ein giftiger Schadstoff, der den Hormonhaushalt verändert. Dazu führt bereits ein ganz normaler Hautkontakt mit dem Material. 

Und wer jetzt beschwichtigend abwinkt – „alles halb so wild“ – dem sei gesagt, dass solche Veränderungen bereits in einigen Studien nachgewiesen wurde. Es gibt Studien zu Bisphenol A, die zum Ergebnis kommen, dass männliche Fische, sich zu „female-like“ (verweiblichten) Fischen entwickeln. Bei weiblichen Lebewesen wurde eine Mutation der Geschlechtsorgane nachgewiesen. Es ist also alles andere als harmlos.

Fast-Verbesserungen in der EU

Somit hat man BPA 2020 in der EU nach vielen Jahren (fast komplett) verboten. Das war aber leider nicht das Ende. „Kreative“ Produzenten haben das verbotene BPA daraufhin einfach mit Bisphenol S ersetzt, was jedoch als giftige Chemikalie auch hormonähnliche Wirkungen zeigt. Wegen dieser und weiterer enthaltenen Chemikalien dürfen diese Bons, Tickets usw. nicht in den Papiermüll – sie werden über den Restmüll entsorgt.

Alles super, Problem gelöst? Wenn du jetzt denkst, dass es kein Papier mehr mit BPA auf dem Markt gibt, dann muss ich dich leider enttäuschen. Logischerweise gibt es noch Restbestände, Vorproduktionen etc. Auch in unserer Papierablage finden sich vermutlich alte Kontoauszüge, Quittungen, Faxe usw. die Bisphenole enthalten. Weg damit – aber nicht in die blaue Tonne, sondern in den Restmüll. Das gleiche gilt für alle beschichteten Papiere mit Folie oder Lack. Das ist auch der Grund, weshalb z. B. normales Backpapier nicht in die blaue Tonne darf.

Was passiert mit den Bisphenolen im Recycling?

Beim Recycling des Altpapiers lösen sich diese Stoffe und gefährden direkt die Umwelt und unsere Gesundheit. Sie können im Recycling-Kreislauf nicht ausgeschieden werden und gelangen so in den Altpapier-Kreislauf. Diese Produkte nutzen wir dann ahnungslos. Selbst wenn man also Thermopapier meidet, käme man dennoch mit diesen Stoffen in Berührung. Das ist z. B. der Fall; bei Schulheften, Notizblöcken, Toilettenpapier usw. Du kannst hier auf Zertifizierungen achten wie z. B. auch auf den blauen Engel. Der ist gemäß dieses Blogbeitrags ja auch ein Garant für die blaue Tonne 😉

blaue Kassenzettel
Blaue Kassenzettel enthalten keine Bisphenole und können in den Papiermüll.

Blaue Kassenzettel sind besser als weiße.

In den blauen Kassenzettteln sind keine dieser Chemikalien enthalten. Die Schrift erscheint durch eine physikalische Reaktion, da das Papier aus mehreren Schichten besteht. Wenn die erste thermisch „berührt“ wird, dann wird diese transparent und lässt die untere dunkler durchscheinen. Ganz ohne Chemie. Sie können aus diesem Grund wie gewöhnliches Papier entsorgt werden. 

Zusätzliche Lösungen

Wir haben zwar eine noch recht neue Kassenbon-Pflicht bei uns in Deutschland, dennoch kann jeder von uns dazu beitragen, den Verbrauch von Papier auch beim Einkaufen einzudämmen. Aufgrund dieser Pflicht ist das Ablehnen des Kassenbons nicht mehr so einfach bzw. das Ablehnen ist einfach, aber der Bon wird dennoch automatisch gedruckt. Allerdings bieten immer mehr Geschäfte die Möglichkeit, den Bon elektronisch zu erhalten. Bei Kartenzahlungen versuche ich zudem immer meinen Beleg abzulehnen – das ist wohl erlaubt, da der Händler ja eine hat. So gibt es keine Kunden-Kopie. 

Was auch eine Möglichkeit ist: werde aktiv! Schreibe das Unternehmen bzw. den Konzern an. Ich habe das auch schon gemacht (und meine Schwester macht das zum Beispiel wenn etwas mit Plastik-Klebeband versendet wird – hat sogar einen ähnlichen Impact…) und auch wenn ein großer Konzern nichts auf deine kleine Meinung gibt. Die Masse macht es. Gemeinsam kann viel erreicht werden. Es gibt auch immer wieder Petitionen bei der DUH und anderen Insitutionen. Mit Hilfe derer können wir ganz viel erreichen. Gemeinsam.

Quellen und mehr zu den Studien:

Deutschlandfunk
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30640006/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1874184/

Disclaimer: 
Nicht alle weißen Kassenzettel, Tickets o. ä. enthalten die obigen Stoffe. Es mag Hersteller geben, die beispielsweise bei Thermopapier auf Bisphenole verzichten. Das kann natürlich nicht abschließend geklärt werden. Dennoch, benötigt es Zusätze, die vielleicht nicht giftig sind, aber trotzdem nicht in die Umwelt gelangen sollten. 

Mülltonnen Closeup
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5 Recycling-Mythen zu Altglas, Papier, Plastik & Co.

Recycling – logo, weiß ich Bescheid: Alles aus Plastik kommt in die gelbe Tonne, alles aus Papier in die blaue. Küchenabfälle können in die braune Tonne, alles Glas kann in den Altglas-Container und alles andere in den Restmüll. Ist doch ganz einfach, oder nicht?

Alleine unser vielfältiges System zur Mülltrennung lässt vermuten, dass es etwas komplexer ist, als wir zuerst annehmen. Wir denken immer, wir sind Meister in der Mülltrennung und im Recycling, dabei sind wir eher Meister im Produzieren von Müll – Tendenz steigend. 2017 haben wir im Schnitt 226,5 Kg Müll aus Verpackungen produziert – jeder einzelne von uns. Und wenn diese auch noch falsch getrennt oder entsorgt werden, dann ist das doppelt schlecht. Fehlwürfe schaden dem ganzen System sogar mehr, als die Trennung nützt. Damit das weniger häufig passiert, schauen wir uns fünf der verbreitesten Mythen zur Mülltrennung an. 

1. Altglas – die Glasfarben werden sowieso vermischt bei der Abholung.

Hast du so eine Entleerung auch schon einmal beobachtet? Da kommt man schon auf den Gedanken, dass das alles in einen Anhänger oder Container kommt. Aber das ist Quatsch. In der Vogelperspektive ist es klar; der LKW-Anhänger ist unterteilt in Kammern und die Container werden jeweils über der entsprechenden Kammer entleert. So werden die einzelnen Farben schon vorsortiert eingeliefert. Vor Ort durchläuft das Ganze dann auch nochmals einige Stellen, an denen falsche Scherben entsprechend umsortiert werden. Die Deckel der Behälter kannst du übrigens in der gelben Tonne entsorgen und Korken zum Beispiel an Sammelstellen wie z.B. bei Alnatura abgeben. So bleibt soviel wie möglich im Kreislauf und ist bereits vorgetrennt.

Altglas von Nahem
Altglas soll wie Plastik entleert, löffelrein aber nicht sauber gespült eingeworfen werden.

Was allerdings nicht in die Glascontainer darf sind außer Keramik und Porzellan:

  • Trinkgläser, Karaffen etc. 
  • Blei- und Kristallglas (oft in Vasen, alten Gläsern etc.)
  • Glühbirnen
  • Zerbrochene Spiegel oder Fensterscheiben

Übrigens: kaum ein Material lässt sich so gut recyceln wie Glas. Vorausgesetzt, das Glas ist gut sortiert. Denn aus bunt gemischtem Glas wird beispielsweise kein Weißglas mehr hergestellt und dafür reichen schon wenige farbige Scherben…

2. In den Gelben Sack kommt nur Plastik.

In die gelbe Tonne bzw. den gelben Sack kann viel mehr als nur Plastik und gleichzeitig nicht alles aus Plastik. Grundsätzlich können die meisten Verpackungen aus Kunststoff

Metall und Verbundmaterialien in den gelben Sack wie z. B. 

  • Tuben von Cremes, Zahnpasta etc.
  • Spülmittelflaschen
  • Arzneimittelbehälter (leere Behälter und Blister)
  • Getränkekartons
  • Alufolie und Aluminium
  • Weißblech (z. B. Konservendosen) und Deckel
  • Suppentüten etc. 

Grundsätzlich kann man sich merken, dass alle Verpackungen, die nicht aus Papier, Glas, Keramik oder Porzellan sind, in den gelben Sack gehören. Mit ein paar Ausnahmen: 

  • Blech
  • CDs/DVDs
  • Feuerzeuge
  • Mundschutz
  • Zeltteile oder Altkleider aus/mit Kunststoffanteil
  • Kugelschreiber
  • Styropor
  • Plastikeimer
  • Kaputte Töpfe und Pfannen
  • Windeln und Hygieneartikel

Ganz schön verrückt – bei wievielen Dingen hast du gerade erstaunt geschaut? Es ist absoluter Wahnsinn wie vermeintlich einfach unser Recycling-System funktioniert aber gleichzeitig wie viel Wissen man doch benötigt, um wirklich umweltfreundlich zu recyceln. 

Noch ein Mythos zum gelben Sack:

Joghurtbecher & Co. müssen blitzeblank sauber sein. Es ist umweltfreundlicher, wenn diese Behälter „löffelrein“ abgegeben werden und nicht vorgespült sind. Noch volle oder halbvolle Becher dürfen natürlich nicht in den gelben Sack – löffelrein soll es sein.

3. Papier- und Biotüten sind umweltfreundlicher als Plastiktüten.

Zuerst: alle drei sind Einwegprodukte und sollten den Weg in unseren Haushalt also gar nicht mehr finden. Also ganz egal ob Papier-, Bio oder Plastik – alle verbrauchen Ressourcen. Und das dafür, nur ein Mal oder nur wenige Male von uns benutzt zu werden. Es sind also alles Dinge, die wir grundsätzlich vermeiden sollten.

Papiertüten

Da Papiertüten das Gewicht der Einkäufe meistens nicht aushalten würden, sind sie dicker produziert bzw. werden frische Fasern benötigt, die länger sind, um die kürzeren recycelten Fasern zusammenzuhalten. Oder chemische Klebstoffe, wenn überhaupt Altpapier eingesetzt wird – braune Tüten enthalten nämlich nicht zwingend Altpapier… So oder so bedeutet das mehr Ressourcenaufwand. Neben dem Rohstoff mehr Energie und Wasser für die Produktion als bei der Plastikvariante. 

Biotüten

Aber auch Biotüten schneiden im Vergleich zu Plastiktüten nicht besser ab hierbei. Sie bestehen aus Mais oder anderen Nutzpflanzen, die in diesen Massen oft nicht bei uns angebaut werden. Zusätzlich zur Verschiffung kommt dann noch der Einsatz von Chemie und Pestiziden. Und am Ende hat man dann diese Biotüte, die zudem auch nicht so richtig kompostierbar ist. Wer mal eine dieser Tüten auf dem eigenen Kompost entsorgt hat, weiß genau, was ich meine. Bei uns verstopfen und blockieren sie übrigens sogar die Sortiermaschinen, die die Abfälle der braunen Tonne / Biotonne auseinandernehmen. Das heißt, sie werden meist aussortiert (kostet mehr) und dann letztendlich mit dem Restmüll verbrannt. Ökologisch ist anders.

Abgesehen von der Zersetzung, sind diese beiden Varianten also nicht wirklich eine bessere Wahl für unsere Umwelt als Plastiktüten – schon etwas verrückt, oder? 

Wie zu Beginn schon kurz erwähnt, zeigt sich einmal mehr: 

Lass die Finger von Einwegprodukten und greife zu lange wiederverwendbaren Alternativen und vor allem Dinge, die du sowieso schon hast, wie z. B. deinen Rucksack oder (Einkaufs-)Korb – fair und/oder regional oder Second Hand versteht sich. #nutzewasduhast

4. Alles aus Papier kann in die blaue Tonne. 

Fast richtig, aber eben doch nicht so ganz. Grundsätzlich lässt sich Papier bei uns sehr gut recyceln. Schwierig für die Verwertungsanlagen wird es nur dann, wenn wir sogenannte Fehlwürfe tätigen. 

Zerknülltes Papier
Sauberes und trockenes Papier darf in die blaue Tonne.

Daher gehören folgende Dinge nicht in die blaue Tonne:

  • Kassenzettel, Tickets usw.
  • Papierverpackungen mit Lebensmittelresten (z. B. Pizzakartons)
  • Backpapier (ist meistens mit Teflon beschichtet)
  • Auch kein anderweitig beschichtetes Papier wie Fotos, Tapeten, Getränkekartons
  • Kosmetik-, Taschen- oder Küchentücher
  • Briefumschläge mit Fenster, Aufkleber etc.

Als Faustregel gilt: grüner Punkt oder blauer Engel auf der Papierverpackung, dann darf es in die blaue Tonne. Da Altpapier in der Qualität aber nie an frisch produziertes Papier rankommt, gilt: spare an Papier, wo du nur kannst. 

5. Mülltrennung ist unnötig, weil sowieso alles verbrannt wird.

Natürlich absoluter Quatsch und unlogisch. Je sauberer wir den Müll vorab trennen, desto besser unterstützen wir den Kreislauf. Die Deutsche Umwelthilfe bestätigt, dass Mülltrennung besser für die Umwelt ist, als wenn wir alles vermischt im Restmüll entsorgen. 

Die DUH schätzt übrigens, dass die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen bei ca. 38% liegt. Das ist nicht sonderlich viel, wenn man sich mal danach fragt, was mit den anderen 62% passiert. Es ist aber immerhin etwas und ein wichtiger Anteil, um die Ressourcen zu schonen und die vorhandenen im Kreislauf zu behalten. 

Und wieso genau ist das Trennen wichtig?

Damit gute Recyclate hergestellt werden können, muss alles möglichst sauber und nicht zusammengepresst sein. Was verpresst und damit auch verschmutzt ist, ist grundsätzlich schwieriger zu trennen. Wenn wir Essensreste und Joghurtbecher beispielsweise in den Restmüll werfen, wird beides noch im Müllwagen zusammengepresst und die Becher verschmutzt. Glas würde die Trennung auch erschweren, weil es, um bei den Joghurtbechern zu bleiben, diese zerstören und zusammendrücken würde. Papier muss für die Wiederverwertung aus ökonomischem und ökologischem Aspekt trocken und sauber sein.

Zudem sind wir – machen wir es richtig – besser als die Maschinen in den Anlagen. Wir trennen mit Verstand und Wissen und nicht nur aufgrund eines oder zwei Attributen wie z. B. Farbe oder Gewicht. Nur wenn wir trennen, kann überhaupt recycelt werden.

Wie immer gilt bei allen obigen Punkten die Devise:
Konsumiere bewusst und überlege dir beim nächsten Kauf genau ob du das wirklich brauchst. Möchtest du dieses Produkt bzw. dann irgendwann diesen Abfall wirklich mitnehmen? Das ist deine Entscheidung und wie wir wissen bestimmst du mit, welche Produkte künftig angeboten werden.

Praktische Hilfen im Alltag

Es ist nicht immer einfach und mit unserem Wohnstand verliert man gerne mal den Fokus. Wir haben daher einige praktische Tipps und Übungen im Alltag integriert, die hilfreich sind für uns. Wie oft haben wir früher gedacht „Na wir produzieren wirklich nicht viel Müll…“ oder „Die paar Plastikverpackungen im gelben Sack, da müssen andere schon mehr aufpassen, als wir…“

Letztendlich haben wir die Erfahrung gemacht, dass es immer mehr ist, als wir annehmen. Eigentlich logisch, denn wir alle neigen dazu uns unsere Gewohnheiten und Abläufe schön zu reden und mit anderen zu vergleichen. Vergleichen ist ja nicht zwingend schlecht, es kann auch anspornen. Trotzdem mussten wir für uns Fakten schaffen, um das etwas objektiver sehen zu können.

  • Prüfe alles mit Verpackung in deinem Haushalt
    Fange an, deine Schränke zu prüfen. Schau was aktuell noch verpackt bei dir ist und wo du Verpackung einsparen kannst. Egal welche Art von Verpackung. Stichwort Refuse.

    Bei mir wurde das zuerst fast wie eine Sucht, dann ein Spiel und mittlerweile ist es fast schon Gewohnheit. Total schön, wenn ich zurückblicke und aufschreibe, jetzt.
  • Schaffe Fakten für deinen(!) Haushalt. 
    Notiere dir z. B. wann dein gelber Sack voll ist. Ich habe in der Küche einen Kalender hängen, in den ich eintrage, wann ich einen vollen gelben Sack in die Garage bringe.

    Wir sind aktuell zwei Erwachsene und hatten letztes Jahr neun gelbe Säcke. Keine Ahnung ob das viel oder wenig ist für zwei Personen. Was für mich wichtig war, was dass es deutlich weniger waren als im Jahr davor. Und was ich auch weiß: da ist noch viel Luft nach oben.

    Leider müssen wir uns in diesem Jahr deutlich mehr anstrengen, weil wir von einem der Hochbeete im Garten die Noppenfolie entsorgt haben beim Erneuern der Wände. Das heißt, wir haben einen ganzen gelben Sack nur mit dieser Folie gefüllt. Der schlägt sich natürlich auf die Bilanz. Mal schauen, was das Jahr noch bringt – ich bin fest entschlossen. Dabei hilft übrigens auch der nächste Punkt.
  • Zerlege von Zeit zu Zeit deine Abfälle – Müll-Scanning.
    Egal ob gelber Sack oder Restmüll. Zieh dir wiederverwendbare Handschuhe an, lege etwas Zeitungspapier aus oder nutze den Fliesenboden. Nimm Stück für Stück aus deinem Müll heraus und lege es hin. Mache ein Foto oder führe Buch darüber, was du vorfindest.

    Überlege dir, wie du die einzelnen Verpackungen vermeiden könntest und wieso sie da sind. Ganz oft sind Muster erkennbar und genau daraus kannst du lernen. Ich habe beispielsweise festgestellt, dass ich mich zu oft zu Spontankäufen verleiten lasse. Da einen Riegel, da noch ein Schnäppchen…
  • Sei immer vorbereitet, um Verpackung einzusparen…
    Wenn du nicht zu den super organisierten Personen gehörst, was das Einkaufen betrifft, dann hilft dir das vielleicht auch. Du schaffst dir eine ideale Umgebung für deine fehlende Organisation.

    Ich habe eine Stofftasche und zwei To Go Behälter für Essen (aussortierte Kunststoffbehälter, die ich nicht mehr täglich nutzen wollte) im Kofferraum, eine Einkaufstasche mit Stoffbeuteln in der Handtasche und zwei Taschen bei meinem Mann im Auto. Esse ich mal irgendwo im Restaurant mein Essen nicht oder es bleiben Reste, dann habe ich was dabei und brauche nichts neu produziertes (und meist nicht gut wiederverwendbares) vom Restaurant. Vergesse ich zum tausendsten Mal das Leergut, habe ich immerhin eine Tasche und Beutel für einen Basis-Einkauf dabei. 

    Wenn du auch aus Stoffresten Wachstücher gemacht hast und genügend hast, lege dir auch davon eines in die Handtasche. Du wirst staunen, wie praktisch das ist für unterwegs. Du sparst dir Bäckertüten, Alufolie, Frischhaltefolie, Tüten usw. Das Gleiche gilt für Besteck und Stoffservietten.

Viel einfacher als Recycling, oder nicht? 😉

Es gibt noch einige weitere Mythen, die hier aber leider den Rahmen sprengen. Man könnte noch lange über jeden einzelnen Irrglauben hier schreiben, aber es ging mir mehr darum, einen groben Überblick und mehr Achtsamkeit zu schaffen. Dich anzuregen auch selbst etwas kurz vorab zu recherchieren, bevor du kaufst oder entsorgst. Welchen Recycling-Mythen bist du schon begegnet oder was für Irrglauben hast du schon gehört und gelesen zum Mülltrennen? Es gibt noch so viele weitere…

Quellen:
Nabu
Welt

Narzissen in Glasvase
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Kritik an konventionellen Schnittblumen – wieso wir genau hinsehen müssen.

Wer findet das nicht schön, wenn man frische Blumen auf dem Esstisch oder im Eingangsbereich hat – insbesondere nach dem Winter freut man sich so sehr auf die ersten Blumen. Da kommen die vielen Tulpen an der Kasse doch gerade richtig. Teuer sind sie auch nicht und die Qual der Wahl hat man höchstens bei der Farbe. Ganz so einfach ist das aber bezüglich Anbau, verwendeten Chemikalien oder der Herkunft der Blumen nicht.

Was ist denn so schlimm am Anbau konventioneller Schnittblumen?

Es gibt nicht nur einen, sondern zahlreiche Gründe, um auf konventionell angebaute Pflanzen zu verzichten. Bei der Information wie auch beim Anbau herrscht bei diesem Thema noch großer Nachholbedarf.

  • Viele der Blumen reisen mit dem Flugzeug an. Gerade Rosen werden viel in Afrika, genauer in Kenia angebaut. Nelken sind auch sehr beliebte Blumen bei uns. Die stammen hauptsächlich aus Kolumbien, Südamerika. Die weite Reise überstehen die Blumen meist nur u. a. durch eine durchgängige Kühlung und entsprechende Vorbehandlung.
  • Nicht nur importierte Blumen hinterlassen einen großen CO2-Fußabdruck. Auch bei uns in Deutschland oder in angrenzenden Ländern angebaute Blumen schaden dem Klima. Beheizte Gewächshäuser und ein hoher Wasserbedarf schlagen hier zu Buche. Der gekühlte Transport fällt natürlich auch aus den Niederlanden nach Süddeutschland nicht weg – die Wege sind teilweise ja sogar länger als aus anderen Teilen Europas … Das täuscht leider oft, denn letztendlich kommt es darauf an, wie die Pflanzen angebaut sind und woher z. B. das Wasser stammt, das in großen Mengen benötigt wird.
  • Aber ganz egal wo: ohne Pestizide, chemische Schutzmittel, synthetische Düngemittel & Co. geht da gar nichts. Wir Konsumenten möchten zu jeder Jahreszeit vollkommene Blumen und akzeptieren wie beim Gemüse keine Abweichungen von der „Norm“.  Und jetzt mal ganz ehrlich – möchtest du an Rosen riechen, die über ihr gesamtes Wachstum mit schädlichen Pestiziden behandelt wurden? Mhhhm – direkt über die Nase in deinen Körper. Also das ist sicher gesund, oder was denkst du?
  • Abgesehen von den Giftstoffen ist der Wasserbedarf in südlicheren Ländern ein großes Problem. Leider genau wie das Abwasser, das gemeinsam mit den Pestiziden für vergiftete Böden sorgt. Der WWF berichtet, dass das Abwasser samt Giftstoffen ungefiltert in die Natur gelangt. Es gibt hier weder Kontrollen noch technische 
  • Unfaire Arbeitsbedingungen. In südlicheren Ländern ist Kinderarbeit noch immer an der Tagesordnung. Dazu kommen schlechte Arbeitsbedingungen auf den Blumenfeldern, fehlende Sicherheit z. B. im Umgang mit den Geräten oder fehlende Sozialleistungen und viel zu niedrige Löhne. Das alles um die Margen so hoch wie möglich zu halten und den Preis niedrig. Damit wir letztendlich an der Kasse zugreifen. 
Narzissen im Detail

Pestizide müssen nunmal sein?

Absoluter Quatsch. Pestizide werden eingesetzt, weil wir gegen die Natur, das ganze Jahr das komplette Angebot an perfekten Blumen möchten. Und dieser Satz alleine, widerspiegelt schon das Dilemma. Hier verstecken sich gleich drei Probleme: 

  1. Gegen die Natur
    Die Natur regelt an sich alles und ist perfekt auf alles abgestimmt. Wenn wir das stören, sind Hilfsmittel nötig. Das heißt, wenn Pestizide nötig sind dann werden die Blumen entweder falsch angebaut, erhalten nicht die richtigen oder genügend Nährstoffe, sind überzüchtet etc. Es gibt noch viele weitere Gründe für die vermeintliche Notwendigkeit von Pestiziden oder den Einsatz von Chemie. Alle sind hausgemacht und entstehen nur, weil das Ganze nicht seinem natürlichen Lauf nachgehen kann.
  2. Das ganze Jahr
    Tulpen im Dezember, Narzissen (Osterglocken) im Februar, Pfingstrosen von April bis September? Das ist exakt das Gleiche, wie wenn wir Orangen im Juni kaufen und Erdbeeren im November. Nur, dass bei Erdbeeren im November alle aufschreien, weil das ja sowas von nicht saisonal ist. Den meisten von uns ist das sehr wohl bewusst, aber zum Strauß Tulpen an der Kasse, macht sich kaum einer Gedanken.
  3. „Perfekte“ Blumen
    Der Einsatz von synthetischen Düngern, chemischen Schutzmittel und Pestiziden ermöglicht, eine perfekte Blume vom Stiel bis zu den Blüten.

    Meistens beziehen wir „perfekt“ auf das Aussehen, aber manchmal betrifft das auch Eigenschaften. So gibt es mittlerweile Züchtungen, die pollenfrei sind. Das heißt es gibt keine „lästigen“ Pollenflecken mehr auf Kleidung und Tischdecke. Oder Rosen, die längere Stiele haben und weniger duften, da das entweichende Etyhlengas sie schneller verblühen lässt. In die andere Richtung gibt es auch chemische Hemmstoffe, die dafür sorgen, dass die Pflanzen klein und kompakt bleiben. Beides absolut gegen die Natur. Gegen alles was für den Kreislauf des Wachstums steht. Unverständlich, aber hier bestimmt mal wieder die Nachfrage das Angebot. Buying is voting…

Somit muss uns allen klar sein, dass Pestizide nicht nötig wären, wenn wir bewusst und im Einklang mit der Natur und deren Abläufen konsumieren. Wie bei Gemüse und Obst, gilt das eben auch für alle anderen Pflanzen.

Faire Siegel für Blumen

Wenn du trotzdem nicht auf konventionelle Blumen verzichten möchtest, dann achte zumindest auf faire Siegel. 

Fair Flowers Fair Plants – FFFP

fairflowersfairplants.com

Dieses Siegel aus den Niederlanden kennzeichnet u. a. Blumen und Pflanzen, die unter Einhaltung einiger ökologischer und sozialer Kriterien gezüchtet werden.

Das heißt, hier spielen nicht nur der Einsatz von z. B. sehr giftigen Pestiziden, weniger Düngemittel usw. eine Rolle, sondern auch der Ressourcenverbrauch und der ethische Aspekt wie Kinderarbeit und eine faire Entlohnung.

Wie auch beim Bio-Siegel verspricht dieses Siegel zwar nachhaltigere Pflanzen, da ist allerdings noch viel Luft nach oben. Blumen aus kontrolliert biologischem Anbau sind sicher deutlich nachhaltiger als diese Siegel-Zertifizierung verspricht. 

Fairtrade

fairtrade-deutschland.com

Das wohl bekannteste Siegel, das mindestens durch Schokolade und Kaffee seit einzigen Jahrzehnten bekannt ist. Es garantiert – wie bei den Lebensmitteln auch – zumindest einen Mindeststandard was faire Arbeitsbedingungen und Sicherheiten vor Ort angeht. Zudem verbietet es strikt Kinderarbeit. Beim Fairtrade-Siegel ist das Thema Nachhaltigkeit leider nur ganz schwach geregelt. Sogenannte „strenge Umweltregeln“ verbieten zwar immerhin ein paar hochgiftige Pestizide und es fördert den ökologischen Anbau. Allerdings gibt es keine exakten Bestimmungen und Regelungen, die weitergehen und den gesamten Prozess wirklich nachhaltig gestalten.

Auf der Internetseite des Siegels gibt es einen Einkaufsfinder, über den du Geschäfte in der Nähe finden kannst, mit Fairtrade-Blumen im Angebot.

Der CO2-Fußabdruck kann zwar durch diese Zertifizierungen verringert werden, er ist aber immernoch zu hoch, um das Ganze als alltägliche Massenware zu betrachten. Ich kaufe mir ja auch nicht jede Woche einen Granatapfel, Avocados oder eine Papaya – um das mal in ein Verhältnis zu setzen. Wenn wir hier sehr bewusst konsumieren, das heißt uns über die Konsequenzen im Klaren sind, dann geht das gar nicht anders. Wir müssten darauf so stark verzichten, dass es wieder etwas Besonderes ist. 

Das heißt also nie wieder Blumen auf dem Esstisch, im Flur oder als Mitbringsel? 😲

Naja, ganz so schlimm ist das nicht, es gibt viele Alternativen, die Mensch und Natur weniger bis gar nicht schaden. Hier etwas zusammengefasst: 

🌻 Bei deinem Floristen und auf dem Markt kritisch nachfragen, woher die Blumen kommen. Wie wurden sie angebaut? Wer hat sie gepflückt? Unter fairen Standards? Wurde Chemie eingesetzt? Welchen Transportweg haben sie hinter sich? Freiland oder Gewächshaus? Und falls Letzteres – wie wurde das beheizt? Bewusst kaufen.

🌻 Wie beim Gemüse und Obst gibt es auch bei den Blumen eine Saison. Wer unbedingt im August Pfingstrosen und im Februar Osterglocken (eine einfachere Eselsbrücke geht dank den Namen ja kaum) kaufen möchte, dem muss klar sein, dass das gerade nicht die richtige Saison dafür ist. Das entspricht dem einfachen Beispiel Erdbeeren im November…

🌻 Bei Blumenfeldern ist die Saisonalität hingegen gegeben. Bei uns sind die weder unter Folien noch in beheizten Gewächshäusern und werden von ansässigen Familien gepflegt. Aber auch hier besser einmal mehr nachfragen. Auch eine lokale Bauernfamilie oder dein Nachbar kann Pestizide, Herbizide usw. einsetzen. Ich möchte das auch nicht super lokal unterstützen.

🌻 Biozertifizierte Pflanzen kommen komplett ohne chemische Pflanzenschutzmittel, synthetische Düngemittel, Herbizide und Gentechnik aus. Auch dem Thema Torf wird hier Beachtung geschenkt, da für den Anbau konventioneller Pflanzen oft torfreiche Erde verwendet wird. Ich achte jedoch auch bei diesem Thema darauf, dass diese offiziell zertifiziert sind, also aus einem kontrolliert biologischen Anbau stammen. Einzeln verwendete Begriffe wie „kontrollierter Anbau“, „naturnah“, „mit der Natur“ usw. können dabei irreführend sein. Es lohnt sich genau hinzuschauen. 

🌻 Trockenblumen – es gibt so wunderschöne Blumen, in denen sich der Sommer quasi etwas konservieren lässt, für die dunkleren Wintermonate und darüber hinaus. Ein Trockenblumenstrauß kann genauso schön und frisch wirken auf deinem Esstisch, wie ein Bund Tulpen, der da im November oder Dezember nichts zu suchen hat. Nein, er wirkt sogar noch schöner. Denn wenn er aus der Region stammt und langsam, achtsam oder biodynamisch angebaut wurde, dann wüsste ich keinen Grund für einen Bund konventionelle Rosen oder Tulpen, die viel Leid und Schaden angerichtet haben. 

Am besten: konsumiere ganz bewusst.

Ich kaufe, wenn dann SlowFlowers wie zum Beispiel die Narzissen und Tulpen auf den Fotos, von Wildling Blumen bei uns in der Region. 

Hast du schon einmal von SlowFlowers gehört? Wie beim Essen Slowfood oder bei der Mode Slowfashion, gibt es auch hier eine tolle aber vergleichsweise weniger bekannte Bewegung, die sich für Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit im Anbau von Schnittblumen einsetzt. 
Den Mitgliedern der Slowflower-Bewegung liegt unsere Umwelt und ein bewusster Konsum am Herzen. Mehr Infos zur Bewegung und deinem nächsten Slowflower-Anbieter findest du hier.

Überlege dir beim nächsten Besuch im Baumarkt, Gartencenter oder Supermarkt ganz einfach: Will ich die Welt wirklich ärmer machen mit meinem Kauf? Möchte ich Mensch, Natur und Tieren schaden mit meinem Kauf – zum Beispiel einem Strauß in Pestizidnebel angebauten Tulpen, der vielleicht zwei Wochen hält? Oder suche ich eine bewusste Alternative und leiste meinen Beitrag mit einem nachhaltigen Prozess, der weder Mensch noch Umwelt schadet.

Ich glaube, da gibt es nur eine Antwort, oder?

PS: Falls dich ein bewusster Konsum interessiert, findest du hier übrigens einen Blogbeitrag mit hilfreichen Tipps wie auch du es schaffst, bewusster zu konsumieren.

Quellen: 
Handelsblatt
Zeit
WWF

Werbung, unbezahlt




Altkleider-Spende
Wissen

Das Dilemma mit den Altkleider-Spenden

In einem der letzten Beiträge zum Reduzieren der Kleidung, hatte ich die Problematik mit Altkleider-Spenden bereits kurz angedeutet. Da ich festgestellt habe, dass das Problem wohl doch nicht so bekannt ist, gibt es hiermit einen separaten Blogpost dazu. Es ist einfach zu wichtig und gerade in der aktuellen Zeit und dem vorhandenen Ausmist-Wahn sehr präsent. 
Wer kennt diese Container nicht. Sie stehen überall an den Straßen, auf Parkplätzen und Schulhöfen. Altkleider-Container verschiedenster Einrichtungen. Seine Kleidung in Säcken oder Kartons an so einem Container abzugeben, schafft bei den meisten von uns ein gutes Gefühl. Ein Gefühl, jemandem dem es schlechter geht als uns, zu helfen und spenden ist doch eine gute Sache, oder? So bin auch ich groß geworden und vielleicht war das auch mal so. 

Fakt ist: Heute haben die meisten unserer Spenden leider alles andere als einen guten Impact. Im Gegenteil, sie verzerren Märkte und zerstören sie.

Wieso braucht es all die Container?

Im Schnitt kauft jeder von uns jedes Jahr ca. 60 Kleidungsstücke. Das bedeutet nicht nur, dass wir im Schnitt mehr als ein Kleidungsstück pro Woche kaufen, es bedeutet auch, dass wir das faktisch gar nicht alles tragen können. Für einen kurzen Rausch und ein paar Tage Freude mit einem Stück nehmen wir in Kauf, dass Menschen und unsere Umwelt ausgebeutet werden. Das Ganze ist ein Thema für sich und man findet bereits viele lesenswerte Beiträge zu den Themen Fast und Fair Fashion. Die Rechnung wie es überhaupt dazu kommt, ist jedoch ganz einfach: Zuviel Kleidung + zu billig eingekauft = keine Hemmschwelle, sie regelmäßig loszuwerden. 

60 Kleidungsstücke entsprechen ca. 30 Kilogramm Kleidung. Das heißt die müssen ja jedes Jahr irgendwo hin. Weil wir im Vorjahr schon 30 Kilo gekauft hatten, und das Jahr davor und das davor und und und… Also raffen wir uns gelegentlich auf, machen eine große Ausmistaktion und fühlen uns danach wunderbar frei.  Wir spenden oder verschenken die Kleidung, geben sie in einen Container oder entsorgen sie über den Müll. Und da wir nun einen aufgeräumten und vermeintlich klaren Kopf haben, passt doch sicher auch wieder was Neues rein, juhu… Wohl eher nicht. Das Umdenken hat bei dem ganzen Prozess leider noch nicht stattgefunden und das so wichtige Bewusstsein dafür, steckt irgendwo unter den aussortierten Kleidern. 

Über gebrauchte Kleidung freuen sich viele – aber leider vor allem diejenigen, die dafür sorgen dass sie ins Ausland gelangen. In Afrika oder dem Nahen Osten wehrt man sich gegen die schier unendlichen Mengen an Altkleidern. Den positiven Impact, den wir hinter unserer Spende vermuten, findet man vergebens.

Zumindest, wenn wir nicht darauf achten, wo wir die Kleidung abgeben. Am besten ist es immernoch, direkt zu spenden, zu verschenken oder zu verkaufen. Seien wir mal ehrlich – in den meisten Fällen sind unsere aussortierten Kleider noch absolut tragbar und kommen weg, weil sie nicht mehr gefallen oder passen. Daher liegen diese drei Möglichkeiten doch am nächsten. Richtig zerschlissene Kleidung, aus der du auch nichts anderes mehr machen kannst – und glaub mir, die Möglichkeiten hier sind schier unendlich…) kommt sowieso in die Textilverwertung (z. B. TexAid Container, siehe nächster Punkt). 

Wenn das alles nicht in Frage kommt, bleibt vermeintlich nur noch der Container. Und genau hier ist es wichtig, dass du genau hinschaust. Wieso? Da gibt es schmutzige Gründe dafür.  

Container nur für Textilverwertung

Einigen ist das nicht bewusst; nicht jeder Container dient dem Zweck, deine eingeworfene Kleidung auch in dieser Form weiter zu geben. Es gibt einige Container, die speziell für die Textilverwertung sammeln, bei uns zum Beispiel TexAid. Das heißt, eingeworfene Textilien werden nicht erst gemäß ihrem Zustand sortiert, sondern direkt zu z. B. Lappen, recyceltem Nähgarn oder Dämmstoffen geschreddert. Somit ist hier schon das erste Mal Vorsicht geboten, weil die Spende unter Umständen gar nicht erst in eine Sortieranlage kommt und an Menschen weitergegeben wird, die sie brauchen. Hier lohnt sich also erst recht ein doppelter Blick, was auf dem Container steht, wenn du gerade eine Winterjacke in einwandfreiem Zustand einwirfst…

Illegale und legale Container

Es gibt zahlreiche illegale Container verteilt bei uns. Die sind weder immer genehmigt (auf Privatgrund nicht nötig), noch von offiziellen Anbietern, sondern von irgendwelchen privaten Unternehmungen. Zertifikate oder fairer Handel sucht man vergebens. Das Geschäft ist zu lukrativ, als dass der offizielle Weg gegangen wird. Selbst Container von offiziellen Unternehmen wie Humana, haben als Hauptzweck die Gewinnmaximierung, statt einem humanitären Zweck. Die Zurückverfolgung ist dank regelmäßiger Unternehmens-Auflösungen, Scheinfirmen usw. nur schwierig möglich.

Illegal abgestellte Kleider-Container ohne Möglichkeit der Rückverfolgung und ohne Kennzeichnung einer gemeinnützigen Einrichtung. 
Text auf dem Container: Altkleider & Schuhe
Illegal abgestellte Kleider-Container ohne Möglichkeit der Rückverfolgung. Bild: SWR Marktcheck

So landen tonnenweise Altkleider in Händen, die damit in erster Linie nochmals richtig Geld verdienen wollen und keine selbstlosen, wohltätigen Ziele verfolgen. Die Spendensammlung funktioniert in der Regel immer gleich:

  1. Am frequentierten Stellen werden Container aufgestellt und regelmäßig geleert..
  2. Die gesammelten Kleidungsstücke werden zu zentralen Lagern transportiert und dort sortiert. Defektes kommt weg und der Rest wird je nach Zustand zugeteilt. Der Zustand orientiert sich dabei an den Märkten, auf denen sie noch weiterverkauft werden sollen. 
  3. Je nach Zustand wird die Ware nach Osteuropa, Afrika und weitere Länder verkauft und dorthin transportiert. 
  4. Im Zielland wird sie dann gebraucht verkauft.

Verdient wird bei jedem Schritt mit abnehmender Marge. Im Ganzen geht es auf dem Altkleider-Markt um richtig, richtig viel Geld. Von Gemeinnützigkeit in der Regel keine Spur. 

Container vom Deutschen Roten Kreuz

Leider ist davon auch das Rote Kreuz nicht ausgenommen. Spätestens nach der NDR-Reportage “Die Altkleider-Lüge” hat der ein oder andere vielleicht aufgehorcht und Fragen gestellt. Hier findet ihr übrigens die Stellungnahme des DRK dazu. Ein fader Beigeschmack blieb – zumindest bei mir – dennoch. Gemäß einem Artikel der dw nimmt das DRK jährlich circa 13,5 Millionen Euro durch Altkleider-Spenden ein. Das Geld wird zwar auch verwendet für wohltätige Zwecke, aber der Verantwortung entziehen, kann sich auch das DRK nicht. Ein im Zielland angerichteter Schaden kann durch diese wohltätigen Zwecke nicht so einfach aufgehoben werden.

Container mit FairWertung-Siegel

Für alle, die bis hierhin gelesen haben (WOW und danke 🤗) und sich jetzt fragen wohin mit den ganzen alten Kleidern, gibt es eine (Teil!)-Lösung. Es gibt Container, die das sogenannte FairWertung-Siegel tragen. FairWertung ist ein Zusammenschluss verschiedener Altkleidersammler, um sicherzustellen, dass die Erlöse dieser Altkleider-Spenden durchweg einem wohltätigen Zweck zugutekommen. Deinen nächsten Container findest du auf der Seite der Standortsuche

Kreislauf der Kleiderspende in einen Container mit FairWertung-Siegel. Weg einer gemeinnützigen Kleiderspende.
Kreislauf der Kleiderspende in einen Container mit FairWertung-Siegel, Bild: Tchibo Blog

Man könnte jetzt meinen, dass die Spenden ja doch einen guten Einfluss haben können. Schließlich schaffen sie auf dem osteuropäischen oder afrikanischen Markt viele Arbeitsplätze und viele Menschen können sich reguläre Kleidung gar nicht leisten. Zum ersten Argument; es schafft natürlich Arbeitsplätze, aber es zerstört dafür andere und verzerrt den Preis vor Ort. Unsere Spenden bzw. die Ware wird so angeboten, dass die heimische Textilindustrie vielerorts zusammenbricht. Es gibt zwar mittlerweile Studien, die sagen, dass die jeweiligen Textilindustrien den Bedarf nicht mehr decken könnten und es die gebrauchte Kleidung zusätzlich braucht, diese müssen jedoch kritisch betrachtet werden. Sie stellen nur unsere westliche Sichtweise dar. Die afrikanische Sichtweise kommt da zu ganz anderen Aussagen und Ergebnissen. Vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo dazwischen, wer weiß. Trotzdem erlassen immer mehr afrikanische Länder Importverbote für Altkleider, u. a. um die eigene Wirtschaft zu schützen. Ein zwar politisches, aber ziemlich klares Zeichen, finde ich.

Auch was Secondhand-Kleidung als einzige Möglichkeit zur Deckung der Grundversorgung betrifft, gibt es eine Kehrseite. Gebrauchte Kleidung ist für viele die einzige Möglichkeit überhaupt Kleidung zu kaufen. Jedoch gelangen unsere Spenden in erster Linie in die reicheren afrikanischen Länder, die zahlungsfähig sind. Schon vergessen – es geht nur ums Geld. Mit Bedürftigkeit hat das wenig zu tun, denn den wirklich bedürftigen Menschen bleiben unsere Spenden oftmals verwehrt. 

Spenden an die Deutsche Kleiderstiftung e. V. 

Da bei uns kein FairWertung-Container in der Nähe war, musste ich für meine Kleiderspenden eine Alternative suchen. Den saisonal passenden Teil konnte ich an ein lokales Sozialkaufhaus geben, aber für den Rest musste eine andere Lösung her. Nach der Eingabe der Postleitzahl auf der Standortsuche von FairWertung, wurde mir die deutsche Kleiderstiftung e. V. angezeigt. Bei der kann man einen Paketschein anfordern und die Kleider kostenlos versenden. Das war einfach und unkompliziert. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass du nur gut erhaltene Kleidung und Schuhe versenden solltest.

Falls ich das jemals wieder brauche, werde ich das auch wieder nutzen. Zumindest, wenn es lokal nicht möglich ist. Da sich meine Anzahl aber drastisch reduziert hat und sich mein Bewusstsein grundlegend verändert hat, wird das glücklicherweise nicht mehr so schnell der Fall sein. Und wenn doch, dann nur für einzelne Stücke, die meistens in den Sozialkaufhäusern willkommen sind, sofern gut erhalten. 

Es gibt also transparentere und wohltätigere Möglichkeiten über Container zu spenden, aber die perfekte Lösung bieten auch sie nicht. Es ändert am Ende ja nichts daran, dass wir zu viel und zu billig konsumieren und unsere Kleidung auf irgendeinem Markt landet, auf dem sie als gefragte und gewinnbringende Ware verkauft werden. Wer da helfen möchte, der muss sich die Mühe machen und genauer hinschauen.

Was also nun? Überraschung: die Lösung hast du selbst in der Hand.

Du bist die Lösung und kannst sofort etwas dafür tun, um die Ressourcen, deinen Geldbeutel, die Textilmärkte und unsere Umwelt zu schonen! Netter Nebeneffekt: du wirst mehr Zeit haben, da Shoppen, Bummeln und Ausmisten weniger werden oder wegfallen. Du fragst dich jetzt, ob du wirklich etwas bewirken kannst? Oh ja, du alleine kannst eine Menge bewirken:

1. Kaufe weniger oder einfach mal nichts mehr.  
Wir Deutschen kaufen andauernd etwas. Es geht uns einfach zu gut und an jeder Ecke lauern Konsumfallen. Vielleicht probierst du mal einen Konsum-Ban aus. Vielleicht erst einmal einen Monat oder auch drei Monate. Keine Kleidung online, offline, gebraucht, geschenkt. 

Du kannst dir auch einen strikten Neukauf-Ban vornehmen. Wir haben einige Monate gar nichts gekauft und waren super überrascht, wie gut das letztendlich ging. Danach haben wir nur noch gebraucht gekauft. Bei den wenigen Ausnahmen, die es gab, haben wir lange abgewogen wie wichtig der Kauf für uns ist. 

Kleiner Exkurs in meinen Kleiderkonsum
Ich habe mir 2020 nur ein neues Kleidungsstück und ein Paar neue Kletterschuhe gegönnt. Ersteres war von einer hochwertigen FairFashion-Marke und vor dem Kauf gut durchdacht. Alle anderen Dinge (ich führe eine Liste darüber, um mich selbst immer wieder zu unterstützen und daran zu erinnern) waren gebraucht oder sogar getauscht mit alter Kleidung. Es waren 12 gebrauchte Kleidungsstücke plus 6 neue Paar Socken und einen neuen Sport-BH. Da sind sich viele nicht einig, ob Socken und Unterwäsche ausgenommen werden dürfen. Mir ist das eigentlich egal, aber mein Ziel für 2021 ist nun natürlich, dass ich drunter oder zumindest nicht drüber komme. Mal sehen, ob ich es schaffe.

2. Nutze was du hast und trage es länger.
Wir tragen unsere Kleidung nur noch halb so lang wie in den frühen 2000ern. Indem du deine Kleidung länger trägst und sie zum Beispiel auch reparierst, verlängerst du natürlich die Lebensdauer deiner Kleidungsstücke, du verringerst aber auch direkt den CO2-Abdruck, den sie hinterlassen. Natürlich hatte ich schon den Fall, dass bei einer Bluse der oberste Knopf fehlte und ich sie nur aus diesem Grund nicht mehr trug. Wie blöd, wenn ich zurückblicke. Der Knopf wäre in fünf Minuten angenäht gewesen und die Bluse vollwertig tragbar. Es gibt ja auch zu allem Tutorials und jeder kann Kleinigkeiten lernen, die einen so großen Einfluss haben. Und wenn das so gar nicht deine Sache ist, dann gibt es da noch so etwas wie einen Schneider und Repair-Cafés. 

Diesen Punkt der Langlebigkeit, kannst du übrigens nur befolgen, wenn du umdenkst und auch den nächsten Punkt beachtest. Der, eines sehr sorgfältig überlegten und bewussten, fairen Konsums.

3. Kaufe FairFashion statt FastFashion. 
Mode die fair, umweltfreundlich und möglichst natürlich produziert wurde, findet man zum Glück immer häufiger. Aber auch hier lohnt sich ein kritischer Blick auf die einzelnen Labels und eventuelles Greenwashing. Lass dich nicht blenden und recherchiere lieber einmal mehr. Ich muss mir auch noch angewöhnen, vor einem Kauf mehr zu hinterfragen und zu recherchieren. Erst kürzlich habe ich Menstruationsunterwäsche gekauft von einer tollen, fairen Marke, um einige Wochen später zu lesen, dass man gut abwägen sollte, ob man Pestizide in der Membran möchte oder nicht. Schwieriges Thema und ich habe noch keine klare Meinung dazu. Ich bin nur sehr froh, dass ich erst einmal nur ein Slip gekauft habe und nicht gleich vier oder fünf. Das hat auch den Vorteil, dass ich jetzt in Ruhe schauen kann, wie ich mit dem einen zurechtkomme. Erst danach entscheide ich, ob ich noch einen anschaffe. 
Ein anderer Effekt, der zumindest bei vielen FairFashion Unternehmen im Vordergrund steht, ist die Qualität. Die Materialien sind sorgfältig ausgewählt und die Verarbeitung erfolgt nicht in Masse Übersee, sondern meistens in Europa und vor allem fair. Das bedeutet automatisch, dass Punkt zwei auch funktionieren kann. Denn ein T-Shirt dass billig produziert wurde hält dir ganz klar nicht so lange wie eines, das in der ganzen Wertschöpfung hochwertiger gefertigt wurde.

Du siehst, es ist eigentlich ganz einfach sich selbst und seine Ansichten auf die Mode und Industrie zu hinterfragen und zu ändern. Kleine Schritte bewirken hier schon viel. Neben all den Vor- und Nachteilen unserer Altkleider-Spenden, entscheidest schließlich du alleine. Du entscheidest dich etwas zu kaufen, etwas wegzuwerfen, etwas zu spenden usw. Manche Gegebenheiten ändern sich schwerfällig und nicht von heute auf morgen. Dieser Beitrag soll dir aufzeigen, dass man die Augen offen halten und bewusst handeln sollte – bei der Spende wie eben auch davor, beim Kauf. Denn jeder Einkauf ist ein Stimmzettel.

Buying is voting!

Nach diesem doch etwas längeren Beitrag, interessiert es mich total, was du für Erfahrungen gemacht hast mit Altkleider-Spenden und wo du sie in der Regel abgibst. Vielleicht gibt es noch weitere tolle Möglichkeiten. Wusstest du um die Missstände und war dir das alles schon bewusst?

Ich bin gespannt 💚

Quellen zum Nach- und Weiterlesen:
Greenpeace.de, Fairwertung.de, SWR Marktcheck, DW News

3 KeepCup ToGo Becher
Wissen

Einwegbecher vs. Mehrwegbecher

Einwegbecher versus Mehrwegbecher – was ist denn nun besser? Ich denke immer wieder „das weiß doch mittlerweile jeder”. Und trotzdem wird da leider einiges dafür getan, dass solche Infos nicht bei uns allen ankommen. Einwegbecher sind alles andere als nachhaltig.
Weiß man doch? Die Fakten sagen leider etwas anderes: Wir Deutschen verbrauchen jede Stunde (!) ca. 320 000 dieser Becher für Kaffee, Tee & Co. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – jede Stunde! Und die verschlingen nicht nur viele Ressourcen, sondern können nicht einmal recycelt werden. Nachhaltigkeit und Zero Waste gehen anders.

Produktion aus Recycling-Papier?

Fehlanzeige. Alleine für die Produktion der Pappbecher werden bei uns pro Jahr 17 500 Tonnen Papier verbraucht. Noch dazu kommt, dass kaum Recyclingpapierfaser genutzt wird. Das heißt, für die neu gewonnenen Fasern werden Bäume gefällt – gemäß DUH mehr als 26 000 Bäume im Jahr.

Zum neu gewonnenen Papier kommen große Mengen Kunststoff dazu. Ein gewöhnlicher 0,3 l Pappbecher enthält circa fünf Prozent Polyethylen. Für unseren genannten Jahresverbrauch bedeutet das 1 000 Tonnen Polyethylen. Gemäß Umweltbundesamt werden 70 % der Pappbecher mit einem Kunststoffdeckel ausgegeben. Die Herstellung dieser Deckel verschlingt nochmals große Mengen an Kunststoff.

Pro Pappbecher werden zudem mehr als ein halber Liter Wasser benötigt. Und wir haben bisher noch nicht einmal über den Transport, die Lagerung oder das Entsorgen gesprochen. Denn das ist nicht so einfach wie man vielleicht denkt.

Pappbecher sind doch aus Papier

Mein Lieblings-Argument ist „die sind doch aus Papier“. Es ist wohl kaum nötig zu erklären, dass ein echter Papierbecher die Flüssigkeit vielleicht drei Sekunden halten könnte. Zu den oben erwähnten, neu gewonnenen Papierfasern kommen natürlich noch große Mengen an Kunststoff hinzu. Denn natürlich sind die Becher innen mit Kunststoff beschichtet – ist ja eigentlich logisch. Das bedeutet, dass ein sauberes Recyceln nicht möglich ist.

Weder in die gelbe noch in die blaue Tonne

Die mit Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) beschichteten Becher können weder über die gelbe noch über die blaue Tonne richtig recycelt werden. Wenn sie in die gelbe Tonne gelangen, werden sie zur Papierfraktion zugeordnet und landen letztendlich im Papierrecycling. Und jetzt kommt das große Aber. Denn weil sich die Papierfaser kaum vom Kunststoff löst, wir das Ganze als sogenannter „Spuckstoff“ separiert und wie normaler Restmüll verbrannt. Das ist die traurige Wahrheit.

Neben diesen Bechern gibt es natürlich auch noch Plastikbecher aus Polystyrol z. B. aus den Kaffeeautomaten. Die sind mindestens so schlecht wie die Pappbecher und sollten natürlich auch vermieden werden im Alltag. Zumindest sollte bei diesen klar sein, dass sie aus Kunststoff sind. Auf diese aber näher einzugehen, wäre ein Thema für sich und würde den Post sprengen.

Noch so ein Argument…

Leider gibt es auch immernoch Händler, die die Mehrwegbecher ablehnen und nicht befüllen. „Aus Hygienegründen“ – noch so ein tolles Argument. Der Lebensmittelverband Deutschland hat hierzu ein Merkblatt herausgegeben, auf das man jederzeit nett hinweisen kann. Darin sind der Umgang und die Akzeptanz klar beschrieben. Ich hatte ironischerweise gerade dieses Jahr nicht ein einziges Mal Probleme an der Theke, habe aber auch immer nur den Becher abgegeben und den Deckel selbst aufgesetzt. Voraussetzung ist, dass dein Mehrwegbecher sauber ist.

Immer mehr Händler schließen sich auch Pfandsystemen an. Hier gibt es zum Beispiel Recup oder Faircup. Fragt mal bei eurem Bäcker oder Café nach, ob sie die nicht auch aufnehmen möchten. Funktioniert super, ist umweltfreundlicher und Kundenbindung ist es auch noch z. B. in Verbindung mit Stempelkarte oder Nachlass. Also win-win-win 😉

Verbraucht die Herstellung von Mehrwegbechern nicht mehr Ressourcen?

Ja, das stimmt. ABER, Mehrwegbecher sollen ja auch nicht nach zweimaliger Nutzung entsorgt werden, sonst hießen sie ja nicht Mehrwegbecher. Die Rechnung ist wie bei anderen Pfandsystemen ganz einfach. Je häufiger und länger du deinen Becher benutzt, desto besser deine Bilanz. Laut DUH spart die Wiederbefüllung eines Bechers im Vergleich zur Neuherstellung eines Einwegbechers 430ml Wasser und 0,1 kWh Energie und vermeidet 21g CO2. Ich finde das immer sehr abstrakt und es hört sich nach wenig an. Das gilt aber pro neue Befüllung und wenn man das auf nur 100 Füllungen hochrechnet, sieht es schon anders aus. Aber auch hier kommen “Reuse” und “Refuse” (5Rs zu Zero Waste) wieder ins Spiel. Nur weil es noch hunderte schönere oder bessere zu kaufen gäbe, sollten wir nicht blind losrennen und konsumieren. Verwende deinen Becher so lange bis er irreparabel ist.

Deine Gesundheit ist irreparabel

Und wem das jetzt noch nicht genügend Argumente für Mehrweg und Nachhaltigkeit sind – da gibt es natürlich auch noch den gesundheitlichen Aspekt. Schon mal darüber nachgedacht, dass die PFAS im Becher in die Getränke übergehen und damit von dir aufgenommen werden? Gruseliger Gedanke, der mittlerweile auch bestätigt ist. Diese PFAS können deine Infektanfälligkeit erhöhen, bei Babys für ein geringeres Geburtsgewicht sorgen und setzen sich generell in deinem Körper ab. Am Ende entscheidet aber natürlich jeder selbst, was er seinem Körper und der Umwelt zumuten möchte. 

Alternativen…

Mein erster To Go Becher war von Emsa, das ist aber über zehn Jahre her. Er war komplett dicht, mit Doppelwand und aus Kunststoff, aber ich fand keine richtig verlässlichen Angaben zu den verwendeten Kunststoffen. Das ist heute definitiv anders. Jedenfalls wollte ich ihn deshalb nicht mehr verwenden und habe ich ihn an jemanden weitergegeben, der diese Bedenken nicht teilte. Danach kam ich einige Jahre auch gut ohne einen Becher aus.

Man braucht nicht zwingend einen klassischen Becher. Das funktioniert auch prima mit einer kleinen Passataflasche oder einem klassischen Schraubglas und einem Stoffband drum herum… Mal wieder hilft es, sich im Haushalt umzuschauen und kreativ zu werden. Das nachhaltigste steht bei dir bereits im Schrank.

2014 haben wir auf einer längeren Reise die KeepCup Becher kennengelernt. Damals gab es sie nur aus recyceltem, BPA und BPS-freien Kunststoff und günstig waren sie auch nicht gerade. Trotzdem war das so viel besser, als täglich Einwegbecher zu konsumieren. Beide bunten Becher begleiten uns heute noch, obwohl der größere mittlerweile undicht ist. Ich habe mir daher vor einem Jahr über Ebay Kleinanzeigen einen neuen aus Glas geschenkt und bin begeistert. Spülmaschinenfest, geschmacksneutral und so viel langlebiger und ästhetischer als ein Wegwerfprodukt. Mir ist leider der kleine Deckel oben gebrochen, war aber meine Schuld, die sind nicht empfindlich. Aber sehr cool: KeepCup bietet die meisten Teile einzeln auf der Website an. Sie waren super hilfsbereit und haben mir geholfen, das passende Ersatzteil zu finden. Somit habe ich für eine Investition von 2,50 € meinen Becher repariert.

Daher habe ich sonst auch noch keine anderen Hersteller ausprobiert. Ich denke mittlerweile gibt es hier aber viele tolle Produkte, die genau in deinen Alltag passen. Einen kleinen Leitfaden, wie du bewusstere Konsumentscheidungen treffen kannst, habe ich in einem anderen Beitrag zusammengefasst. Diese 5 Fragen helfen uns sehr in unserem Alltag. wenn wir etwas anschaffen möchten.

Wenn du Empfehlungen hast, dann lass sie gerne in den Kommentaren da, für alle anderen die noch auf der Suche sind. 

Mehr Zeit statt Zeug

Ach ja, etwas Wichtiges zum Schluss, das bei uns im Alltag leider gern vergessen geht:
Wäre es nicht am Schönsten, wenn wir gar keine Mehrwegbecher benötigen würden, weil wir uns einfach Zeit nehmen? Zehn Minuten Zeit, um sich hinzusetzen, aus einer echten Tasse zu trinken und das an einem echten Tisch? Einfach nur genießen? Zeit mit anderen oder einfach nur mit einem selbst. Das wäre doch eigentlich viel schöner, oder nicht? 😉

Ich genieße jetzt auf jeden Fall einen feinen Samstagskaffee in unserer Küche und beobachte den riesigen Buntspecht, der die Meisenknödel vernichtet. 💚

Werbung unbezahlt, da Markennennung
Quellen und weitere Infos: DUH, Umweltbundesamt