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bewusster Konsum

Narzissen in Glasvase
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Kritik an konventionellen Schnittblumen – wieso wir genau hinsehen müssen.

Wer findet das nicht schön, wenn man frische Blumen auf dem Esstisch oder im Eingangsbereich hat – insbesondere nach dem Winter freut man sich so sehr auf die ersten Blumen. Da kommen die vielen Tulpen an der Kasse doch gerade richtig. Teuer sind sie auch nicht und die Qual der Wahl hat man höchstens bei der Farbe. Ganz so einfach ist das aber bezüglich Anbau, verwendeten Chemikalien oder der Herkunft der Blumen nicht.

Was ist denn so schlimm am Anbau konventioneller Schnittblumen?

Es gibt nicht nur einen, sondern zahlreiche Gründe, um auf konventionell angebaute Pflanzen zu verzichten. Bei der Information wie auch beim Anbau herrscht bei diesem Thema noch großer Nachholbedarf.

  • Viele der Blumen reisen mit dem Flugzeug an. Gerade Rosen werden viel in Afrika, genauer in Kenia angebaut. Nelken sind auch sehr beliebte Blumen bei uns. Die stammen hauptsächlich aus Kolumbien, Südamerika. Die weite Reise überstehen die Blumen meist nur u. a. durch eine durchgängige Kühlung und entsprechende Vorbehandlung.
  • Nicht nur importierte Blumen hinterlassen einen großen CO2-Fußabdruck. Auch bei uns in Deutschland oder in angrenzenden Ländern angebaute Blumen schaden dem Klima. Beheizte Gewächshäuser und ein hoher Wasserbedarf schlagen hier zu Buche. Der gekühlte Transport fällt natürlich auch aus den Niederlanden nach Süddeutschland nicht weg – die Wege sind teilweise ja sogar länger als aus anderen Teilen Europas … Das täuscht leider oft, denn letztendlich kommt es darauf an, wie die Pflanzen angebaut sind und woher z. B. das Wasser stammt, das in großen Mengen benötigt wird.
  • Aber ganz egal wo: ohne Pestizide, chemische Schutzmittel, synthetische Düngemittel & Co. geht da gar nichts. Wir Konsumenten möchten zu jeder Jahreszeit vollkommene Blumen und akzeptieren wie beim Gemüse keine Abweichungen von der „Norm“.  Und jetzt mal ganz ehrlich – möchtest du an Rosen riechen, die über ihr gesamtes Wachstum mit schädlichen Pestiziden behandelt wurden? Mhhhm – direkt über die Nase in deinen Körper. Also das ist sicher gesund, oder was denkst du?
  • Abgesehen von den Giftstoffen ist der Wasserbedarf in südlicheren Ländern ein großes Problem. Leider genau wie das Abwasser, das gemeinsam mit den Pestiziden für vergiftete Böden sorgt. Der WWF berichtet, dass das Abwasser samt Giftstoffen ungefiltert in die Natur gelangt. Es gibt hier weder Kontrollen noch technische 
  • Unfaire Arbeitsbedingungen. In südlicheren Ländern ist Kinderarbeit noch immer an der Tagesordnung. Dazu kommen schlechte Arbeitsbedingungen auf den Blumenfeldern, fehlende Sicherheit z. B. im Umgang mit den Geräten oder fehlende Sozialleistungen und viel zu niedrige Löhne. Das alles um die Margen so hoch wie möglich zu halten und den Preis niedrig. Damit wir letztendlich an der Kasse zugreifen. 
Narzissen im Detail

Pestizide müssen nunmal sein?

Absoluter Quatsch. Pestizide werden eingesetzt, weil wir gegen die Natur, das ganze Jahr das komplette Angebot an perfekten Blumen möchten. Und dieser Satz alleine, widerspiegelt schon das Dilemma. Hier verstecken sich gleich drei Probleme: 

  1. Gegen die Natur
    Die Natur regelt an sich alles und ist perfekt auf alles abgestimmt. Wenn wir das stören, sind Hilfsmittel nötig. Das heißt, wenn Pestizide nötig sind dann werden die Blumen entweder falsch angebaut, erhalten nicht die richtigen oder genügend Nährstoffe, sind überzüchtet etc. Es gibt noch viele weitere Gründe für die vermeintliche Notwendigkeit von Pestiziden oder den Einsatz von Chemie. Alle sind hausgemacht und entstehen nur, weil das Ganze nicht seinem natürlichen Lauf nachgehen kann.
  2. Das ganze Jahr
    Tulpen im Dezember, Narzissen (Osterglocken) im Februar, Pfingstrosen von April bis September? Das ist exakt das Gleiche, wie wenn wir Orangen im Juni kaufen und Erdbeeren im November. Nur, dass bei Erdbeeren im November alle aufschreien, weil das ja sowas von nicht saisonal ist. Den meisten von uns ist das sehr wohl bewusst, aber zum Strauß Tulpen an der Kasse, macht sich kaum einer Gedanken.
  3. „Perfekte“ Blumen
    Der Einsatz von synthetischen Düngern, chemischen Schutzmittel und Pestiziden ermöglicht, eine perfekte Blume vom Stiel bis zu den Blüten.

    Meistens beziehen wir „perfekt“ auf das Aussehen, aber manchmal betrifft das auch Eigenschaften. So gibt es mittlerweile Züchtungen, die pollenfrei sind. Das heißt es gibt keine „lästigen“ Pollenflecken mehr auf Kleidung und Tischdecke. Oder Rosen, die längere Stiele haben und weniger duften, da das entweichende Etyhlengas sie schneller verblühen lässt. In die andere Richtung gibt es auch chemische Hemmstoffe, die dafür sorgen, dass die Pflanzen klein und kompakt bleiben. Beides absolut gegen die Natur. Gegen alles was für den Kreislauf des Wachstums steht. Unverständlich, aber hier bestimmt mal wieder die Nachfrage das Angebot. Buying is voting…

Somit muss uns allen klar sein, dass Pestizide nicht nötig wären, wenn wir bewusst und im Einklang mit der Natur und deren Abläufen konsumieren. Wie bei Gemüse und Obst, gilt das eben auch für alle anderen Pflanzen.

Faire Siegel für Blumen

Wenn du trotzdem nicht auf konventionelle Blumen verzichten möchtest, dann achte zumindest auf faire Siegel. 

Fair Flowers Fair Plants – FFFP

fairflowersfairplants.com

Dieses Siegel aus den Niederlanden kennzeichnet u. a. Blumen und Pflanzen, die unter Einhaltung einiger ökologischer und sozialer Kriterien gezüchtet werden.

Das heißt, hier spielen nicht nur der Einsatz von z. B. sehr giftigen Pestiziden, weniger Düngemittel usw. eine Rolle, sondern auch der Ressourcenverbrauch und der ethische Aspekt wie Kinderarbeit und eine faire Entlohnung.

Wie auch beim Bio-Siegel verspricht dieses Siegel zwar nachhaltigere Pflanzen, da ist allerdings noch viel Luft nach oben. Blumen aus kontrolliert biologischem Anbau sind sicher deutlich nachhaltiger als diese Siegel-Zertifizierung verspricht. 

Fairtrade

fairtrade-deutschland.com

Das wohl bekannteste Siegel, das mindestens durch Schokolade und Kaffee seit einzigen Jahrzehnten bekannt ist. Es garantiert – wie bei den Lebensmitteln auch – zumindest einen Mindeststandard was faire Arbeitsbedingungen und Sicherheiten vor Ort angeht. Zudem verbietet es strikt Kinderarbeit. Beim Fairtrade-Siegel ist das Thema Nachhaltigkeit leider nur ganz schwach geregelt. Sogenannte „strenge Umweltregeln“ verbieten zwar immerhin ein paar hochgiftige Pestizide und es fördert den ökologischen Anbau. Allerdings gibt es keine exakten Bestimmungen und Regelungen, die weitergehen und den gesamten Prozess wirklich nachhaltig gestalten.

Auf der Internetseite des Siegels gibt es einen Einkaufsfinder, über den du Geschäfte in der Nähe finden kannst, mit Fairtrade-Blumen im Angebot.

Der CO2-Fußabdruck kann zwar durch diese Zertifizierungen verringert werden, er ist aber immernoch zu hoch, um das Ganze als alltägliche Massenware zu betrachten. Ich kaufe mir ja auch nicht jede Woche einen Granatapfel, Avocados oder eine Papaya – um das mal in ein Verhältnis zu setzen. Wenn wir hier sehr bewusst konsumieren, das heißt uns über die Konsequenzen im Klaren sind, dann geht das gar nicht anders. Wir müssten darauf so stark verzichten, dass es wieder etwas Besonderes ist. 

Das heißt also nie wieder Blumen auf dem Esstisch, im Flur oder als Mitbringsel? 😲

Naja, ganz so schlimm ist das nicht, es gibt viele Alternativen, die Mensch und Natur weniger bis gar nicht schaden. Hier etwas zusammengefasst: 

🌻 Bei deinem Floristen und auf dem Markt kritisch nachfragen, woher die Blumen kommen. Wie wurden sie angebaut? Wer hat sie gepflückt? Unter fairen Standards? Wurde Chemie eingesetzt? Welchen Transportweg haben sie hinter sich? Freiland oder Gewächshaus? Und falls Letzteres – wie wurde das beheizt? Bewusst kaufen.

🌻 Wie beim Gemüse und Obst gibt es auch bei den Blumen eine Saison. Wer unbedingt im August Pfingstrosen und im Februar Osterglocken (eine einfachere Eselsbrücke geht dank den Namen ja kaum) kaufen möchte, dem muss klar sein, dass das gerade nicht die richtige Saison dafür ist. Das entspricht dem einfachen Beispiel Erdbeeren im November…

🌻 Bei Blumenfeldern ist die Saisonalität hingegen gegeben. Bei uns sind die weder unter Folien noch in beheizten Gewächshäusern und werden von ansässigen Familien gepflegt. Aber auch hier besser einmal mehr nachfragen. Auch eine lokale Bauernfamilie oder dein Nachbar kann Pestizide, Herbizide usw. einsetzen. Ich möchte das auch nicht super lokal unterstützen.

🌻 Biozertifizierte Pflanzen kommen komplett ohne chemische Pflanzenschutzmittel, synthetische Düngemittel, Herbizide und Gentechnik aus. Auch dem Thema Torf wird hier Beachtung geschenkt, da für den Anbau konventioneller Pflanzen oft torfreiche Erde verwendet wird. Ich achte jedoch auch bei diesem Thema darauf, dass diese offiziell zertifiziert sind, also aus einem kontrolliert biologischen Anbau stammen. Einzeln verwendete Begriffe wie „kontrollierter Anbau“, „naturnah“, „mit der Natur“ usw. können dabei irreführend sein. Es lohnt sich genau hinzuschauen. 

🌻 Trockenblumen – es gibt so wunderschöne Blumen, in denen sich der Sommer quasi etwas konservieren lässt, für die dunkleren Wintermonate und darüber hinaus. Ein Trockenblumenstrauß kann genauso schön und frisch wirken auf deinem Esstisch, wie ein Bund Tulpen, der da im November oder Dezember nichts zu suchen hat. Nein, er wirkt sogar noch schöner. Denn wenn er aus der Region stammt und langsam, achtsam oder biodynamisch angebaut wurde, dann wüsste ich keinen Grund für einen Bund konventionelle Rosen oder Tulpen, die viel Leid und Schaden angerichtet haben. 

Am besten: konsumiere ganz bewusst.

Ich kaufe, wenn dann SlowFlowers wie zum Beispiel die Narzissen und Tulpen auf den Fotos, von Wildling Blumen bei uns in der Region. 

Hast du schon einmal von SlowFlowers gehört? Wie beim Essen Slowfood oder bei der Mode Slowfashion, gibt es auch hier eine tolle aber vergleichsweise weniger bekannte Bewegung, die sich für Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit im Anbau von Schnittblumen einsetzt. 
Den Mitgliedern der Slowflower-Bewegung liegt unsere Umwelt und ein bewusster Konsum am Herzen. Mehr Infos zur Bewegung und deinem nächsten Slowflower-Anbieter findest du hier.

Überlege dir beim nächsten Besuch im Baumarkt, Gartencenter oder Supermarkt ganz einfach: Will ich die Welt wirklich ärmer machen mit meinem Kauf? Möchte ich Mensch, Natur und Tieren schaden mit meinem Kauf – zum Beispiel einem Strauß in Pestizidnebel angebauten Tulpen, der vielleicht zwei Wochen hält? Oder suche ich eine bewusste Alternative und leiste meinen Beitrag mit einem nachhaltigen Prozess, der weder Mensch noch Umwelt schadet.

Ich glaube, da gibt es nur eine Antwort, oder?

PS: Falls dich ein bewusster Konsum interessiert, findest du hier übrigens einen Blogbeitrag mit hilfreichen Tipps wie auch du es schaffst, bewusster zu konsumieren.

Quellen: 
Handelsblatt
Zeit
WWF

Werbung, unbezahlt




Altkleider-Spende
Wissen

Das Dilemma mit den Altkleider-Spenden

In einem der letzten Beiträge zum Reduzieren der Kleidung, hatte ich die Problematik mit Altkleider-Spenden bereits kurz angedeutet. Da ich festgestellt habe, dass das Problem wohl doch nicht so bekannt ist, gibt es hiermit einen separaten Blogpost dazu. Es ist einfach zu wichtig und gerade in der aktuellen Zeit und dem vorhandenen Ausmist-Wahn sehr präsent. 
Wer kennt diese Container nicht. Sie stehen überall an den Straßen, auf Parkplätzen und Schulhöfen. Altkleider-Container verschiedenster Einrichtungen. Seine Kleidung in Säcken oder Kartons an so einem Container abzugeben, schafft bei den meisten von uns ein gutes Gefühl. Ein Gefühl, jemandem dem es schlechter geht als uns, zu helfen und spenden ist doch eine gute Sache, oder? So bin auch ich groß geworden und vielleicht war das auch mal so. 

Fakt ist: Heute haben die meisten unserer Spenden leider alles andere als einen guten Impact. Im Gegenteil, sie verzerren Märkte und zerstören sie.

Wieso braucht es all die Container?

Im Schnitt kauft jeder von uns jedes Jahr ca. 60 Kleidungsstücke. Das bedeutet nicht nur, dass wir im Schnitt mehr als ein Kleidungsstück pro Woche kaufen, es bedeutet auch, dass wir das faktisch gar nicht alles tragen können. Für einen kurzen Rausch und ein paar Tage Freude mit einem Stück nehmen wir in Kauf, dass Menschen und unsere Umwelt ausgebeutet werden. Das Ganze ist ein Thema für sich und man findet bereits viele lesenswerte Beiträge zu den Themen Fast und Fair Fashion. Die Rechnung wie es überhaupt dazu kommt, ist jedoch ganz einfach: Zuviel Kleidung + zu billig eingekauft = keine Hemmschwelle, sie regelmäßig loszuwerden. 

60 Kleidungsstücke entsprechen ca. 30 Kilogramm Kleidung. Das heißt die müssen ja jedes Jahr irgendwo hin. Weil wir im Vorjahr schon 30 Kilo gekauft hatten, und das Jahr davor und das davor und und und… Also raffen wir uns gelegentlich auf, machen eine große Ausmistaktion und fühlen uns danach wunderbar frei.  Wir spenden oder verschenken die Kleidung, geben sie in einen Container oder entsorgen sie über den Müll. Und da wir nun einen aufgeräumten und vermeintlich klaren Kopf haben, passt doch sicher auch wieder was Neues rein, juhu… Wohl eher nicht. Das Umdenken hat bei dem ganzen Prozess leider noch nicht stattgefunden und das so wichtige Bewusstsein dafür, steckt irgendwo unter den aussortierten Kleidern. 

Über gebrauchte Kleidung freuen sich viele – aber leider vor allem diejenigen, die dafür sorgen dass sie ins Ausland gelangen. In Afrika oder dem Nahen Osten wehrt man sich gegen die schier unendlichen Mengen an Altkleidern. Den positiven Impact, den wir hinter unserer Spende vermuten, findet man vergebens.

Zumindest, wenn wir nicht darauf achten, wo wir die Kleidung abgeben. Am besten ist es immernoch, direkt zu spenden, zu verschenken oder zu verkaufen. Seien wir mal ehrlich – in den meisten Fällen sind unsere aussortierten Kleider noch absolut tragbar und kommen weg, weil sie nicht mehr gefallen oder passen. Daher liegen diese drei Möglichkeiten doch am nächsten. Richtig zerschlissene Kleidung, aus der du auch nichts anderes mehr machen kannst – und glaub mir, die Möglichkeiten hier sind schier unendlich…) kommt sowieso in die Textilverwertung (z. B. TexAid Container, siehe nächster Punkt). 

Wenn das alles nicht in Frage kommt, bleibt vermeintlich nur noch der Container. Und genau hier ist es wichtig, dass du genau hinschaust. Wieso? Da gibt es schmutzige Gründe dafür.  

Container nur für Textilverwertung

Einigen ist das nicht bewusst; nicht jeder Container dient dem Zweck, deine eingeworfene Kleidung auch in dieser Form weiter zu geben. Es gibt einige Container, die speziell für die Textilverwertung sammeln, bei uns zum Beispiel TexAid. Das heißt, eingeworfene Textilien werden nicht erst gemäß ihrem Zustand sortiert, sondern direkt zu z. B. Lappen, recyceltem Nähgarn oder Dämmstoffen geschreddert. Somit ist hier schon das erste Mal Vorsicht geboten, weil die Spende unter Umständen gar nicht erst in eine Sortieranlage kommt und an Menschen weitergegeben wird, die sie brauchen. Hier lohnt sich also erst recht ein doppelter Blick, was auf dem Container steht, wenn du gerade eine Winterjacke in einwandfreiem Zustand einwirfst…

Illegale und legale Container

Es gibt zahlreiche illegale Container verteilt bei uns. Die sind weder immer genehmigt (auf Privatgrund nicht nötig), noch von offiziellen Anbietern, sondern von irgendwelchen privaten Unternehmungen. Zertifikate oder fairer Handel sucht man vergebens. Das Geschäft ist zu lukrativ, als dass der offizielle Weg gegangen wird. Selbst Container von offiziellen Unternehmen wie Humana, haben als Hauptzweck die Gewinnmaximierung, statt einem humanitären Zweck. Die Zurückverfolgung ist dank regelmäßiger Unternehmens-Auflösungen, Scheinfirmen usw. nur schwierig möglich.

Illegal abgestellte Kleider-Container ohne Möglichkeit der Rückverfolgung und ohne Kennzeichnung einer gemeinnützigen Einrichtung. 
Text auf dem Container: Altkleider & Schuhe
Illegal abgestellte Kleider-Container ohne Möglichkeit der Rückverfolgung. Bild: SWR Marktcheck

So landen tonnenweise Altkleider in Händen, die damit in erster Linie nochmals richtig Geld verdienen wollen und keine selbstlosen, wohltätigen Ziele verfolgen. Die Spendensammlung funktioniert in der Regel immer gleich:

  1. Am frequentierten Stellen werden Container aufgestellt und regelmäßig geleert..
  2. Die gesammelten Kleidungsstücke werden zu zentralen Lagern transportiert und dort sortiert. Defektes kommt weg und der Rest wird je nach Zustand zugeteilt. Der Zustand orientiert sich dabei an den Märkten, auf denen sie noch weiterverkauft werden sollen. 
  3. Je nach Zustand wird die Ware nach Osteuropa, Afrika und weitere Länder verkauft und dorthin transportiert. 
  4. Im Zielland wird sie dann gebraucht verkauft.

Verdient wird bei jedem Schritt mit abnehmender Marge. Im Ganzen geht es auf dem Altkleider-Markt um richtig, richtig viel Geld. Von Gemeinnützigkeit in der Regel keine Spur. 

Container vom Deutschen Roten Kreuz

Leider ist davon auch das Rote Kreuz nicht ausgenommen. Spätestens nach der NDR-Reportage “Die Altkleider-Lüge” hat der ein oder andere vielleicht aufgehorcht und Fragen gestellt. Hier findet ihr übrigens die Stellungnahme des DRK dazu. Ein fader Beigeschmack blieb – zumindest bei mir – dennoch. Gemäß einem Artikel der dw nimmt das DRK jährlich circa 13,5 Millionen Euro durch Altkleider-Spenden ein. Das Geld wird zwar auch verwendet für wohltätige Zwecke, aber der Verantwortung entziehen, kann sich auch das DRK nicht. Ein im Zielland angerichteter Schaden kann durch diese wohltätigen Zwecke nicht so einfach aufgehoben werden.

Container mit FairWertung-Siegel

Für alle, die bis hierhin gelesen haben (WOW und danke 🤗) und sich jetzt fragen wohin mit den ganzen alten Kleidern, gibt es eine (Teil!)-Lösung. Es gibt Container, die das sogenannte FairWertung-Siegel tragen. FairWertung ist ein Zusammenschluss verschiedener Altkleidersammler, um sicherzustellen, dass die Erlöse dieser Altkleider-Spenden durchweg einem wohltätigen Zweck zugutekommen. Deinen nächsten Container findest du auf der Seite der Standortsuche

Kreislauf der Kleiderspende in einen Container mit FairWertung-Siegel. Weg einer gemeinnützigen Kleiderspende.
Kreislauf der Kleiderspende in einen Container mit FairWertung-Siegel, Bild: Tchibo Blog

Man könnte jetzt meinen, dass die Spenden ja doch einen guten Einfluss haben können. Schließlich schaffen sie auf dem osteuropäischen oder afrikanischen Markt viele Arbeitsplätze und viele Menschen können sich reguläre Kleidung gar nicht leisten. Zum ersten Argument; es schafft natürlich Arbeitsplätze, aber es zerstört dafür andere und verzerrt den Preis vor Ort. Unsere Spenden bzw. die Ware wird so angeboten, dass die heimische Textilindustrie vielerorts zusammenbricht. Es gibt zwar mittlerweile Studien, die sagen, dass die jeweiligen Textilindustrien den Bedarf nicht mehr decken könnten und es die gebrauchte Kleidung zusätzlich braucht, diese müssen jedoch kritisch betrachtet werden. Sie stellen nur unsere westliche Sichtweise dar. Die afrikanische Sichtweise kommt da zu ganz anderen Aussagen und Ergebnissen. Vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo dazwischen, wer weiß. Trotzdem erlassen immer mehr afrikanische Länder Importverbote für Altkleider, u. a. um die eigene Wirtschaft zu schützen. Ein zwar politisches, aber ziemlich klares Zeichen, finde ich.

Auch was Secondhand-Kleidung als einzige Möglichkeit zur Deckung der Grundversorgung betrifft, gibt es eine Kehrseite. Gebrauchte Kleidung ist für viele die einzige Möglichkeit überhaupt Kleidung zu kaufen. Jedoch gelangen unsere Spenden in erster Linie in die reicheren afrikanischen Länder, die zahlungsfähig sind. Schon vergessen – es geht nur ums Geld. Mit Bedürftigkeit hat das wenig zu tun, denn den wirklich bedürftigen Menschen bleiben unsere Spenden oftmals verwehrt. 

Spenden an die Deutsche Kleiderstiftung e. V. 

Da bei uns kein FairWertung-Container in der Nähe war, musste ich für meine Kleiderspenden eine Alternative suchen. Den saisonal passenden Teil konnte ich an ein lokales Sozialkaufhaus geben, aber für den Rest musste eine andere Lösung her. Nach der Eingabe der Postleitzahl auf der Standortsuche von FairWertung, wurde mir die deutsche Kleiderstiftung e. V. angezeigt. Bei der kann man einen Paketschein anfordern und die Kleider kostenlos versenden. Das war einfach und unkompliziert. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass du nur gut erhaltene Kleidung und Schuhe versenden solltest.

Falls ich das jemals wieder brauche, werde ich das auch wieder nutzen. Zumindest, wenn es lokal nicht möglich ist. Da sich meine Anzahl aber drastisch reduziert hat und sich mein Bewusstsein grundlegend verändert hat, wird das glücklicherweise nicht mehr so schnell der Fall sein. Und wenn doch, dann nur für einzelne Stücke, die meistens in den Sozialkaufhäusern willkommen sind, sofern gut erhalten. 

Es gibt also transparentere und wohltätigere Möglichkeiten über Container zu spenden, aber die perfekte Lösung bieten auch sie nicht. Es ändert am Ende ja nichts daran, dass wir zu viel und zu billig konsumieren und unsere Kleidung auf irgendeinem Markt landet, auf dem sie als gefragte und gewinnbringende Ware verkauft werden. Wer da helfen möchte, der muss sich die Mühe machen und genauer hinschauen.

Was also nun? Überraschung: die Lösung hast du selbst in der Hand.

Du bist die Lösung und kannst sofort etwas dafür tun, um die Ressourcen, deinen Geldbeutel, die Textilmärkte und unsere Umwelt zu schonen! Netter Nebeneffekt: du wirst mehr Zeit haben, da Shoppen, Bummeln und Ausmisten weniger werden oder wegfallen. Du fragst dich jetzt, ob du wirklich etwas bewirken kannst? Oh ja, du alleine kannst eine Menge bewirken:

1. Kaufe weniger oder einfach mal nichts mehr.  
Wir Deutschen kaufen andauernd etwas. Es geht uns einfach zu gut und an jeder Ecke lauern Konsumfallen. Vielleicht probierst du mal einen Konsum-Ban aus. Vielleicht erst einmal einen Monat oder auch drei Monate. Keine Kleidung online, offline, gebraucht, geschenkt. 

Du kannst dir auch einen strikten Neukauf-Ban vornehmen. Wir haben einige Monate gar nichts gekauft und waren super überrascht, wie gut das letztendlich ging. Danach haben wir nur noch gebraucht gekauft. Bei den wenigen Ausnahmen, die es gab, haben wir lange abgewogen wie wichtig der Kauf für uns ist. 

Kleiner Exkurs in meinen Kleiderkonsum
Ich habe mir 2020 nur ein neues Kleidungsstück und ein Paar neue Kletterschuhe gegönnt. Ersteres war von einer hochwertigen FairFashion-Marke und vor dem Kauf gut durchdacht. Alle anderen Dinge (ich führe eine Liste darüber, um mich selbst immer wieder zu unterstützen und daran zu erinnern) waren gebraucht oder sogar getauscht mit alter Kleidung. Es waren 12 gebrauchte Kleidungsstücke plus 6 neue Paar Socken und einen neuen Sport-BH. Da sind sich viele nicht einig, ob Socken und Unterwäsche ausgenommen werden dürfen. Mir ist das eigentlich egal, aber mein Ziel für 2021 ist nun natürlich, dass ich drunter oder zumindest nicht drüber komme. Mal sehen, ob ich es schaffe.

2. Nutze was du hast und trage es länger.
Wir tragen unsere Kleidung nur noch halb so lang wie in den frühen 2000ern. Indem du deine Kleidung länger trägst und sie zum Beispiel auch reparierst, verlängerst du natürlich die Lebensdauer deiner Kleidungsstücke, du verringerst aber auch direkt den CO2-Abdruck, den sie hinterlassen. Natürlich hatte ich schon den Fall, dass bei einer Bluse der oberste Knopf fehlte und ich sie nur aus diesem Grund nicht mehr trug. Wie blöd, wenn ich zurückblicke. Der Knopf wäre in fünf Minuten angenäht gewesen und die Bluse vollwertig tragbar. Es gibt ja auch zu allem Tutorials und jeder kann Kleinigkeiten lernen, die einen so großen Einfluss haben. Und wenn das so gar nicht deine Sache ist, dann gibt es da noch so etwas wie einen Schneider und Repair-Cafés. 

Diesen Punkt der Langlebigkeit, kannst du übrigens nur befolgen, wenn du umdenkst und auch den nächsten Punkt beachtest. Der, eines sehr sorgfältig überlegten und bewussten, fairen Konsums.

3. Kaufe FairFashion statt FastFashion. 
Mode die fair, umweltfreundlich und möglichst natürlich produziert wurde, findet man zum Glück immer häufiger. Aber auch hier lohnt sich ein kritischer Blick auf die einzelnen Labels und eventuelles Greenwashing. Lass dich nicht blenden und recherchiere lieber einmal mehr. Ich muss mir auch noch angewöhnen, vor einem Kauf mehr zu hinterfragen und zu recherchieren. Erst kürzlich habe ich Menstruationsunterwäsche gekauft von einer tollen, fairen Marke, um einige Wochen später zu lesen, dass man gut abwägen sollte, ob man Pestizide in der Membran möchte oder nicht. Schwieriges Thema und ich habe noch keine klare Meinung dazu. Ich bin nur sehr froh, dass ich erst einmal nur ein Slip gekauft habe und nicht gleich vier oder fünf. Das hat auch den Vorteil, dass ich jetzt in Ruhe schauen kann, wie ich mit dem einen zurechtkomme. Erst danach entscheide ich, ob ich noch einen anschaffe. 
Ein anderer Effekt, der zumindest bei vielen FairFashion Unternehmen im Vordergrund steht, ist die Qualität. Die Materialien sind sorgfältig ausgewählt und die Verarbeitung erfolgt nicht in Masse Übersee, sondern meistens in Europa und vor allem fair. Das bedeutet automatisch, dass Punkt zwei auch funktionieren kann. Denn ein T-Shirt dass billig produziert wurde hält dir ganz klar nicht so lange wie eines, das in der ganzen Wertschöpfung hochwertiger gefertigt wurde.

Du siehst, es ist eigentlich ganz einfach sich selbst und seine Ansichten auf die Mode und Industrie zu hinterfragen und zu ändern. Kleine Schritte bewirken hier schon viel. Neben all den Vor- und Nachteilen unserer Altkleider-Spenden, entscheidest schließlich du alleine. Du entscheidest dich etwas zu kaufen, etwas wegzuwerfen, etwas zu spenden usw. Manche Gegebenheiten ändern sich schwerfällig und nicht von heute auf morgen. Dieser Beitrag soll dir aufzeigen, dass man die Augen offen halten und bewusst handeln sollte – bei der Spende wie eben auch davor, beim Kauf. Denn jeder Einkauf ist ein Stimmzettel.

Buying is voting!

Nach diesem doch etwas längeren Beitrag, interessiert es mich total, was du für Erfahrungen gemacht hast mit Altkleider-Spenden und wo du sie in der Regel abgibst. Vielleicht gibt es noch weitere tolle Möglichkeiten. Wusstest du um die Missstände und war dir das alles schon bewusst?

Ich bin gespannt 💚

Quellen zum Nach- und Weiterlesen:
Greenpeace.de, Fairwertung.de, SWR Marktcheck, DW News

5 Tipps für bewussteren Konsum
Nachhaltigkeit

5 Fragen für einen bewussten Konsum

Wir haben bis auf eine Handvoll Ausnahmen seit über 1 ½ Jahren nichts mehr neu gekauft und einen “Neukonsum”-Stopp durchgezogen. Das war am Anfang tatsächlich recht einfach, wurde aber nach einigen Wochen zunehmend schwieriger. Aber, good news, es wurde auch wieder einfacher und je länger man das schafft, desto selbstverständlicher integriert es sich in deinen Alltag. 😉

Mehr Ordnung und ein nachhaltiger, bewusster Konsum

Nachdem ich meinen Kleiderschrank durchging und ausgemistet hatte war mir klar, dass ich nie wieder so ausmisten möchte und muss. Ich habe früher schon einige Male ausgemistet, aber dadurch, dass meine Intention eine andere war, war das Ganze nie wirklich nachhaltig. Da ich mich dieses Mal vorweg für einen bewussten Konsum entschieden habe, wurde und ist alles anders.

Das konnte ich direkt erleben, als ich letzte Woche nochmals meinen Kleiderschrank reduziert und unter die Lupe genommen habe. Da war nichts zu finden, was ich in den letzten Monaten unbewusst, impulsiv oder unnötig gekauft hätte. Ein wunderbares Gefühl…

Ich hoffe, die folgenden Fragen helfen auch dir bewusster zu konsumieren und somit dauerhaft Ordnung zu halten.

Finden Sie Zufriedenheit in dem, was Sie bereits haben.  

Bea Johnson

5 Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du etwas neues anschaffst

  1. Brauche ich es wirklich?
    Überlege dir in Ruhe ob du die Hose, das Glas, die Teller oder Kerzenhalter wirklich brauchst. Wofür brauchst du es? Wo bringst du es unter? Hattest du den Wunsch schon lange oder ist das eher spontan? Lass es erst einmal sacken und schau ob du es morgen oder nächste Woche immernoch unbedingt willst. Wenn du z. B. eine Woche lang nicht dran gedacht hast, brauchst du es in deinem täglichen Leben wohl kaum.  Das bringt uns direkt zum nächsten Punkt.
  2. Werde ich es oft verwenden?
    Wirst du dieses spezielle Kleid oft tragen? Wie oft brauchst du die schicke Tasche, die sowieso kaum etwas passt? Wie häufig brauchst du eine Burger-Presse, eine Fisch-Grillzange oder ein zweites Raclette-Gerät, falls mal mehr Gäste da sind? Ist es etwas Saisonales und kann den Rest des Jahres nicht benutzt werden? Speziell bei Kleidung frage ich mich auch immer ob es gut kombinierbar ist und zu meinem Stil passt. Wenn nicht, dann werde ich es nämlich auch nicht oft tragen (können). 
  3. Habe ich schon etwas Ähnliches? Etwas, was den Zweck auch erfüllt?
    Brauchst du wirklich ein drittes weißes T-Shirt, eine zweite hohe Vase, ein weiteres Dekoglas für Kerzen oder die süßen Servietten für die nächste Party? Gibt es keine anderen Gegenstände, die den Zweck erfüllen? Kannst du dein graues oder schwarzes T-Shirt nicht genauso gut kombinieren wie das weiße und mal ehrlich – wieviele kannst du gleichzeitig tragen? Kein Mensch braucht eine Salatschleuder, wenn er ein Geschirrtuch hat. Genauso sinnlos ist es, zehn Schüsseln in verschiedenen Größen zu besitzen. Ich habe zum Beispiel noch unzählige Papierservietten, Teelichter usw. dass ich mich heute frage ob ich mich überhaupt irgendetwas gefragt habe damals beim Kauf. Schließlich ist das schon über zwei Jahre her. 

    Frust oder Ärger über dich selbst bringt dich hier aber nicht weiter. Versuche lieber kreativ zu sein und über den Tellerrand zu blicken, etwas daraus zu lernen und schlichtweg aufzubrauchen.
  4. Habe ich Platz dafür?
    Ich habe zum Beispiel eine Schwäche für Flohmärkte und antike Möbel. Das Dilemma scheint offensichtlich – wo soll denn noch ein Hocker hin? Es betrifft aber nicht nur größere Dinge wie Möbelstücke. Deine Besteckschublade ist sicher schon voll – und trotzdem möchtest du spezielles Steakbesteck oder Fonduegabeln (wie oft nutzt du sie – siehe oben)? Deine Schüsseln passen gerade so ins Regal und du möchtest trotzdem diese eine tolle? Wo stellst du die hin und wieviele kannst du gleichzeitig benutzen?
  5. Muss es neu sein und wie wurde es produziert?
    Wenn du alles bejahst und es ein sinnvoller Kauf zu sein scheint, dann kaufe zumindest Secondhand. Damit werden keine neuen Ressourcen für die Herstellung verbraucht. Neu kaufen ist bei uns immer die allerletzte Wahl. Zum Beispiel wenn wir es über eine längere Zeit nicht gebraucht oder secondhand finde. Oder es nur neu erhältlich ist. Falls du bisher nicht aus zweiter Hand gekauft hast, wirst du überrascht sein was man alles aus zweiter Hand bekommt und in welch tollem Zustand. Ich kaufe manchmal sogar Dinge wie Lebensmittel in Großgebinden aus zweiter Hand und hatte dabei noch nie ein unangenehmes Erlebnis oder eine negative Überraschung.

Bei Neukäufen achten wir zudem darauf, dass es im Idealfall lokal oder regional erhältlich ist und kleine Unternehmen unterstützt. Falls nicht, dann achten wir auf eine möglichst umweltfreundliche und faire Produktion.

Faustregel bei Neukäufen

Eine Faustregel, die ich ursprünglich nur bei der Kleidung beachtet habe, die sich aber auf alle Bereiche ausgeweitet hat: Kommt etwas rein, muss etwas raus. Wenn ich etwas anschaffe, muss ich mich von etwas anderem trennen. Ganz einfach und eine letzte Hürde zu einem sinnvollem, bewusstem Konsum.