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Nachhaltigkeit

weiße und blaue Kassenzettel
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Der blaue Kassenzettel

Immer öfter sieht man diese blauen Zettel in Supermärkten, Geschäften oder auf dem Markt. Sicher hast du diese Kassenbons auch schon bekommen oder gesehen.

Als Ergänzung zum Blogbeitrag Recycling-Mythen bzw. Mythos Nr. 4 „Alles Papier darf in die blaue Tonne“ sind mir die blauen Kassenzettel aufgefallen. Nach einer kurzen Umfrage in meinem Umfeld, wissen dazu viele Menschen noch nicht wirklich etwas. Hinter den blauen Zetteln verbirgt sich etwas mehr Nachhaltigkeit – die Farbe steht für eine andere Zusammensetzung des Papiers. Ganz ohne Chemie.

Mythos 4 also richtig? Alles was aus Papier ist, kann in die blaue Tonne, um recycelt zu werden?

Wie schon im Blogbeitrag erwähnt, ist das falsch. Nicht alle Produkte, die Papier enthalten oder aus Papier bestehen, dürfen auch als solches entsorgt werden. So darf eben nichts in die blaue Tonne, was thermisch bedruckt wird wie z. B. Kassenzettel, Parkhaustickets, Thermo-Faxe, Kontoauszüge, Konzert- und Flugtickets usw. Der Hauptgrund dafür: giftige Chemikalien im Papier. 

Weiße Kassenzettel, Tickets & Co. müssen in den Restmüll

Wie die meisten vermutlich wissen, werden diese Tickets nicht einfach mit regulären Tintenpatronen bzw. Druckern bedruckt. Das erfolgt thermisch mit Hitze. Damit man die Buchstaben lesen kann, wird das Papier mit Bisphenol A / BPA beschichtet. BPA ist allerdings ein giftiger Schadstoff, der den Hormonhaushalt verändert. Dazu führt bereits ein ganz normaler Hautkontakt mit dem Material. 

Und wer jetzt beschwichtigend abwinkt – „alles halb so wild“ – dem sei gesagt, dass solche Veränderungen bereits in einigen Studien nachgewiesen wurde. Es gibt Studien zu Bisphenol A, die zum Ergebnis kommen, dass männliche Fische, sich zu „female-like“ (verweiblichten) Fischen entwickeln. Bei weiblichen Lebewesen wurde eine Mutation der Geschlechtsorgane nachgewiesen. Es ist also alles andere als harmlos.

Fast-Verbesserungen in der EU

Somit hat man BPA 2020 in der EU nach vielen Jahren (fast komplett) verboten. Das war aber leider nicht das Ende. „Kreative“ Produzenten haben das verbotene BPA daraufhin einfach mit Bisphenol S ersetzt, was jedoch als giftige Chemikalie auch hormonähnliche Wirkungen zeigt. Wegen dieser und weiterer enthaltenen Chemikalien dürfen diese Bons, Tickets usw. nicht in den Papiermüll – sie werden über den Restmüll entsorgt.

Alles super, Problem gelöst? Wenn du jetzt denkst, dass es kein Papier mehr mit BPA auf dem Markt gibt, dann muss ich dich leider enttäuschen. Logischerweise gibt es noch Restbestände, Vorproduktionen etc. Auch in unserer Papierablage finden sich vermutlich alte Kontoauszüge, Quittungen, Faxe usw. die Bisphenole enthalten. Weg damit – aber nicht in die blaue Tonne, sondern in den Restmüll. Das gleiche gilt für alle beschichteten Papiere mit Folie oder Lack. Das ist auch der Grund, weshalb z. B. normales Backpapier nicht in die blaue Tonne darf.

Was passiert mit den Bisphenolen im Recycling?

Beim Recycling des Altpapiers lösen sich diese Stoffe und gefährden direkt die Umwelt und unsere Gesundheit. Sie können im Recycling-Kreislauf nicht ausgeschieden werden und gelangen so in den Altpapier-Kreislauf. Diese Produkte nutzen wir dann ahnungslos. Selbst wenn man also Thermopapier meidet, käme man dennoch mit diesen Stoffen in Berührung. Das ist z. B. der Fall; bei Schulheften, Notizblöcken, Toilettenpapier usw. Du kannst hier auf Zertifizierungen achten wie z. B. auch auf den blauen Engel. Der ist gemäß dieses Blogbeitrags ja auch ein Garant für die blaue Tonne 😉

blaue Kassenzettel
Blaue Kassenzettel enthalten keine Bisphenole und können in den Papiermüll.

Blaue Kassenzettel sind besser als weiße.

In den blauen Kassenzettteln sind keine dieser Chemikalien enthalten. Die Schrift erscheint durch eine physikalische Reaktion, da das Papier aus mehreren Schichten besteht. Wenn die erste thermisch „berührt“ wird, dann wird diese transparent und lässt die untere dunkler durchscheinen. Ganz ohne Chemie. Sie können aus diesem Grund wie gewöhnliches Papier entsorgt werden. 

Zusätzliche Lösungen

Wir haben zwar eine noch recht neue Kassenbon-Pflicht bei uns in Deutschland, dennoch kann jeder von uns dazu beitragen, den Verbrauch von Papier auch beim Einkaufen einzudämmen. Aufgrund dieser Pflicht ist das Ablehnen des Kassenbons nicht mehr so einfach bzw. das Ablehnen ist einfach, aber der Bon wird dennoch automatisch gedruckt. Allerdings bieten immer mehr Geschäfte die Möglichkeit, den Bon elektronisch zu erhalten. Bei Kartenzahlungen versuche ich zudem immer meinen Beleg abzulehnen – das ist wohl erlaubt, da der Händler ja eine hat. So gibt es keine Kunden-Kopie. 

Was auch eine Möglichkeit ist: werde aktiv! Schreibe das Unternehmen bzw. den Konzern an. Ich habe das auch schon gemacht (und meine Schwester macht das zum Beispiel wenn etwas mit Plastik-Klebeband versendet wird – hat sogar einen ähnlichen Impact…) und auch wenn ein großer Konzern nichts auf deine kleine Meinung gibt. Die Masse macht es. Gemeinsam kann viel erreicht werden. Es gibt auch immer wieder Petitionen bei der DUH und anderen Insitutionen. Mit Hilfe derer können wir ganz viel erreichen. Gemeinsam.

Quellen und mehr zu den Studien:

Deutschlandfunk
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30640006/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1874184/

Disclaimer: 
Nicht alle weißen Kassenzettel, Tickets o. ä. enthalten die obigen Stoffe. Es mag Hersteller geben, die beispielsweise bei Thermopapier auf Bisphenole verzichten. Das kann natürlich nicht abschließend geklärt werden. Dennoch, benötigt es Zusätze, die vielleicht nicht giftig sind, aber trotzdem nicht in die Umwelt gelangen sollten. 

Narzissen in Glasvase
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Kritik an konventionellen Schnittblumen – wieso wir genau hinsehen müssen.

Wer findet das nicht schön, wenn man frische Blumen auf dem Esstisch oder im Eingangsbereich hat – insbesondere nach dem Winter freut man sich so sehr auf die ersten Blumen. Da kommen die vielen Tulpen an der Kasse doch gerade richtig. Teuer sind sie auch nicht und die Qual der Wahl hat man höchstens bei der Farbe. Ganz so einfach ist das aber bezüglich Anbau, verwendeten Chemikalien oder der Herkunft der Blumen nicht.

Was ist denn so schlimm am Anbau konventioneller Schnittblumen?

Es gibt nicht nur einen, sondern zahlreiche Gründe, um auf konventionell angebaute Pflanzen zu verzichten. Bei der Information wie auch beim Anbau herrscht bei diesem Thema noch großer Nachholbedarf.

  • Viele der Blumen reisen mit dem Flugzeug an. Gerade Rosen werden viel in Afrika, genauer in Kenia angebaut. Nelken sind auch sehr beliebte Blumen bei uns. Die stammen hauptsächlich aus Kolumbien, Südamerika. Die weite Reise überstehen die Blumen meist nur u. a. durch eine durchgängige Kühlung und entsprechende Vorbehandlung.
  • Nicht nur importierte Blumen hinterlassen einen großen CO2-Fußabdruck. Auch bei uns in Deutschland oder in angrenzenden Ländern angebaute Blumen schaden dem Klima. Beheizte Gewächshäuser und ein hoher Wasserbedarf schlagen hier zu Buche. Der gekühlte Transport fällt natürlich auch aus den Niederlanden nach Süddeutschland nicht weg – die Wege sind teilweise ja sogar länger als aus anderen Teilen Europas … Das täuscht leider oft, denn letztendlich kommt es darauf an, wie die Pflanzen angebaut sind und woher z. B. das Wasser stammt, das in großen Mengen benötigt wird.
  • Aber ganz egal wo: ohne Pestizide, chemische Schutzmittel, synthetische Düngemittel & Co. geht da gar nichts. Wir Konsumenten möchten zu jeder Jahreszeit vollkommene Blumen und akzeptieren wie beim Gemüse keine Abweichungen von der „Norm“.  Und jetzt mal ganz ehrlich – möchtest du an Rosen riechen, die über ihr gesamtes Wachstum mit schädlichen Pestiziden behandelt wurden? Mhhhm – direkt über die Nase in deinen Körper. Also das ist sicher gesund, oder was denkst du?
  • Abgesehen von den Giftstoffen ist der Wasserbedarf in südlicheren Ländern ein großes Problem. Leider genau wie das Abwasser, das gemeinsam mit den Pestiziden für vergiftete Böden sorgt. Der WWF berichtet, dass das Abwasser samt Giftstoffen ungefiltert in die Natur gelangt. Es gibt hier weder Kontrollen noch technische 
  • Unfaire Arbeitsbedingungen. In südlicheren Ländern ist Kinderarbeit noch immer an der Tagesordnung. Dazu kommen schlechte Arbeitsbedingungen auf den Blumenfeldern, fehlende Sicherheit z. B. im Umgang mit den Geräten oder fehlende Sozialleistungen und viel zu niedrige Löhne. Das alles um die Margen so hoch wie möglich zu halten und den Preis niedrig. Damit wir letztendlich an der Kasse zugreifen. 
Narzissen im Detail

Pestizide müssen nunmal sein?

Absoluter Quatsch. Pestizide werden eingesetzt, weil wir gegen die Natur, das ganze Jahr das komplette Angebot an perfekten Blumen möchten. Und dieser Satz alleine, widerspiegelt schon das Dilemma. Hier verstecken sich gleich drei Probleme: 

  1. Gegen die Natur
    Die Natur regelt an sich alles und ist perfekt auf alles abgestimmt. Wenn wir das stören, sind Hilfsmittel nötig. Das heißt, wenn Pestizide nötig sind dann werden die Blumen entweder falsch angebaut, erhalten nicht die richtigen oder genügend Nährstoffe, sind überzüchtet etc. Es gibt noch viele weitere Gründe für die vermeintliche Notwendigkeit von Pestiziden oder den Einsatz von Chemie. Alle sind hausgemacht und entstehen nur, weil das Ganze nicht seinem natürlichen Lauf nachgehen kann.
  2. Das ganze Jahr
    Tulpen im Dezember, Narzissen (Osterglocken) im Februar, Pfingstrosen von April bis September? Das ist exakt das Gleiche, wie wenn wir Orangen im Juni kaufen und Erdbeeren im November. Nur, dass bei Erdbeeren im November alle aufschreien, weil das ja sowas von nicht saisonal ist. Den meisten von uns ist das sehr wohl bewusst, aber zum Strauß Tulpen an der Kasse, macht sich kaum einer Gedanken.
  3. „Perfekte“ Blumen
    Der Einsatz von synthetischen Düngern, chemischen Schutzmittel und Pestiziden ermöglicht, eine perfekte Blume vom Stiel bis zu den Blüten.

    Meistens beziehen wir „perfekt“ auf das Aussehen, aber manchmal betrifft das auch Eigenschaften. So gibt es mittlerweile Züchtungen, die pollenfrei sind. Das heißt es gibt keine „lästigen“ Pollenflecken mehr auf Kleidung und Tischdecke. Oder Rosen, die längere Stiele haben und weniger duften, da das entweichende Etyhlengas sie schneller verblühen lässt. In die andere Richtung gibt es auch chemische Hemmstoffe, die dafür sorgen, dass die Pflanzen klein und kompakt bleiben. Beides absolut gegen die Natur. Gegen alles was für den Kreislauf des Wachstums steht. Unverständlich, aber hier bestimmt mal wieder die Nachfrage das Angebot. Buying is voting…

Somit muss uns allen klar sein, dass Pestizide nicht nötig wären, wenn wir bewusst und im Einklang mit der Natur und deren Abläufen konsumieren. Wie bei Gemüse und Obst, gilt das eben auch für alle anderen Pflanzen.

Faire Siegel für Blumen

Wenn du trotzdem nicht auf konventionelle Blumen verzichten möchtest, dann achte zumindest auf faire Siegel. 

Fair Flowers Fair Plants – FFFP

fairflowersfairplants.com

Dieses Siegel aus den Niederlanden kennzeichnet u. a. Blumen und Pflanzen, die unter Einhaltung einiger ökologischer und sozialer Kriterien gezüchtet werden.

Das heißt, hier spielen nicht nur der Einsatz von z. B. sehr giftigen Pestiziden, weniger Düngemittel usw. eine Rolle, sondern auch der Ressourcenverbrauch und der ethische Aspekt wie Kinderarbeit und eine faire Entlohnung.

Wie auch beim Bio-Siegel verspricht dieses Siegel zwar nachhaltigere Pflanzen, da ist allerdings noch viel Luft nach oben. Blumen aus kontrolliert biologischem Anbau sind sicher deutlich nachhaltiger als diese Siegel-Zertifizierung verspricht. 

Fairtrade

fairtrade-deutschland.com

Das wohl bekannteste Siegel, das mindestens durch Schokolade und Kaffee seit einzigen Jahrzehnten bekannt ist. Es garantiert – wie bei den Lebensmitteln auch – zumindest einen Mindeststandard was faire Arbeitsbedingungen und Sicherheiten vor Ort angeht. Zudem verbietet es strikt Kinderarbeit. Beim Fairtrade-Siegel ist das Thema Nachhaltigkeit leider nur ganz schwach geregelt. Sogenannte „strenge Umweltregeln“ verbieten zwar immerhin ein paar hochgiftige Pestizide und es fördert den ökologischen Anbau. Allerdings gibt es keine exakten Bestimmungen und Regelungen, die weitergehen und den gesamten Prozess wirklich nachhaltig gestalten.

Auf der Internetseite des Siegels gibt es einen Einkaufsfinder, über den du Geschäfte in der Nähe finden kannst, mit Fairtrade-Blumen im Angebot.

Der CO2-Fußabdruck kann zwar durch diese Zertifizierungen verringert werden, er ist aber immernoch zu hoch, um das Ganze als alltägliche Massenware zu betrachten. Ich kaufe mir ja auch nicht jede Woche einen Granatapfel, Avocados oder eine Papaya – um das mal in ein Verhältnis zu setzen. Wenn wir hier sehr bewusst konsumieren, das heißt uns über die Konsequenzen im Klaren sind, dann geht das gar nicht anders. Wir müssten darauf so stark verzichten, dass es wieder etwas Besonderes ist. 

Das heißt also nie wieder Blumen auf dem Esstisch, im Flur oder als Mitbringsel? 😲

Naja, ganz so schlimm ist das nicht, es gibt viele Alternativen, die Mensch und Natur weniger bis gar nicht schaden. Hier etwas zusammengefasst: 

🌻 Bei deinem Floristen und auf dem Markt kritisch nachfragen, woher die Blumen kommen. Wie wurden sie angebaut? Wer hat sie gepflückt? Unter fairen Standards? Wurde Chemie eingesetzt? Welchen Transportweg haben sie hinter sich? Freiland oder Gewächshaus? Und falls Letzteres – wie wurde das beheizt? Bewusst kaufen.

🌻 Wie beim Gemüse und Obst gibt es auch bei den Blumen eine Saison. Wer unbedingt im August Pfingstrosen und im Februar Osterglocken (eine einfachere Eselsbrücke geht dank den Namen ja kaum) kaufen möchte, dem muss klar sein, dass das gerade nicht die richtige Saison dafür ist. Das entspricht dem einfachen Beispiel Erdbeeren im November…

🌻 Bei Blumenfeldern ist die Saisonalität hingegen gegeben. Bei uns sind die weder unter Folien noch in beheizten Gewächshäusern und werden von ansässigen Familien gepflegt. Aber auch hier besser einmal mehr nachfragen. Auch eine lokale Bauernfamilie oder dein Nachbar kann Pestizide, Herbizide usw. einsetzen. Ich möchte das auch nicht super lokal unterstützen.

🌻 Biozertifizierte Pflanzen kommen komplett ohne chemische Pflanzenschutzmittel, synthetische Düngemittel, Herbizide und Gentechnik aus. Auch dem Thema Torf wird hier Beachtung geschenkt, da für den Anbau konventioneller Pflanzen oft torfreiche Erde verwendet wird. Ich achte jedoch auch bei diesem Thema darauf, dass diese offiziell zertifiziert sind, also aus einem kontrolliert biologischen Anbau stammen. Einzeln verwendete Begriffe wie „kontrollierter Anbau“, „naturnah“, „mit der Natur“ usw. können dabei irreführend sein. Es lohnt sich genau hinzuschauen. 

🌻 Trockenblumen – es gibt so wunderschöne Blumen, in denen sich der Sommer quasi etwas konservieren lässt, für die dunkleren Wintermonate und darüber hinaus. Ein Trockenblumenstrauß kann genauso schön und frisch wirken auf deinem Esstisch, wie ein Bund Tulpen, der da im November oder Dezember nichts zu suchen hat. Nein, er wirkt sogar noch schöner. Denn wenn er aus der Region stammt und langsam, achtsam oder biodynamisch angebaut wurde, dann wüsste ich keinen Grund für einen Bund konventionelle Rosen oder Tulpen, die viel Leid und Schaden angerichtet haben. 

Am besten: konsumiere ganz bewusst.

Ich kaufe, wenn dann SlowFlowers wie zum Beispiel die Narzissen und Tulpen auf den Fotos, von Wildling Blumen bei uns in der Region. 

Hast du schon einmal von SlowFlowers gehört? Wie beim Essen Slowfood oder bei der Mode Slowfashion, gibt es auch hier eine tolle aber vergleichsweise weniger bekannte Bewegung, die sich für Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit im Anbau von Schnittblumen einsetzt. 
Den Mitgliedern der Slowflower-Bewegung liegt unsere Umwelt und ein bewusster Konsum am Herzen. Mehr Infos zur Bewegung und deinem nächsten Slowflower-Anbieter findest du hier.

Überlege dir beim nächsten Besuch im Baumarkt, Gartencenter oder Supermarkt ganz einfach: Will ich die Welt wirklich ärmer machen mit meinem Kauf? Möchte ich Mensch, Natur und Tieren schaden mit meinem Kauf – zum Beispiel einem Strauß in Pestizidnebel angebauten Tulpen, der vielleicht zwei Wochen hält? Oder suche ich eine bewusste Alternative und leiste meinen Beitrag mit einem nachhaltigen Prozess, der weder Mensch noch Umwelt schadet.

Ich glaube, da gibt es nur eine Antwort, oder?

PS: Falls dich ein bewusster Konsum interessiert, findest du hier übrigens einen Blogbeitrag mit hilfreichen Tipps wie auch du es schaffst, bewusster zu konsumieren.

Quellen: 
Handelsblatt
Zeit
WWF

Werbung, unbezahlt




Altkleider-Spende
Wissen

Das Dilemma mit den Altkleider-Spenden

In einem der letzten Beiträge zum Reduzieren der Kleidung, hatte ich die Problematik mit Altkleider-Spenden bereits kurz angedeutet. Da ich festgestellt habe, dass das Problem wohl doch nicht so bekannt ist, gibt es hiermit einen separaten Blogpost dazu. Es ist einfach zu wichtig und gerade in der aktuellen Zeit und dem vorhandenen Ausmist-Wahn sehr präsent. 
Wer kennt diese Container nicht. Sie stehen überall an den Straßen, auf Parkplätzen und Schulhöfen. Altkleider-Container verschiedenster Einrichtungen. Seine Kleidung in Säcken oder Kartons an so einem Container abzugeben, schafft bei den meisten von uns ein gutes Gefühl. Ein Gefühl, jemandem dem es schlechter geht als uns, zu helfen und spenden ist doch eine gute Sache, oder? So bin auch ich groß geworden und vielleicht war das auch mal so. 

Fakt ist: Heute haben die meisten unserer Spenden leider alles andere als einen guten Impact. Im Gegenteil, sie verzerren Märkte und zerstören sie.

Wieso braucht es all die Container?

Im Schnitt kauft jeder von uns jedes Jahr ca. 60 Kleidungsstücke. Das bedeutet nicht nur, dass wir im Schnitt mehr als ein Kleidungsstück pro Woche kaufen, es bedeutet auch, dass wir das faktisch gar nicht alles tragen können. Für einen kurzen Rausch und ein paar Tage Freude mit einem Stück nehmen wir in Kauf, dass Menschen und unsere Umwelt ausgebeutet werden. Das Ganze ist ein Thema für sich und man findet bereits viele lesenswerte Beiträge zu den Themen Fast und Fair Fashion. Die Rechnung wie es überhaupt dazu kommt, ist jedoch ganz einfach: Zuviel Kleidung + zu billig eingekauft = keine Hemmschwelle, sie regelmäßig loszuwerden. 

60 Kleidungsstücke entsprechen ca. 30 Kilogramm Kleidung. Das heißt die müssen ja jedes Jahr irgendwo hin. Weil wir im Vorjahr schon 30 Kilo gekauft hatten, und das Jahr davor und das davor und und und… Also raffen wir uns gelegentlich auf, machen eine große Ausmistaktion und fühlen uns danach wunderbar frei.  Wir spenden oder verschenken die Kleidung, geben sie in einen Container oder entsorgen sie über den Müll. Und da wir nun einen aufgeräumten und vermeintlich klaren Kopf haben, passt doch sicher auch wieder was Neues rein, juhu… Wohl eher nicht. Das Umdenken hat bei dem ganzen Prozess leider noch nicht stattgefunden und das so wichtige Bewusstsein dafür, steckt irgendwo unter den aussortierten Kleidern. 

Über gebrauchte Kleidung freuen sich viele – aber leider vor allem diejenigen, die dafür sorgen dass sie ins Ausland gelangen. In Afrika oder dem Nahen Osten wehrt man sich gegen die schier unendlichen Mengen an Altkleidern. Den positiven Impact, den wir hinter unserer Spende vermuten, findet man vergebens.

Zumindest, wenn wir nicht darauf achten, wo wir die Kleidung abgeben. Am besten ist es immernoch, direkt zu spenden, zu verschenken oder zu verkaufen. Seien wir mal ehrlich – in den meisten Fällen sind unsere aussortierten Kleider noch absolut tragbar und kommen weg, weil sie nicht mehr gefallen oder passen. Daher liegen diese drei Möglichkeiten doch am nächsten. Richtig zerschlissene Kleidung, aus der du auch nichts anderes mehr machen kannst – und glaub mir, die Möglichkeiten hier sind schier unendlich…) kommt sowieso in die Textilverwertung (z. B. TexAid Container, siehe nächster Punkt). 

Wenn das alles nicht in Frage kommt, bleibt vermeintlich nur noch der Container. Und genau hier ist es wichtig, dass du genau hinschaust. Wieso? Da gibt es schmutzige Gründe dafür.  

Container nur für Textilverwertung

Einigen ist das nicht bewusst; nicht jeder Container dient dem Zweck, deine eingeworfene Kleidung auch in dieser Form weiter zu geben. Es gibt einige Container, die speziell für die Textilverwertung sammeln, bei uns zum Beispiel TexAid. Das heißt, eingeworfene Textilien werden nicht erst gemäß ihrem Zustand sortiert, sondern direkt zu z. B. Lappen, recyceltem Nähgarn oder Dämmstoffen geschreddert. Somit ist hier schon das erste Mal Vorsicht geboten, weil die Spende unter Umständen gar nicht erst in eine Sortieranlage kommt und an Menschen weitergegeben wird, die sie brauchen. Hier lohnt sich also erst recht ein doppelter Blick, was auf dem Container steht, wenn du gerade eine Winterjacke in einwandfreiem Zustand einwirfst…

Illegale und legale Container

Es gibt zahlreiche illegale Container verteilt bei uns. Die sind weder immer genehmigt (auf Privatgrund nicht nötig), noch von offiziellen Anbietern, sondern von irgendwelchen privaten Unternehmungen. Zertifikate oder fairer Handel sucht man vergebens. Das Geschäft ist zu lukrativ, als dass der offizielle Weg gegangen wird. Selbst Container von offiziellen Unternehmen wie Humana, haben als Hauptzweck die Gewinnmaximierung, statt einem humanitären Zweck. Die Zurückverfolgung ist dank regelmäßiger Unternehmens-Auflösungen, Scheinfirmen usw. nur schwierig möglich.

Illegal abgestellte Kleider-Container ohne Möglichkeit der Rückverfolgung und ohne Kennzeichnung einer gemeinnützigen Einrichtung. 
Text auf dem Container: Altkleider & Schuhe
Illegal abgestellte Kleider-Container ohne Möglichkeit der Rückverfolgung. Bild: SWR Marktcheck

So landen tonnenweise Altkleider in Händen, die damit in erster Linie nochmals richtig Geld verdienen wollen und keine selbstlosen, wohltätigen Ziele verfolgen. Die Spendensammlung funktioniert in der Regel immer gleich:

  1. Am frequentierten Stellen werden Container aufgestellt und regelmäßig geleert..
  2. Die gesammelten Kleidungsstücke werden zu zentralen Lagern transportiert und dort sortiert. Defektes kommt weg und der Rest wird je nach Zustand zugeteilt. Der Zustand orientiert sich dabei an den Märkten, auf denen sie noch weiterverkauft werden sollen. 
  3. Je nach Zustand wird die Ware nach Osteuropa, Afrika und weitere Länder verkauft und dorthin transportiert. 
  4. Im Zielland wird sie dann gebraucht verkauft.

Verdient wird bei jedem Schritt mit abnehmender Marge. Im Ganzen geht es auf dem Altkleider-Markt um richtig, richtig viel Geld. Von Gemeinnützigkeit in der Regel keine Spur. 

Container vom Deutschen Roten Kreuz

Leider ist davon auch das Rote Kreuz nicht ausgenommen. Spätestens nach der NDR-Reportage “Die Altkleider-Lüge” hat der ein oder andere vielleicht aufgehorcht und Fragen gestellt. Hier findet ihr übrigens die Stellungnahme des DRK dazu. Ein fader Beigeschmack blieb – zumindest bei mir – dennoch. Gemäß einem Artikel der dw nimmt das DRK jährlich circa 13,5 Millionen Euro durch Altkleider-Spenden ein. Das Geld wird zwar auch verwendet für wohltätige Zwecke, aber der Verantwortung entziehen, kann sich auch das DRK nicht. Ein im Zielland angerichteter Schaden kann durch diese wohltätigen Zwecke nicht so einfach aufgehoben werden.

Container mit FairWertung-Siegel

Für alle, die bis hierhin gelesen haben (WOW und danke 🤗) und sich jetzt fragen wohin mit den ganzen alten Kleidern, gibt es eine (Teil!)-Lösung. Es gibt Container, die das sogenannte FairWertung-Siegel tragen. FairWertung ist ein Zusammenschluss verschiedener Altkleidersammler, um sicherzustellen, dass die Erlöse dieser Altkleider-Spenden durchweg einem wohltätigen Zweck zugutekommen. Deinen nächsten Container findest du auf der Seite der Standortsuche

Kreislauf der Kleiderspende in einen Container mit FairWertung-Siegel. Weg einer gemeinnützigen Kleiderspende.
Kreislauf der Kleiderspende in einen Container mit FairWertung-Siegel, Bild: Tchibo Blog

Man könnte jetzt meinen, dass die Spenden ja doch einen guten Einfluss haben können. Schließlich schaffen sie auf dem osteuropäischen oder afrikanischen Markt viele Arbeitsplätze und viele Menschen können sich reguläre Kleidung gar nicht leisten. Zum ersten Argument; es schafft natürlich Arbeitsplätze, aber es zerstört dafür andere und verzerrt den Preis vor Ort. Unsere Spenden bzw. die Ware wird so angeboten, dass die heimische Textilindustrie vielerorts zusammenbricht. Es gibt zwar mittlerweile Studien, die sagen, dass die jeweiligen Textilindustrien den Bedarf nicht mehr decken könnten und es die gebrauchte Kleidung zusätzlich braucht, diese müssen jedoch kritisch betrachtet werden. Sie stellen nur unsere westliche Sichtweise dar. Die afrikanische Sichtweise kommt da zu ganz anderen Aussagen und Ergebnissen. Vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo dazwischen, wer weiß. Trotzdem erlassen immer mehr afrikanische Länder Importverbote für Altkleider, u. a. um die eigene Wirtschaft zu schützen. Ein zwar politisches, aber ziemlich klares Zeichen, finde ich.

Auch was Secondhand-Kleidung als einzige Möglichkeit zur Deckung der Grundversorgung betrifft, gibt es eine Kehrseite. Gebrauchte Kleidung ist für viele die einzige Möglichkeit überhaupt Kleidung zu kaufen. Jedoch gelangen unsere Spenden in erster Linie in die reicheren afrikanischen Länder, die zahlungsfähig sind. Schon vergessen – es geht nur ums Geld. Mit Bedürftigkeit hat das wenig zu tun, denn den wirklich bedürftigen Menschen bleiben unsere Spenden oftmals verwehrt. 

Spenden an die Deutsche Kleiderstiftung e. V. 

Da bei uns kein FairWertung-Container in der Nähe war, musste ich für meine Kleiderspenden eine Alternative suchen. Den saisonal passenden Teil konnte ich an ein lokales Sozialkaufhaus geben, aber für den Rest musste eine andere Lösung her. Nach der Eingabe der Postleitzahl auf der Standortsuche von FairWertung, wurde mir die deutsche Kleiderstiftung e. V. angezeigt. Bei der kann man einen Paketschein anfordern und die Kleider kostenlos versenden. Das war einfach und unkompliziert. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass du nur gut erhaltene Kleidung und Schuhe versenden solltest.

Falls ich das jemals wieder brauche, werde ich das auch wieder nutzen. Zumindest, wenn es lokal nicht möglich ist. Da sich meine Anzahl aber drastisch reduziert hat und sich mein Bewusstsein grundlegend verändert hat, wird das glücklicherweise nicht mehr so schnell der Fall sein. Und wenn doch, dann nur für einzelne Stücke, die meistens in den Sozialkaufhäusern willkommen sind, sofern gut erhalten. 

Es gibt also transparentere und wohltätigere Möglichkeiten über Container zu spenden, aber die perfekte Lösung bieten auch sie nicht. Es ändert am Ende ja nichts daran, dass wir zu viel und zu billig konsumieren und unsere Kleidung auf irgendeinem Markt landet, auf dem sie als gefragte und gewinnbringende Ware verkauft werden. Wer da helfen möchte, der muss sich die Mühe machen und genauer hinschauen.

Was also nun? Überraschung: die Lösung hast du selbst in der Hand.

Du bist die Lösung und kannst sofort etwas dafür tun, um die Ressourcen, deinen Geldbeutel, die Textilmärkte und unsere Umwelt zu schonen! Netter Nebeneffekt: du wirst mehr Zeit haben, da Shoppen, Bummeln und Ausmisten weniger werden oder wegfallen. Du fragst dich jetzt, ob du wirklich etwas bewirken kannst? Oh ja, du alleine kannst eine Menge bewirken:

1. Kaufe weniger oder einfach mal nichts mehr.  
Wir Deutschen kaufen andauernd etwas. Es geht uns einfach zu gut und an jeder Ecke lauern Konsumfallen. Vielleicht probierst du mal einen Konsum-Ban aus. Vielleicht erst einmal einen Monat oder auch drei Monate. Keine Kleidung online, offline, gebraucht, geschenkt. 

Du kannst dir auch einen strikten Neukauf-Ban vornehmen. Wir haben einige Monate gar nichts gekauft und waren super überrascht, wie gut das letztendlich ging. Danach haben wir nur noch gebraucht gekauft. Bei den wenigen Ausnahmen, die es gab, haben wir lange abgewogen wie wichtig der Kauf für uns ist. 

Kleiner Exkurs in meinen Kleiderkonsum
Ich habe mir 2020 nur ein neues Kleidungsstück und ein Paar neue Kletterschuhe gegönnt. Ersteres war von einer hochwertigen FairFashion-Marke und vor dem Kauf gut durchdacht. Alle anderen Dinge (ich führe eine Liste darüber, um mich selbst immer wieder zu unterstützen und daran zu erinnern) waren gebraucht oder sogar getauscht mit alter Kleidung. Es waren 12 gebrauchte Kleidungsstücke plus 6 neue Paar Socken und einen neuen Sport-BH. Da sind sich viele nicht einig, ob Socken und Unterwäsche ausgenommen werden dürfen. Mir ist das eigentlich egal, aber mein Ziel für 2021 ist nun natürlich, dass ich drunter oder zumindest nicht drüber komme. Mal sehen, ob ich es schaffe.

2. Nutze was du hast und trage es länger.
Wir tragen unsere Kleidung nur noch halb so lang wie in den frühen 2000ern. Indem du deine Kleidung länger trägst und sie zum Beispiel auch reparierst, verlängerst du natürlich die Lebensdauer deiner Kleidungsstücke, du verringerst aber auch direkt den CO2-Abdruck, den sie hinterlassen. Natürlich hatte ich schon den Fall, dass bei einer Bluse der oberste Knopf fehlte und ich sie nur aus diesem Grund nicht mehr trug. Wie blöd, wenn ich zurückblicke. Der Knopf wäre in fünf Minuten angenäht gewesen und die Bluse vollwertig tragbar. Es gibt ja auch zu allem Tutorials und jeder kann Kleinigkeiten lernen, die einen so großen Einfluss haben. Und wenn das so gar nicht deine Sache ist, dann gibt es da noch so etwas wie einen Schneider und Repair-Cafés. 

Diesen Punkt der Langlebigkeit, kannst du übrigens nur befolgen, wenn du umdenkst und auch den nächsten Punkt beachtest. Der, eines sehr sorgfältig überlegten und bewussten, fairen Konsums.

3. Kaufe FairFashion statt FastFashion. 
Mode die fair, umweltfreundlich und möglichst natürlich produziert wurde, findet man zum Glück immer häufiger. Aber auch hier lohnt sich ein kritischer Blick auf die einzelnen Labels und eventuelles Greenwashing. Lass dich nicht blenden und recherchiere lieber einmal mehr. Ich muss mir auch noch angewöhnen, vor einem Kauf mehr zu hinterfragen und zu recherchieren. Erst kürzlich habe ich Menstruationsunterwäsche gekauft von einer tollen, fairen Marke, um einige Wochen später zu lesen, dass man gut abwägen sollte, ob man Pestizide in der Membran möchte oder nicht. Schwieriges Thema und ich habe noch keine klare Meinung dazu. Ich bin nur sehr froh, dass ich erst einmal nur ein Slip gekauft habe und nicht gleich vier oder fünf. Das hat auch den Vorteil, dass ich jetzt in Ruhe schauen kann, wie ich mit dem einen zurechtkomme. Erst danach entscheide ich, ob ich noch einen anschaffe. 
Ein anderer Effekt, der zumindest bei vielen FairFashion Unternehmen im Vordergrund steht, ist die Qualität. Die Materialien sind sorgfältig ausgewählt und die Verarbeitung erfolgt nicht in Masse Übersee, sondern meistens in Europa und vor allem fair. Das bedeutet automatisch, dass Punkt zwei auch funktionieren kann. Denn ein T-Shirt dass billig produziert wurde hält dir ganz klar nicht so lange wie eines, das in der ganzen Wertschöpfung hochwertiger gefertigt wurde.

Du siehst, es ist eigentlich ganz einfach sich selbst und seine Ansichten auf die Mode und Industrie zu hinterfragen und zu ändern. Kleine Schritte bewirken hier schon viel. Neben all den Vor- und Nachteilen unserer Altkleider-Spenden, entscheidest schließlich du alleine. Du entscheidest dich etwas zu kaufen, etwas wegzuwerfen, etwas zu spenden usw. Manche Gegebenheiten ändern sich schwerfällig und nicht von heute auf morgen. Dieser Beitrag soll dir aufzeigen, dass man die Augen offen halten und bewusst handeln sollte – bei der Spende wie eben auch davor, beim Kauf. Denn jeder Einkauf ist ein Stimmzettel.

Buying is voting!

Nach diesem doch etwas längeren Beitrag, interessiert es mich total, was du für Erfahrungen gemacht hast mit Altkleider-Spenden und wo du sie in der Regel abgibst. Vielleicht gibt es noch weitere tolle Möglichkeiten. Wusstest du um die Missstände und war dir das alles schon bewusst?

Ich bin gespannt 💚

Quellen zum Nach- und Weiterlesen:
Greenpeace.de, Fairwertung.de, SWR Marktcheck, DW News

3 KeepCup ToGo Becher
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Einwegbecher vs. Mehrwegbecher

Einwegbecher versus Mehrwegbecher – was ist denn nun besser? Ich denke immer wieder „das weiß doch mittlerweile jeder”. Und trotzdem wird da leider einiges dafür getan, dass solche Infos nicht bei uns allen ankommen. Einwegbecher sind alles andere als nachhaltig.
Weiß man doch? Die Fakten sagen leider etwas anderes: Wir Deutschen verbrauchen jede Stunde (!) ca. 320 000 dieser Becher für Kaffee, Tee & Co. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – jede Stunde! Und die verschlingen nicht nur viele Ressourcen, sondern können nicht einmal recycelt werden. Nachhaltigkeit und Zero Waste gehen anders.

Produktion aus Recycling-Papier?

Fehlanzeige. Alleine für die Produktion der Pappbecher werden bei uns pro Jahr 17 500 Tonnen Papier verbraucht. Noch dazu kommt, dass kaum Recyclingpapierfaser genutzt wird. Das heißt, für die neu gewonnenen Fasern werden Bäume gefällt – gemäß DUH mehr als 26 000 Bäume im Jahr.

Zum neu gewonnenen Papier kommen große Mengen Kunststoff dazu. Ein gewöhnlicher 0,3 l Pappbecher enthält circa fünf Prozent Polyethylen. Für unseren genannten Jahresverbrauch bedeutet das 1 000 Tonnen Polyethylen. Gemäß Umweltbundesamt werden 70 % der Pappbecher mit einem Kunststoffdeckel ausgegeben. Die Herstellung dieser Deckel verschlingt nochmals große Mengen an Kunststoff.

Pro Pappbecher werden zudem mehr als ein halber Liter Wasser benötigt. Und wir haben bisher noch nicht einmal über den Transport, die Lagerung oder das Entsorgen gesprochen. Denn das ist nicht so einfach wie man vielleicht denkt.

Pappbecher sind doch aus Papier

Mein Lieblings-Argument ist „die sind doch aus Papier“. Es ist wohl kaum nötig zu erklären, dass ein echter Papierbecher die Flüssigkeit vielleicht drei Sekunden halten könnte. Zu den oben erwähnten, neu gewonnenen Papierfasern kommen natürlich noch große Mengen an Kunststoff hinzu. Denn natürlich sind die Becher innen mit Kunststoff beschichtet – ist ja eigentlich logisch. Das bedeutet, dass ein sauberes Recyceln nicht möglich ist.

Weder in die gelbe noch in die blaue Tonne

Die mit Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) beschichteten Becher können weder über die gelbe noch über die blaue Tonne richtig recycelt werden. Wenn sie in die gelbe Tonne gelangen, werden sie zur Papierfraktion zugeordnet und landen letztendlich im Papierrecycling. Und jetzt kommt das große Aber. Denn weil sich die Papierfaser kaum vom Kunststoff löst, wir das Ganze als sogenannter „Spuckstoff“ separiert und wie normaler Restmüll verbrannt. Das ist die traurige Wahrheit.

Neben diesen Bechern gibt es natürlich auch noch Plastikbecher aus Polystyrol z. B. aus den Kaffeeautomaten. Die sind mindestens so schlecht wie die Pappbecher und sollten natürlich auch vermieden werden im Alltag. Zumindest sollte bei diesen klar sein, dass sie aus Kunststoff sind. Auf diese aber näher einzugehen, wäre ein Thema für sich und würde den Post sprengen.

Noch so ein Argument…

Leider gibt es auch immernoch Händler, die die Mehrwegbecher ablehnen und nicht befüllen. „Aus Hygienegründen“ – noch so ein tolles Argument. Der Lebensmittelverband Deutschland hat hierzu ein Merkblatt herausgegeben, auf das man jederzeit nett hinweisen kann. Darin sind der Umgang und die Akzeptanz klar beschrieben. Ich hatte ironischerweise gerade dieses Jahr nicht ein einziges Mal Probleme an der Theke, habe aber auch immer nur den Becher abgegeben und den Deckel selbst aufgesetzt. Voraussetzung ist, dass dein Mehrwegbecher sauber ist.

Immer mehr Händler schließen sich auch Pfandsystemen an. Hier gibt es zum Beispiel Recup oder Faircup. Fragt mal bei eurem Bäcker oder Café nach, ob sie die nicht auch aufnehmen möchten. Funktioniert super, ist umweltfreundlicher und Kundenbindung ist es auch noch z. B. in Verbindung mit Stempelkarte oder Nachlass. Also win-win-win 😉

Verbraucht die Herstellung von Mehrwegbechern nicht mehr Ressourcen?

Ja, das stimmt. ABER, Mehrwegbecher sollen ja auch nicht nach zweimaliger Nutzung entsorgt werden, sonst hießen sie ja nicht Mehrwegbecher. Die Rechnung ist wie bei anderen Pfandsystemen ganz einfach. Je häufiger und länger du deinen Becher benutzt, desto besser deine Bilanz. Laut DUH spart die Wiederbefüllung eines Bechers im Vergleich zur Neuherstellung eines Einwegbechers 430ml Wasser und 0,1 kWh Energie und vermeidet 21g CO2. Ich finde das immer sehr abstrakt und es hört sich nach wenig an. Das gilt aber pro neue Befüllung und wenn man das auf nur 100 Füllungen hochrechnet, sieht es schon anders aus. Aber auch hier kommen “Reuse” und “Refuse” (5Rs zu Zero Waste) wieder ins Spiel. Nur weil es noch hunderte schönere oder bessere zu kaufen gäbe, sollten wir nicht blind losrennen und konsumieren. Verwende deinen Becher so lange bis er irreparabel ist.

Deine Gesundheit ist irreparabel

Und wem das jetzt noch nicht genügend Argumente für Mehrweg und Nachhaltigkeit sind – da gibt es natürlich auch noch den gesundheitlichen Aspekt. Schon mal darüber nachgedacht, dass die PFAS im Becher in die Getränke übergehen und damit von dir aufgenommen werden? Gruseliger Gedanke, der mittlerweile auch bestätigt ist. Diese PFAS können deine Infektanfälligkeit erhöhen, bei Babys für ein geringeres Geburtsgewicht sorgen und setzen sich generell in deinem Körper ab. Am Ende entscheidet aber natürlich jeder selbst, was er seinem Körper und der Umwelt zumuten möchte. 

Alternativen…

Mein erster To Go Becher war von Emsa, das ist aber über zehn Jahre her. Er war komplett dicht, mit Doppelwand und aus Kunststoff, aber ich fand keine richtig verlässlichen Angaben zu den verwendeten Kunststoffen. Das ist heute definitiv anders. Jedenfalls wollte ich ihn deshalb nicht mehr verwenden und habe ich ihn an jemanden weitergegeben, der diese Bedenken nicht teilte. Danach kam ich einige Jahre auch gut ohne einen Becher aus.

Man braucht nicht zwingend einen klassischen Becher. Das funktioniert auch prima mit einer kleinen Passataflasche oder einem klassischen Schraubglas und einem Stoffband drum herum… Mal wieder hilft es, sich im Haushalt umzuschauen und kreativ zu werden. Das nachhaltigste steht bei dir bereits im Schrank.

2014 haben wir auf einer längeren Reise die KeepCup Becher kennengelernt. Damals gab es sie nur aus recyceltem, BPA und BPS-freien Kunststoff und günstig waren sie auch nicht gerade. Trotzdem war das so viel besser, als täglich Einwegbecher zu konsumieren. Beide bunten Becher begleiten uns heute noch, obwohl der größere mittlerweile undicht ist. Ich habe mir daher vor einem Jahr über Ebay Kleinanzeigen einen neuen aus Glas geschenkt und bin begeistert. Spülmaschinenfest, geschmacksneutral und so viel langlebiger und ästhetischer als ein Wegwerfprodukt. Mir ist leider der kleine Deckel oben gebrochen, war aber meine Schuld, die sind nicht empfindlich. Aber sehr cool: KeepCup bietet die meisten Teile einzeln auf der Website an. Sie waren super hilfsbereit und haben mir geholfen, das passende Ersatzteil zu finden. Somit habe ich für eine Investition von 2,50 € meinen Becher repariert.

Daher habe ich sonst auch noch keine anderen Hersteller ausprobiert. Ich denke mittlerweile gibt es hier aber viele tolle Produkte, die genau in deinen Alltag passen. Einen kleinen Leitfaden, wie du bewusstere Konsumentscheidungen treffen kannst, habe ich in einem anderen Beitrag zusammengefasst. Diese 5 Fragen helfen uns sehr in unserem Alltag. wenn wir etwas anschaffen möchten.

Wenn du Empfehlungen hast, dann lass sie gerne in den Kommentaren da, für alle anderen die noch auf der Suche sind. 

Mehr Zeit statt Zeug

Ach ja, etwas Wichtiges zum Schluss, das bei uns im Alltag leider gern vergessen geht:
Wäre es nicht am Schönsten, wenn wir gar keine Mehrwegbecher benötigen würden, weil wir uns einfach Zeit nehmen? Zehn Minuten Zeit, um sich hinzusetzen, aus einer echten Tasse zu trinken und das an einem echten Tisch? Einfach nur genießen? Zeit mit anderen oder einfach nur mit einem selbst. Das wäre doch eigentlich viel schöner, oder nicht? 😉

Ich genieße jetzt auf jeden Fall einen feinen Samstagskaffee in unserer Küche und beobachte den riesigen Buntspecht, der die Meisenknödel vernichtet. 💚

Werbung unbezahlt, da Markennennung
Quellen und weitere Infos: DUH, Umweltbundesamt

5 Tipps für bewussteren Konsum
Nachhaltigkeit

5 Fragen für einen bewussten Konsum

Wir haben bis auf eine Handvoll Ausnahmen seit über 1 ½ Jahren nichts mehr neu gekauft und einen “Neukonsum”-Stopp durchgezogen. Das war am Anfang tatsächlich recht einfach, wurde aber nach einigen Wochen zunehmend schwieriger. Aber, good news, es wurde auch wieder einfacher und je länger man das schafft, desto selbstverständlicher integriert es sich in deinen Alltag. 😉

Mehr Ordnung und ein nachhaltiger, bewusster Konsum

Nachdem ich meinen Kleiderschrank durchging und ausgemistet hatte war mir klar, dass ich nie wieder so ausmisten möchte und muss. Ich habe früher schon einige Male ausgemistet, aber dadurch, dass meine Intention eine andere war, war das Ganze nie wirklich nachhaltig. Da ich mich dieses Mal vorweg für einen bewussten Konsum entschieden habe, wurde und ist alles anders.

Das konnte ich direkt erleben, als ich letzte Woche nochmals meinen Kleiderschrank reduziert und unter die Lupe genommen habe. Da war nichts zu finden, was ich in den letzten Monaten unbewusst, impulsiv oder unnötig gekauft hätte. Ein wunderbares Gefühl…

Ich hoffe, die folgenden Fragen helfen auch dir bewusster zu konsumieren und somit dauerhaft Ordnung zu halten.

Finden Sie Zufriedenheit in dem, was Sie bereits haben.  

Bea Johnson

5 Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du etwas neues anschaffst

  1. Brauche ich es wirklich?
    Überlege dir in Ruhe ob du die Hose, das Glas, die Teller oder Kerzenhalter wirklich brauchst. Wofür brauchst du es? Wo bringst du es unter? Hattest du den Wunsch schon lange oder ist das eher spontan? Lass es erst einmal sacken und schau ob du es morgen oder nächste Woche immernoch unbedingt willst. Wenn du z. B. eine Woche lang nicht dran gedacht hast, brauchst du es in deinem täglichen Leben wohl kaum.  Das bringt uns direkt zum nächsten Punkt.
  2. Werde ich es oft verwenden?
    Wirst du dieses spezielle Kleid oft tragen? Wie oft brauchst du die schicke Tasche, die sowieso kaum etwas passt? Wie häufig brauchst du eine Burger-Presse, eine Fisch-Grillzange oder ein zweites Raclette-Gerät, falls mal mehr Gäste da sind? Ist es etwas Saisonales und kann den Rest des Jahres nicht benutzt werden? Speziell bei Kleidung frage ich mich auch immer ob es gut kombinierbar ist und zu meinem Stil passt. Wenn nicht, dann werde ich es nämlich auch nicht oft tragen (können). 
  3. Habe ich schon etwas Ähnliches? Etwas, was den Zweck auch erfüllt?
    Brauchst du wirklich ein drittes weißes T-Shirt, eine zweite hohe Vase, ein weiteres Dekoglas für Kerzen oder die süßen Servietten für die nächste Party? Gibt es keine anderen Gegenstände, die den Zweck erfüllen? Kannst du dein graues oder schwarzes T-Shirt nicht genauso gut kombinieren wie das weiße und mal ehrlich – wieviele kannst du gleichzeitig tragen? Kein Mensch braucht eine Salatschleuder, wenn er ein Geschirrtuch hat. Genauso sinnlos ist es, zehn Schüsseln in verschiedenen Größen zu besitzen. Ich habe zum Beispiel noch unzählige Papierservietten, Teelichter usw. dass ich mich heute frage ob ich mich überhaupt irgendetwas gefragt habe damals beim Kauf. Schließlich ist das schon über zwei Jahre her. 

    Frust oder Ärger über dich selbst bringt dich hier aber nicht weiter. Versuche lieber kreativ zu sein und über den Tellerrand zu blicken, etwas daraus zu lernen und schlichtweg aufzubrauchen.
  4. Habe ich Platz dafür?
    Ich habe zum Beispiel eine Schwäche für Flohmärkte und antike Möbel. Das Dilemma scheint offensichtlich – wo soll denn noch ein Hocker hin? Es betrifft aber nicht nur größere Dinge wie Möbelstücke. Deine Besteckschublade ist sicher schon voll – und trotzdem möchtest du spezielles Steakbesteck oder Fonduegabeln (wie oft nutzt du sie – siehe oben)? Deine Schüsseln passen gerade so ins Regal und du möchtest trotzdem diese eine tolle? Wo stellst du die hin und wieviele kannst du gleichzeitig benutzen?
  5. Muss es neu sein und wie wurde es produziert?
    Wenn du alles bejahst und es ein sinnvoller Kauf zu sein scheint, dann kaufe zumindest Secondhand. Damit werden keine neuen Ressourcen für die Herstellung verbraucht. Neu kaufen ist bei uns immer die allerletzte Wahl. Zum Beispiel wenn wir es über eine längere Zeit nicht gebraucht oder secondhand finde. Oder es nur neu erhältlich ist. Falls du bisher nicht aus zweiter Hand gekauft hast, wirst du überrascht sein was man alles aus zweiter Hand bekommt und in welch tollem Zustand. Ich kaufe manchmal sogar Dinge wie Lebensmittel in Großgebinden aus zweiter Hand und hatte dabei noch nie ein unangenehmes Erlebnis oder eine negative Überraschung.

Bei Neukäufen achten wir zudem darauf, dass es im Idealfall lokal oder regional erhältlich ist und kleine Unternehmen unterstützt. Falls nicht, dann achten wir auf eine möglichst umweltfreundliche und faire Produktion.

Faustregel bei Neukäufen

Eine Faustregel, die ich ursprünglich nur bei der Kleidung beachtet habe, die sich aber auf alle Bereiche ausgeweitet hat: Kommt etwas rein, muss etwas raus. Wenn ich etwas anschaffe, muss ich mich von etwas anderem trennen. Ganz einfach und eine letzte Hürde zu einem sinnvollem, bewusstem Konsum.

Zero Waste Home

Erste Schritte zu weniger – Ablehnen und Ausmisten

Nachhaltigkeit in deinen Alltag zu bringen ist eigentlich ganz einfach. Es gibt da allerdings ein paar Grundsätze, die ich mir immer wieder vor Augen führe und wichtig sind für alle nachfolgenden Schritte. Damit wirds einfacher, finde ich.

3 wichtige Grundsätze

  1. Was treibt dich an? 
    Der Start findet in deinem Kopf statt. Du möchtest es aus Überzeugung und weißt genau wieso? Prima, dann kannst du es auch. Falls es dir hilft, kannst du es dir irgendwo aufschreiben. Irgendwo, wo es dich regelmäßig daran erinnert, weshalb du das machst und willst. 
  2. Nichts ist nachhaltiger als das was du schon hast.
    Das war für mich am Anfang schwierig zu akzeptieren und ich denke darauf gehe ich in einem separaten Post mal näher ein. Wichtig ist, dass du nicht nervös wirst und dich nicht von einer Scheinwelt „influencen“ lässt. Es ist definitiv nicht nachhaltig, alle deine Aufbewahrungsboxen aus Plastik wegzuwerfen und gegen stylishe Glas- oder Edelstahlboxen mit Deckel einzutauschen, nur weil dir Instagram-Bilder das Gefühl geben, dass es so aussehen muss. 
  3. Es dauert und das muss man akzeptieren.
    Du wirst nicht innerhalb von wenigen Wochen alles umstellen. Das geht nicht, wenn es nachhaltig sein soll. Nachhaltigkeit wird definiert durch Begriffe wie stark, robust und dauerhaft. Was sich über Jahre angehäuft hat, kann nicht in wenigen Wochen komplett verändert und entrümpelt werden. Und dabei meine ich nicht nur Materielles sondern auch die eigenen Denkweisen und Routinen. Es ist ja vor allem auch nicht nachhaltig wie in meinem Fall 200 konventionelle Teelichter in wunderbarer Alu-Hülle wegzuwerfen, nur weil ich sie nie wieder kaufen würde. Genauso steht es um meinen Bestand an Papier-Servietten. Die einfach wegzuwerfen wäre einfach gewesen – aber nicht nachhaltig. Stattdessen bediene ich mich gelegentlich immernoch davon – nicht zuletzt, weil ich aus einem alten T-Shirt Stoffservietten geschnitten habe und wir eigentlich nur noch die benutzen… Ich freue mich einfach auf den Tag, an dem ich kaum mehr welche hab und dieser Korb (Foto oben) nur noch Stoff beinhaltet.

Einer meiner ersten Erkenntnisse war also, das zu akzeptieren und einzusehen, dass ich mein Verhalten ändern muss. Nur so ist es auch wirklich nachhaltig. Danach bin ich wie folgt vorgegangen:

1. Refuse – lerne etwas abzulehnen.

Die 5Rs zu Zero Waste – in der Theorie ganz einfach, aber in der Praxis eine echte Herausforderung. Vor allem der erste Schritt zu “Refuse” war bei mir eine große Umstellung. Und „war“ ist hier wohl etwas übertrieben, ich stecke da noch mittendrin…

Bea Johnson erklärt in Zero Waste Home, dass man sich das am besten so vorstellt. Mit jedem „Ja“ zu einem Kugelschreiber, einem Feuerzeug, einer Tüte, Shampoo aus dem Hotel oder einer Plastikflasche und vielen weiteren „Kleinigkeiten“, generiere ich jedes Mal auch eine Nachfrage. Je weniger ich annehme, desto weniger habe ich dann auch zuhause und desto weniger muss ich entsorgen, ausmisten oder instandhalten.

Das gilt übrigens auch für Werbepost. Wir haben auf unseren Briefkasten „Bitte keine Werbung“ stehen. Wenn sich mal wieder Werbepost oder ein Katalog verirrt, mache ich ein Foto mit dem Handy und schicke meine Bitte per Mail an den Händler. Funktioniert einfach und schnell. So haben wir unser Altpapier um mindestens 50% reduziert. 

2. Reduce – was brauchst du (und kannst du nicht ablehnen)?

Beim Ausmisten und Reduzieren kann man schon mal den Überblick verlieren und es kann einen schnell überfordern im Alltag. Wer hat schon zwei Wochen am Stück Zeit, um sich nur seinen Zimmern und Schränken zu widmen… Daher habe ich jeden Bereich einzeln und teilweise auch nur einen Schrank oder eine Schublade am Abend durchgeschaut. Außer bei Kleidung. da empfehle ich eine Ausnahme zu machen.

Kleidung ist am einfachsten? Ja, klar… 

Nach Marie Kondo startest du bei der Kleidung. Schon hier, in der (laut ihr) einfachsten Kategorie, war ich unsicher. Behalten oder nicht? Bin ich mir sicher? Könnte ja mal passen? Ich habe ja sonst nichts Passendes in lila usw. Hier bin ich total froh, nach ihrem System vorgegangen zu sein. Zum einen um den Anfang zu machen und zum anderen um mir vor Augen zu führen was ich alles (zu viel) hatte.

Zuerst habe ich alle (!) Kleidungsstücke aufs Bett gelegt und den Schrank kurz ausgesaugt und ausgewischt. Danach habe ich Stück für Stück in die Hand genommen. Dabei musst du ehrlich zu dir sein. Ziel ist ja, dass du danach nur noch Stücke hast, in denen du dich wohl fühlst, die dir stehen, dein Stil sind und dir vor allem ein gutes Gefühl geben. Wie gesagt musst du ehrlich sein – wer bist du und nicht „wer wärst du gerne“ lautet die Devise. 

Falls du Netflix hast, kannst du dir auch die Serie von Marie Kondo anschauen. Bedingungslos empfehlen würde ich sie aber nicht. Aber als Inspiration zum Start kann sie durchaus motivieren. Als Faustregel gilt aber: für jedes Stück was nach dem Ausmisten reinkommt, muss eines raus.

Tipps, um besser vorwärts zu kommen:

Ich habe gleich zu Beginn alles, was ich in den letzten vier Wochen getragen habe sowie alle Lieblingssachen rausgesucht. Das war also direkt mal vom Stapel. Zudem hat mir ein „Vielleicht“-Stapel für die schwierigen Teile geholfen. Den habe ich an einem anderen Tag dann nochmals kritisch angeschaut und teilweise auch Dritte nach ihrer Meinung und Einschätzung gefragt.

Ähnlich wie beim Kleiderschrank nur in etwas kleinerem Umfang, bin ich in den anderen Bereichen des Haushalts vorgegangen.

Auf direktem Wege in die Mülltonne…

Jetzt stehst du da vor so vielen Dingen, von denen du dich befreien möchtest. Kleidung, die du nicht mehr trägst, zehn Essteller, zig Schüsseln für die du keine Verwendung mehr hast (vermutlich noch nie hattest…) usw. Nun stellt sich die Frage wohin damit.

Der einfachste Weg wäre ab in die Mülltonne und den Altkleidercontainer. Beide Themen – Restmüll und Altkleider – wären separate Posts und würden diesen hier noch länger machen. Meine Meinung dazu: Bitte bitte nicht in die Mülltonne oder den Kleidercontainer, solange etwas reparabel ist. Stattdessen bieten sich Secondhand-Plattformen, Wohltätigkeitsorganisationen oder der Freundes- und Bekanntenkreis an.

Second Hand Plattformen

Secondhand-Plattformen boomen aktuell und können dir immerhin einen kleinen Verdienst einbringen (natürlich sehr individuell). Allerdings besteht hier auch der große Nachteil, dass die Dinge, die du eigentlich loswerden möchtest, weiterhin in deinem Leben sind. Einfach in einem anderen Raum. Vom Platzbedarf mal abgesehen. Kleidung hat bisher gut funktioniert bei mir, beim Rest kommt es sehr darauf an. Erwarte einfach nicht, dass billig produzierte Dinge viel Geld einbringen.

Verschenken an Freunde und Bekannte

Bei letzterem war ich auch sehr vorsichtig und habe das nur bei Dingen gemacht, bei denen ich ein gutes Gefühl hatte. Schließlich merkst du immer mehr, wieviel alle um einen herum besitzen. Da will man teilweise also nicht noch mehr Ballast in die Haushalte und Kleiderschränke bringen.

Spenden an wohltätige Einrichtungen

Das schönste und erfüllteste Gefühl ist für mich eindeutig die zweite Option – das Spenden. Ich habe damit relativ spät erst angefangen und zuvor versucht alles zu verkaufen. Genau aus den obigen Gründen, war das zwar ein kleiner Verdienst aber auch belastend. Unser ganzes Arbeitszimmer stand zeitweise voll mit ausgemisteten Dingen. Mittlerweile hat sich das gewandelt und ich habe das meiste an Haushaltsgegenständen gespendet statt verkauft. Man tut etwas Gutes, es ist nachhaltig und das Gefühl ist mit Abstand das tollste.

Ich habe übrigens immernoch zwei Zimmer, in denen ich noch nicht wirklich reduziert habe. Und trotzdem haben die bisherigen Entscheidungen und Erfolge schon so viel verändert.

Reduzieren macht dir nochmals deine aktuellen Kauf- und Konsumgewohnheiten bewusst. Es verhilft dir zu mehr nachhaltigen Gewohnheiten und einem echten Umdenken. Zudem macht es glücklich und du sparst bares Geld.

Nachhaltigkeit

Der Moment?

Einen alles verändernden Moment, den hat es bei mir nicht wirklich gegeben. Das war mehr ein schleichender Prozess, denke ich. Wie bei Über mich kurz erwähnt, wurden meine Schwester und ich sehr bewusst und naturnah erzogen. Müll- und vor allem Plastikvermeidung waren trotzdem lange Zeit kein so grosses Thema bei uns zuhause. Als ich dann 2010 den Garten meiner Mama übernommen habe, war ich immer wieder erstaunt darüber, wieviel Plastik ich in diesem vermeintlich unberührten Fleckchen Erde – hinter dem Bauernhaus meiner Grosseltern – finde. Auf dem Gras, in Büschen, in der Erde usw. Nur kleine Teile, aber sie waren da. Es hat damals allerdings nicht bewusst klick gemacht und plötzlich war alles anders. Das wünsche ich mir zwar rückblickend, aber das war mir irgendwie nicht so klar damals. Dennoch hat sich unbewusst etwas in mir in Gang gesetzt. Das brauchte einfach einige Jahre, Erlebnisse und Erfahrungen.

Entscheidend ist nicht wie lange du nichts gemacht hast, sondern dass du jetzt etwas tust.

unbekannt

Grössere Veränderungen gab es dann in den letzten Jahren, als ich immer mehr feststellte, dass ich nicht viel brauche um glücklich zu sein. Vermeintlicher Luxus und Komfort waren mir immer weniger wichtig, stattdessen ging ich einfach campen – vorher undenkbar…

Daher möchte ich allen Mut machen, die wie ich rückblickend manchmal einfach nur traurig sind oder sich schämen für ihr früheres, ignorantes Verhalten. Wie oft habe ich mich geschämt, dass ich so einfache Dinge wie eine Zahnbürste aus Holz, Stoffbeutel zum Einkaufen oder auch eine Periodentasse nicht schon viel früher in mein Leben integriert habe. Dass ich eingekauft habe, als ob es nirgends auf der Welt ein Plastikproblem oder Ausbeutung gäbe. Wenn ich nur daran denke, wie viel ich konsumiert habe – wie viele negative Dinge, Strukturen und Unternehmen ich damit begünstigt habe… Die Liste scheint endlos und genau hier muss man stoppen. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, aber ich kann daraus lernen und sie akzeptieren bzw. jetzt umso mehr machen. Wichtig für mich ist, dass ich es jetzt tue und immer wieder versuche unseren Alltag noch grüner, achtsamer und einfach nachhaltiger zu gestalten. 

Jetzt etwas tun, können wir alle – und ich freue mich so, dass du hier bist und das liest. 

PS: Vielleicht möchtest du erstmal mehr wissen über Zero Waste? Mir ging es damals so und ich habe die „Zero Waste Bibel“ – Zero Waste Home von Bea Johnson. Das war für mich eine ideale Begleitung, Motivation und Inspiration. Deshalb habe ich dazu auch eine kurze Buchempfehlung geschrieben, für alle die sich überlegen es zu leihen oder zu kaufen.