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5 Recycling-Mythen zu Altglas, Papier, Plastik & Co.

Recycling – logo, weiß ich Bescheid: Alles aus Plastik kommt in die gelbe Tonne, alles aus Papier in die blaue. Küchenabfälle können in die braune Tonne, alles Glas kann in den Altglas-Container und alles andere in den Restmüll. Ist doch ganz einfach, oder nicht?

Alleine unser vielfältiges System zur Mülltrennung lässt vermuten, dass es etwas komplexer ist, als wir zuerst annehmen. Wir denken immer, wir sind Meister in der Mülltrennung und im Recycling, dabei sind wir eher Meister im Produzieren von Müll – Tendenz steigend. 2017 haben wir im Schnitt 226,5 Kg Müll aus Verpackungen produziert – jeder einzelne von uns. Und wenn diese auch noch falsch getrennt oder entsorgt werden, dann ist das doppelt schlecht. Fehlwürfe schaden dem ganzen System sogar mehr, als die Trennung nützt. Damit das weniger häufig passiert, schauen wir uns fünf der verbreitesten Mythen zur Mülltrennung an. 

1. Altglas – die Glasfarben werden sowieso vermischt bei der Abholung.

Hast du so eine Entleerung auch schon einmal beobachtet? Da kommt man schon auf den Gedanken, dass das alles in einen Anhänger oder Container kommt. Aber das ist Quatsch. In der Vogelperspektive ist es klar; der LKW-Anhänger ist unterteilt in Kammern und die Container werden jeweils über der entsprechenden Kammer entleert. So werden die einzelnen Farben schon vorsortiert eingeliefert. Vor Ort durchläuft das Ganze dann auch nochmals einige Stellen, an denen falsche Scherben entsprechend umsortiert werden. Die Deckel der Behälter kannst du übrigens in der gelben Tonne entsorgen und Korken zum Beispiel an Sammelstellen wie z.B. bei Alnatura abgeben. So bleibt soviel wie möglich im Kreislauf und ist bereits vorgetrennt.

Altglas von Nahem
Altglas soll wie Plastik entleert, löffelrein aber nicht sauber gespült eingeworfen werden.

Was allerdings nicht in die Glascontainer darf sind außer Keramik und Porzellan:

  • Trinkgläser, Karaffen etc. 
  • Blei- und Kristallglas (oft in Vasen, alten Gläsern etc.)
  • Glühbirnen
  • Zerbrochene Spiegel oder Fensterscheiben

Übrigens: kaum ein Material lässt sich so gut recyceln wie Glas. Vorausgesetzt, das Glas ist gut sortiert. Denn aus bunt gemischtem Glas wird beispielsweise kein Weißglas mehr hergestellt und dafür reichen schon wenige farbige Scherben…

2. In den Gelben Sack kommt nur Plastik.

In die gelbe Tonne bzw. den gelben Sack kann viel mehr als nur Plastik und gleichzeitig nicht alles aus Plastik. Grundsätzlich können die meisten Verpackungen aus Kunststoff

Metall und Verbundmaterialien in den gelben Sack wie z. B. 

  • Tuben von Cremes, Zahnpasta etc.
  • Spülmittelflaschen
  • Arzneimittelbehälter (leere Behälter und Blister)
  • Getränkekartons
  • Alufolie und Aluminium
  • Weißblech (z. B. Konservendosen) und Deckel
  • Suppentüten etc. 

Grundsätzlich kann man sich merken, dass alle Verpackungen, die nicht aus Papier, Glas, Keramik oder Porzellan sind, in den gelben Sack gehören. Mit ein paar Ausnahmen: 

  • Blech
  • CDs/DVDs
  • Feuerzeuge
  • Mundschutz
  • Zeltteile oder Altkleider aus/mit Kunststoffanteil
  • Kugelschreiber
  • Styropor
  • Plastikeimer
  • Kaputte Töpfe und Pfannen
  • Windeln und Hygieneartikel

Ganz schön verrückt – bei wievielen Dingen hast du gerade erstaunt geschaut? Es ist absoluter Wahnsinn wie vermeintlich einfach unser Recycling-System funktioniert aber gleichzeitig wie viel Wissen man doch benötigt, um wirklich umweltfreundlich zu recyceln. 

Noch ein Mythos zum gelben Sack:

Joghurtbecher & Co. müssen blitzeblank sauber sein. Es ist umweltfreundlicher, wenn diese Behälter „löffelrein“ abgegeben werden und nicht vorgespült sind. Noch volle oder halbvolle Becher dürfen natürlich nicht in den gelben Sack – löffelrein soll es sein.

3. Papier- und Biotüten sind umweltfreundlicher als Plastiktüten.

Zuerst: alle drei sind Einwegprodukte und sollten den Weg in unseren Haushalt also gar nicht mehr finden. Also ganz egal ob Papier-, Bio oder Plastik – alle verbrauchen Ressourcen. Und das dafür, nur ein Mal oder nur wenige Male von uns benutzt zu werden. Es sind also alles Dinge, die wir grundsätzlich vermeiden sollten.

Papiertüten

Da Papiertüten das Gewicht der Einkäufe meistens nicht aushalten würden, sind sie dicker produziert bzw. werden frische Fasern benötigt, die länger sind, um die kürzeren recycelten Fasern zusammenzuhalten. Oder chemische Klebstoffe, wenn überhaupt Altpapier eingesetzt wird – braune Tüten enthalten nämlich nicht zwingend Altpapier… So oder so bedeutet das mehr Ressourcenaufwand. Neben dem Rohstoff mehr Energie und Wasser für die Produktion als bei der Plastikvariante. 

Biotüten

Aber auch Biotüten schneiden im Vergleich zu Plastiktüten nicht besser ab hierbei. Sie bestehen aus Mais oder anderen Nutzpflanzen, die in diesen Massen oft nicht bei uns angebaut werden. Zusätzlich zur Verschiffung kommt dann noch der Einsatz von Chemie und Pestiziden. Und am Ende hat man dann diese Biotüte, die zudem auch nicht so richtig kompostierbar ist. Wer mal eine dieser Tüten auf dem eigenen Kompost entsorgt hat, weiß genau, was ich meine. Bei uns verstopfen und blockieren sie übrigens sogar die Sortiermaschinen, die die Abfälle der braunen Tonne / Biotonne auseinandernehmen. Das heißt, sie werden meist aussortiert (kostet mehr) und dann letztendlich mit dem Restmüll verbrannt. Ökologisch ist anders.

Abgesehen von der Zersetzung, sind diese beiden Varianten also nicht wirklich eine bessere Wahl für unsere Umwelt als Plastiktüten – schon etwas verrückt, oder? 

Wie zu Beginn schon kurz erwähnt, zeigt sich einmal mehr: 

Lass die Finger von Einwegprodukten und greife zu lange wiederverwendbaren Alternativen und vor allem Dinge, die du sowieso schon hast, wie z. B. deinen Rucksack oder (Einkaufs-)Korb – fair und/oder regional oder Second Hand versteht sich. #nutzewasduhast

4. Alles aus Papier kann in die blaue Tonne. 

Fast richtig, aber eben doch nicht so ganz. Grundsätzlich lässt sich Papier bei uns sehr gut recyceln. Schwierig für die Verwertungsanlagen wird es nur dann, wenn wir sogenannte Fehlwürfe tätigen. 

Zerknülltes Papier
Sauberes und trockenes Papier darf in die blaue Tonne.

Daher gehören folgende Dinge nicht in die blaue Tonne:

  • Kassenzettel, Tickets usw.
  • Papierverpackungen mit Lebensmittelresten (z. B. Pizzakartons)
  • Backpapier (ist meistens mit Teflon beschichtet)
  • Auch kein anderweitig beschichtetes Papier wie Fotos, Tapeten, Getränkekartons
  • Kosmetik-, Taschen- oder Küchentücher
  • Briefumschläge mit Fenster, Aufkleber etc.

Als Faustregel gilt: grüner Punkt oder blauer Engel auf der Papierverpackung, dann darf es in die blaue Tonne. Da Altpapier in der Qualität aber nie an frisch produziertes Papier rankommt, gilt: spare an Papier, wo du nur kannst. 

5. Mülltrennung ist unnötig, weil sowieso alles verbrannt wird.

Natürlich absoluter Quatsch und unlogisch. Je sauberer wir den Müll vorab trennen, desto besser unterstützen wir den Kreislauf. Die Deutsche Umwelthilfe bestätigt, dass Mülltrennung besser für die Umwelt ist, als wenn wir alles vermischt im Restmüll entsorgen. 

Die DUH schätzt übrigens, dass die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen bei ca. 38% liegt. Das ist nicht sonderlich viel, wenn man sich mal danach fragt, was mit den anderen 62% passiert. Es ist aber immerhin etwas und ein wichtiger Anteil, um die Ressourcen zu schonen und die vorhandenen im Kreislauf zu behalten. 

Und wieso genau ist das Trennen wichtig?

Damit gute Recyclate hergestellt werden können, muss alles möglichst sauber und nicht zusammengepresst sein. Was verpresst und damit auch verschmutzt ist, ist grundsätzlich schwieriger zu trennen. Wenn wir Essensreste und Joghurtbecher beispielsweise in den Restmüll werfen, wird beides noch im Müllwagen zusammengepresst und die Becher verschmutzt. Glas würde die Trennung auch erschweren, weil es, um bei den Joghurtbechern zu bleiben, diese zerstören und zusammendrücken würde. Papier muss für die Wiederverwertung aus ökonomischem und ökologischem Aspekt trocken und sauber sein.

Zudem sind wir – machen wir es richtig – besser als die Maschinen in den Anlagen. Wir trennen mit Verstand und Wissen und nicht nur aufgrund eines oder zwei Attributen wie z. B. Farbe oder Gewicht. Nur wenn wir trennen, kann überhaupt recycelt werden.

Wie immer gilt bei allen obigen Punkten die Devise:
Konsumiere bewusst und überlege dir beim nächsten Kauf genau ob du das wirklich brauchst. Möchtest du dieses Produkt bzw. dann irgendwann diesen Abfall wirklich mitnehmen? Das ist deine Entscheidung und wie wir wissen bestimmst du mit, welche Produkte künftig angeboten werden.

Praktische Hilfen im Alltag

Es ist nicht immer einfach und mit unserem Wohnstand verliert man gerne mal den Fokus. Wir haben daher einige praktische Tipps und Übungen im Alltag integriert, die hilfreich sind für uns. Wie oft haben wir früher gedacht „Na wir produzieren wirklich nicht viel Müll…“ oder „Die paar Plastikverpackungen im gelben Sack, da müssen andere schon mehr aufpassen, als wir…“

Letztendlich haben wir die Erfahrung gemacht, dass es immer mehr ist, als wir annehmen. Eigentlich logisch, denn wir alle neigen dazu uns unsere Gewohnheiten und Abläufe schön zu reden und mit anderen zu vergleichen. Vergleichen ist ja nicht zwingend schlecht, es kann auch anspornen. Trotzdem mussten wir für uns Fakten schaffen, um das etwas objektiver sehen zu können.

  • Prüfe alles mit Verpackung in deinem Haushalt
    Fange an, deine Schränke zu prüfen. Schau was aktuell noch verpackt bei dir ist und wo du Verpackung einsparen kannst. Egal welche Art von Verpackung. Stichwort Refuse.

    Bei mir wurde das zuerst fast wie eine Sucht, dann ein Spiel und mittlerweile ist es fast schon Gewohnheit. Total schön, wenn ich zurückblicke und aufschreibe, jetzt.
  • Schaffe Fakten für deinen(!) Haushalt. 
    Notiere dir z. B. wann dein gelber Sack voll ist. Ich habe in der Küche einen Kalender hängen, in den ich eintrage, wann ich einen vollen gelben Sack in die Garage bringe.

    Wir sind aktuell zwei Erwachsene und hatten letztes Jahr neun gelbe Säcke. Keine Ahnung ob das viel oder wenig ist für zwei Personen. Was für mich wichtig war, was dass es deutlich weniger waren als im Jahr davor. Und was ich auch weiß: da ist noch viel Luft nach oben.

    Leider müssen wir uns in diesem Jahr deutlich mehr anstrengen, weil wir von einem der Hochbeete im Garten die Noppenfolie entsorgt haben beim Erneuern der Wände. Das heißt, wir haben einen ganzen gelben Sack nur mit dieser Folie gefüllt. Der schlägt sich natürlich auf die Bilanz. Mal schauen, was das Jahr noch bringt – ich bin fest entschlossen. Dabei hilft übrigens auch der nächste Punkt.
  • Zerlege von Zeit zu Zeit deine Abfälle – Müll-Scanning.
    Egal ob gelber Sack oder Restmüll. Zieh dir wiederverwendbare Handschuhe an, lege etwas Zeitungspapier aus oder nutze den Fliesenboden. Nimm Stück für Stück aus deinem Müll heraus und lege es hin. Mache ein Foto oder führe Buch darüber, was du vorfindest.

    Überlege dir, wie du die einzelnen Verpackungen vermeiden könntest und wieso sie da sind. Ganz oft sind Muster erkennbar und genau daraus kannst du lernen. Ich habe beispielsweise festgestellt, dass ich mich zu oft zu Spontankäufen verleiten lasse. Da einen Riegel, da noch ein Schnäppchen…
  • Sei immer vorbereitet, um Verpackung einzusparen…
    Wenn du nicht zu den super organisierten Personen gehörst, was das Einkaufen betrifft, dann hilft dir das vielleicht auch. Du schaffst dir eine ideale Umgebung für deine fehlende Organisation.

    Ich habe eine Stofftasche und zwei To Go Behälter für Essen (aussortierte Kunststoffbehälter, die ich nicht mehr täglich nutzen wollte) im Kofferraum, eine Einkaufstasche mit Stoffbeuteln in der Handtasche und zwei Taschen bei meinem Mann im Auto. Esse ich mal irgendwo im Restaurant mein Essen nicht oder es bleiben Reste, dann habe ich was dabei und brauche nichts neu produziertes (und meist nicht gut wiederverwendbares) vom Restaurant. Vergesse ich zum tausendsten Mal das Leergut, habe ich immerhin eine Tasche und Beutel für einen Basis-Einkauf dabei. 

    Wenn du auch aus Stoffresten Wachstücher gemacht hast und genügend hast, lege dir auch davon eines in die Handtasche. Du wirst staunen, wie praktisch das ist für unterwegs. Du sparst dir Bäckertüten, Alufolie, Frischhaltefolie, Tüten usw. Das Gleiche gilt für Besteck und Stoffservietten.

Viel einfacher als Recycling, oder nicht? 😉

Es gibt noch einige weitere Mythen, die hier aber leider den Rahmen sprengen. Man könnte noch lange über jeden einzelnen Irrglauben hier schreiben, aber es ging mir mehr darum, einen groben Überblick und mehr Achtsamkeit zu schaffen. Dich anzuregen auch selbst etwas kurz vorab zu recherchieren, bevor du kaufst oder entsorgst. Welchen Recycling-Mythen bist du schon begegnet oder was für Irrglauben hast du schon gehört und gelesen zum Mülltrennen? Es gibt noch so viele weitere…

Quellen:
Nabu
Welt