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Narzissen in Glasvase
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Kritik an konventionellen Schnittblumen – wieso wir genau hinsehen müssen.

Wer findet das nicht schön, wenn man frische Blumen auf dem Esstisch oder im Eingangsbereich hat – insbesondere nach dem Winter freut man sich so sehr auf die ersten Blumen. Da kommen die vielen Tulpen an der Kasse doch gerade richtig. Teuer sind sie auch nicht und die Qual der Wahl hat man höchstens bei der Farbe. Ganz so einfach ist das aber bezüglich Anbau, verwendeten Chemikalien oder der Herkunft der Blumen nicht.

Was ist denn so schlimm am Anbau konventioneller Schnittblumen?

Es gibt nicht nur einen, sondern zahlreiche Gründe, um auf konventionell angebaute Pflanzen zu verzichten. Bei der Information wie auch beim Anbau herrscht bei diesem Thema noch großer Nachholbedarf.

  • Viele der Blumen reisen mit dem Flugzeug an. Gerade Rosen werden viel in Afrika, genauer in Kenia angebaut. Nelken sind auch sehr beliebte Blumen bei uns. Die stammen hauptsächlich aus Kolumbien, Südamerika. Die weite Reise überstehen die Blumen meist nur u. a. durch eine durchgängige Kühlung und entsprechende Vorbehandlung.
  • Nicht nur importierte Blumen hinterlassen einen großen CO2-Fußabdruck. Auch bei uns in Deutschland oder in angrenzenden Ländern angebaute Blumen schaden dem Klima. Beheizte Gewächshäuser und ein hoher Wasserbedarf schlagen hier zu Buche. Der gekühlte Transport fällt natürlich auch aus den Niederlanden nach Süddeutschland nicht weg – die Wege sind teilweise ja sogar länger als aus anderen Teilen Europas … Das täuscht leider oft, denn letztendlich kommt es darauf an, wie die Pflanzen angebaut sind und woher z. B. das Wasser stammt, das in großen Mengen benötigt wird.
  • Aber ganz egal wo: ohne Pestizide, chemische Schutzmittel, synthetische Düngemittel & Co. geht da gar nichts. Wir Konsumenten möchten zu jeder Jahreszeit vollkommene Blumen und akzeptieren wie beim Gemüse keine Abweichungen von der „Norm“.  Und jetzt mal ganz ehrlich – möchtest du an Rosen riechen, die über ihr gesamtes Wachstum mit schädlichen Pestiziden behandelt wurden? Mhhhm – direkt über die Nase in deinen Körper. Also das ist sicher gesund, oder was denkst du?
  • Abgesehen von den Giftstoffen ist der Wasserbedarf in südlicheren Ländern ein großes Problem. Leider genau wie das Abwasser, das gemeinsam mit den Pestiziden für vergiftete Böden sorgt. Der WWF berichtet, dass das Abwasser samt Giftstoffen ungefiltert in die Natur gelangt. Es gibt hier weder Kontrollen noch technische 
  • Unfaire Arbeitsbedingungen. In südlicheren Ländern ist Kinderarbeit noch immer an der Tagesordnung. Dazu kommen schlechte Arbeitsbedingungen auf den Blumenfeldern, fehlende Sicherheit z. B. im Umgang mit den Geräten oder fehlende Sozialleistungen und viel zu niedrige Löhne. Das alles um die Margen so hoch wie möglich zu halten und den Preis niedrig. Damit wir letztendlich an der Kasse zugreifen. 
Narzissen im Detail

Pestizide müssen nunmal sein?

Absoluter Quatsch. Pestizide werden eingesetzt, weil wir gegen die Natur, das ganze Jahr das komplette Angebot an perfekten Blumen möchten. Und dieser Satz alleine, widerspiegelt schon das Dilemma. Hier verstecken sich gleich drei Probleme: 

  1. Gegen die Natur
    Die Natur regelt an sich alles und ist perfekt auf alles abgestimmt. Wenn wir das stören, sind Hilfsmittel nötig. Das heißt, wenn Pestizide nötig sind dann werden die Blumen entweder falsch angebaut, erhalten nicht die richtigen oder genügend Nährstoffe, sind überzüchtet etc. Es gibt noch viele weitere Gründe für die vermeintliche Notwendigkeit von Pestiziden oder den Einsatz von Chemie. Alle sind hausgemacht und entstehen nur, weil das Ganze nicht seinem natürlichen Lauf nachgehen kann.
  2. Das ganze Jahr
    Tulpen im Dezember, Narzissen (Osterglocken) im Februar, Pfingstrosen von April bis September? Das ist exakt das Gleiche, wie wenn wir Orangen im Juni kaufen und Erdbeeren im November. Nur, dass bei Erdbeeren im November alle aufschreien, weil das ja sowas von nicht saisonal ist. Den meisten von uns ist das sehr wohl bewusst, aber zum Strauß Tulpen an der Kasse, macht sich kaum einer Gedanken.
  3. „Perfekte“ Blumen
    Der Einsatz von synthetischen Düngern, chemischen Schutzmittel und Pestiziden ermöglicht, eine perfekte Blume vom Stiel bis zu den Blüten.

    Meistens beziehen wir „perfekt“ auf das Aussehen, aber manchmal betrifft das auch Eigenschaften. So gibt es mittlerweile Züchtungen, die pollenfrei sind. Das heißt es gibt keine „lästigen“ Pollenflecken mehr auf Kleidung und Tischdecke. Oder Rosen, die längere Stiele haben und weniger duften, da das entweichende Etyhlengas sie schneller verblühen lässt. In die andere Richtung gibt es auch chemische Hemmstoffe, die dafür sorgen, dass die Pflanzen klein und kompakt bleiben. Beides absolut gegen die Natur. Gegen alles was für den Kreislauf des Wachstums steht. Unverständlich, aber hier bestimmt mal wieder die Nachfrage das Angebot. Buying is voting…

Somit muss uns allen klar sein, dass Pestizide nicht nötig wären, wenn wir bewusst und im Einklang mit der Natur und deren Abläufen konsumieren. Wie bei Gemüse und Obst, gilt das eben auch für alle anderen Pflanzen.

Faire Siegel für Blumen

Wenn du trotzdem nicht auf konventionelle Blumen verzichten möchtest, dann achte zumindest auf faire Siegel. 

Fair Flowers Fair Plants – FFFP

fairflowersfairplants.com

Dieses Siegel aus den Niederlanden kennzeichnet u. a. Blumen und Pflanzen, die unter Einhaltung einiger ökologischer und sozialer Kriterien gezüchtet werden.

Das heißt, hier spielen nicht nur der Einsatz von z. B. sehr giftigen Pestiziden, weniger Düngemittel usw. eine Rolle, sondern auch der Ressourcenverbrauch und der ethische Aspekt wie Kinderarbeit und eine faire Entlohnung.

Wie auch beim Bio-Siegel verspricht dieses Siegel zwar nachhaltigere Pflanzen, da ist allerdings noch viel Luft nach oben. Blumen aus kontrolliert biologischem Anbau sind sicher deutlich nachhaltiger als diese Siegel-Zertifizierung verspricht. 

Fairtrade

fairtrade-deutschland.com

Das wohl bekannteste Siegel, das mindestens durch Schokolade und Kaffee seit einzigen Jahrzehnten bekannt ist. Es garantiert – wie bei den Lebensmitteln auch – zumindest einen Mindeststandard was faire Arbeitsbedingungen und Sicherheiten vor Ort angeht. Zudem verbietet es strikt Kinderarbeit. Beim Fairtrade-Siegel ist das Thema Nachhaltigkeit leider nur ganz schwach geregelt. Sogenannte „strenge Umweltregeln“ verbieten zwar immerhin ein paar hochgiftige Pestizide und es fördert den ökologischen Anbau. Allerdings gibt es keine exakten Bestimmungen und Regelungen, die weitergehen und den gesamten Prozess wirklich nachhaltig gestalten.

Auf der Internetseite des Siegels gibt es einen Einkaufsfinder, über den du Geschäfte in der Nähe finden kannst, mit Fairtrade-Blumen im Angebot.

Der CO2-Fußabdruck kann zwar durch diese Zertifizierungen verringert werden, er ist aber immernoch zu hoch, um das Ganze als alltägliche Massenware zu betrachten. Ich kaufe mir ja auch nicht jede Woche einen Granatapfel, Avocados oder eine Papaya – um das mal in ein Verhältnis zu setzen. Wenn wir hier sehr bewusst konsumieren, das heißt uns über die Konsequenzen im Klaren sind, dann geht das gar nicht anders. Wir müssten darauf so stark verzichten, dass es wieder etwas Besonderes ist. 

Das heißt also nie wieder Blumen auf dem Esstisch, im Flur oder als Mitbringsel? 😲

Naja, ganz so schlimm ist das nicht, es gibt viele Alternativen, die Mensch und Natur weniger bis gar nicht schaden. Hier etwas zusammengefasst: 

🌻 Bei deinem Floristen und auf dem Markt kritisch nachfragen, woher die Blumen kommen. Wie wurden sie angebaut? Wer hat sie gepflückt? Unter fairen Standards? Wurde Chemie eingesetzt? Welchen Transportweg haben sie hinter sich? Freiland oder Gewächshaus? Und falls Letzteres – wie wurde das beheizt? Bewusst kaufen.

🌻 Wie beim Gemüse und Obst gibt es auch bei den Blumen eine Saison. Wer unbedingt im August Pfingstrosen und im Februar Osterglocken (eine einfachere Eselsbrücke geht dank den Namen ja kaum) kaufen möchte, dem muss klar sein, dass das gerade nicht die richtige Saison dafür ist. Das entspricht dem einfachen Beispiel Erdbeeren im November…

🌻 Bei Blumenfeldern ist die Saisonalität hingegen gegeben. Bei uns sind die weder unter Folien noch in beheizten Gewächshäusern und werden von ansässigen Familien gepflegt. Aber auch hier besser einmal mehr nachfragen. Auch eine lokale Bauernfamilie oder dein Nachbar kann Pestizide, Herbizide usw. einsetzen. Ich möchte das auch nicht super lokal unterstützen.

🌻 Biozertifizierte Pflanzen kommen komplett ohne chemische Pflanzenschutzmittel, synthetische Düngemittel, Herbizide und Gentechnik aus. Auch dem Thema Torf wird hier Beachtung geschenkt, da für den Anbau konventioneller Pflanzen oft torfreiche Erde verwendet wird. Ich achte jedoch auch bei diesem Thema darauf, dass diese offiziell zertifiziert sind, also aus einem kontrolliert biologischen Anbau stammen. Einzeln verwendete Begriffe wie „kontrollierter Anbau“, „naturnah“, „mit der Natur“ usw. können dabei irreführend sein. Es lohnt sich genau hinzuschauen. 

🌻 Trockenblumen – es gibt so wunderschöne Blumen, in denen sich der Sommer quasi etwas konservieren lässt, für die dunkleren Wintermonate und darüber hinaus. Ein Trockenblumenstrauß kann genauso schön und frisch wirken auf deinem Esstisch, wie ein Bund Tulpen, der da im November oder Dezember nichts zu suchen hat. Nein, er wirkt sogar noch schöner. Denn wenn er aus der Region stammt und langsam, achtsam oder biodynamisch angebaut wurde, dann wüsste ich keinen Grund für einen Bund konventionelle Rosen oder Tulpen, die viel Leid und Schaden angerichtet haben. 

Am besten: konsumiere ganz bewusst.

Ich kaufe, wenn dann SlowFlowers wie zum Beispiel die Narzissen und Tulpen auf den Fotos, von Wildling Blumen bei uns in der Region. 

Hast du schon einmal von SlowFlowers gehört? Wie beim Essen Slowfood oder bei der Mode Slowfashion, gibt es auch hier eine tolle aber vergleichsweise weniger bekannte Bewegung, die sich für Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit im Anbau von Schnittblumen einsetzt. 
Den Mitgliedern der Slowflower-Bewegung liegt unsere Umwelt und ein bewusster Konsum am Herzen. Mehr Infos zur Bewegung und deinem nächsten Slowflower-Anbieter findest du hier.

Überlege dir beim nächsten Besuch im Baumarkt, Gartencenter oder Supermarkt ganz einfach: Will ich die Welt wirklich ärmer machen mit meinem Kauf? Möchte ich Mensch, Natur und Tieren schaden mit meinem Kauf – zum Beispiel einem Strauß in Pestizidnebel angebauten Tulpen, der vielleicht zwei Wochen hält? Oder suche ich eine bewusste Alternative und leiste meinen Beitrag mit einem nachhaltigen Prozess, der weder Mensch noch Umwelt schadet.

Ich glaube, da gibt es nur eine Antwort, oder?

PS: Falls dich ein bewusster Konsum interessiert, findest du hier übrigens einen Blogbeitrag mit hilfreichen Tipps wie auch du es schaffst, bewusster zu konsumieren.

Quellen: 
Handelsblatt
Zeit
WWF

Werbung, unbezahlt