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Behältnisse für den Zero Waste Einkauf
Zero Waste Home

Zero Waste einkaufen – ganz einfach

Nicht jeder hat den Luxus eines Unverpackt-Ladens in der Nähe. Es wäre zwar toll, aber nicht zwingend notwendig. Wir haben auch erst seit Juni 2020 einen solchen bei uns in der Nähe und mussten uns vorher anders behelfen. Wo ein Wille ist, ist ein Weg und mit ein wenig Improvisation kann man auch ohne Unverpackt-Laden vor Ort deutlich verpackungsreduziert einkaufen.

Zum einen findest du unverpacktes Obst und Gemüse beim nächsten Bio-Bauernhof oder auf dem Markt. Hülsenfrüchte, Nüsse, getrocknete Früchte, Gewürze usw. bekommst du da teilweise auch oder in arabischen Supermärkten. Gewürze sind je nachdem auch in einigen Reformhäusern und diesen „Teeläden“ erhältlich.

Zudem gibt es einige Onlineshops, bei denen man weitgehend unverpackt bestellen kann. Plastikfrei sind die besseren auf jeden Fall alle und Großgebinde in Verpackungen kaufen, spart ja einiges an Abfall. Große Papiertüten von Mehl und Pasta können zudem weiterverwendet werden, zum Beispiel als Müllbeutel oder für Papier im Arbeitszimmer.

Was bringt mir das?

Neben all den Bergen an Abfall und Plastikmüll überall auf der Welt bringt das viele ganz persönliche Vorteile mit sich. Seit ich mir mehr Gedanken zu unseren Einkäufen mache, spare ich Geld und viel Zeit. Geld, weil ich möglichst immer mit Liste losgehe und mir erlaube weniger Verpacktes zu kaufen und Zeit spare ich vor allem, weil ich nicht mehr jeden zweiten Tag in den Supermarkt rennen muss.

Wenn man alle seine „Erledigungs-Wege“ clever organisiert, ist es super leicht hier effizienter zu werden. Ich kaufe in der Regel nur noch alle zehn bis 14 Tage ein und wir haben immer frisches Obst und Gemüse da. Im Notfall frieren wir ein, wenn wir es doch nicht schaffen, es frisch zu essen. Aber wegwerfen müssen wir so gut wie nichts mehr. Mit einer Bestandsaufnahme am Anfang und einem Überblick über das, was du wirklich isst und damit regelmäßig verbrauchst, brauchst du zudem weniger Platz. Daher empfehle ich immer, erst einmal die Vorräte zu plündern – und zwar so richtig.

Wir haben während des „Hamster-Wahns“ im letzten Jahr einfach das Gegenteil gemacht und nur noch das nötigste, also Frisches, eingekauft. Alles andere haben wir im Sinne einer #eatupchallenge aufgebraucht. Macht tatsächlich Spaß und bringt einige Aha-Effekte mit sich…

Was brauche ich dazu?

In einem klassischen Unverpackt-Laden brauchst du lediglich Behälter und etwas, um alles nachhause zu tragen. Dazu musst du auch überhaupt nichts Neues kaufen, denn du hast sicher genug zuhause… Zum Beispiel eignen sich alle Arten von Aufbewahrungsdosen aus Kunststoff, Blech oder Karton, Papiertüten, Stoffbeutel oder Gläser. Bei den Gläsern können das Schnapp-Gläser, Schraubgläser oder auch einfach Flaschen sein. Wir verwenden diese Passata-Flaschen mit dem breiten Hals auch für Lebensmittel, die sonst nicht in Flaschen daherkommen. Es müssen nicht die tollen englischen sein, die gemäss Insta scheinbar in jedem Haushalt schon immer vorhanden waren…

Ich kann übrigens absolut verstehen, wenn du hübsche, einheitliche Gläser magst und habe einige zumindest sehr ähnliche Gläser auch offen im Küchenregal stehen. Was man aber immer wieder vergisst: die meisten Gläser stehen doch sowieso im Vorratsraum oder den Schränken. Kein Mensch sieht sie und alles ist schöner als bunte Plastikpackungen – glaub mir. 🙂

Da jedoch gerade größere Gläser für Getreide, Pasta, Reis & Co. ganz schön ins Gewicht gehen, verwende ich diese hauptsächlich für die Vorratshaltung zuhause und kaufe meist mit Stoffbeuteln ein. 

Unsere ersten drei waren Obst- und Gemüsenetze von Ecoyou (Werbung unbezahlt), die wir zu Weihnachten geschenkt bekommen haben. Die nutzen wir auch heute noch, wobei der Saum bzw. die Seitennaht oben nicht so belastbar ist bei den beiden größeren Beuteln. Der ist schon zwei Mal aufgegangen, was beim zweiten Mal wohl aber auch auf meine fehlenden Reparier- und Nähkünste zurückzuführen ist… Feine Dinge wie Reis, Zucker oder Linsen kann man mit diesen Netzen natürlich nicht abfüllen. Auch Kichererbsen sind nicht so clever – gibt eine große Schweinerei, da sich die Maschen dehnen mit dem Gewicht. 😉 Dazu sind klassische Stoffbeutel klar im Vorteil.

Stoffbeutel – nutze was du hast

Stoffbeutel kannst du zwar inzwischen auch in Bio-Qualität kaufen, nachhaltiger und sinnvoller ist jedoch, wenn du sie selbst machst. 

Theoretisch musst du sie nicht einmal selber machen, wenn du mal kreativ durch deinen Haushalt gehst. Alte Kissenhüllen eignen sich zum Beispiel perfekt, um größere Mengen Brot und Brötchen oder größere Mengen Lieblingspasta einzukaufen. Vielleicht hast du Wäschenetze mit Reißverschluss, die du nicht mehr nutzt oder mal etwas gekauft, was in einem Netz oder Beutel eingepackt war. Wäre alles denkbar.

Wir haben mal einen Lachs aus den Schottland-Ferien mit nachhause gebracht, der in einem Stoffsack verpackt war. Statt ihn wegzuwerfen, habe ich ihn zu Beginn einfach so verwendet und mit einer Schnur oben zugebunden. Mittlerweile hat er einen Tunnelzug bekommen. Nicht schön, aber er funktioniert. 

Was ich damit sagen möchte: du musst du kein Pro an der Nähmaschine sein. Ich bin das nämlich definitiv auch nicht und hab‘s auch geschafft, unseren Bedarf an Stoffbeuteln selbst zu nähen. 

Stoffbeutel selber nähen, aber clever 

Mit etwas Kreativität kannst du da sogar richtig viel Zeit sparen, oder würdest du erkennen, dass meine Beutel mal eine Schlafhose und eine Boxershort waren? 😉 Zeit gespart habe ich insofern, dass ich einen Teil verwendet habe, der sowieso schon an zwei Enden vernäht, also schlauchförmig, war. Bei mir waren das die Beine einer alten Baumwoll-Schlafhose, die oben am Bund zerschlissen war. Also habe ich den Schrittbereich abgeschnitten und die Hosenbeine zu insgesamt fünf Beuteln in verschiedenen Größen vernäht. Das Gleiche habe ich mit einer Boxershort gemacht, die auch am Bund ausgeleiert war. Als Schnur habe ich genommen, was ich sowieso da hatte. Wollschnur, Häkelgarn, den Bändel der Schlafhose, Schnürsenkel usw. Wie ich die Beutel genäht habe, lest ihr weiter unten. Man sieht sofort, dass sie nicht gekauft und handgemacht sind, aber mich stört das nicht – da überwiegt klar die Freude darüber, dass ich nichts Neues kaufen musste…

Stoffbeutel für den Zero Waste Einkauf
Ein Teil unseres Stoffbeutel-Sortiments für den Zero Waste Einkauf

Von links nach rechts die zwei rosa gestreiften Beutel (zwei davon sind noch in der Wäsche), darunter einen der beiden Boxershort-Beutel, darüber der „Lachsbeutel“ und rechts davon die drei Ecoyou-Netze in den Größen S, M und L (Werbung unbezahlt). Aus den Ärmeln eines alten Longsleeves habe ich außerdem mehrere kleine, fliederfarbene Beutel gemacht für belegte Brote (Mitte unten). Auch bei diesen gilt das Prinzip – so einfach wie möglich. Die Ärmel müssen ja auch nur oben und unten vernäht werden. 

Ach ja, und beim kleinsten unten seht ihr direkt den Beweis für meine nicht vorhandenen Nähkünste. Ich dachte so ein Gummizug (eingenähter Gummi) muss doch ganz einfach sein. Tja, ging in die Hose aber benutzt wird das Säckchen jetzt trotzdem für belegte Brote und ich muss immer schmunzeln, wenn ich es in die Hände bekomme. 

Stoffbeutel aus Hosenbein oder Ärmel nähen:

  1. Höhe der Beutel zuschneiden (Breite ist ja schon gegeben) 
  2. Teile auf links drehen
  3. Zwei gerade Nähte nah übereinander für den Boden nähen. Über die ganze Breite und gut nach vorne und zurück vernähen. Sieht man später ja nicht, aber sorgt dafür, dass sie nicht so leicht aufgehen.
  4. Schnur einziehen

Wie du so einen Tunnelzug bzw. auch den ganzen Beutel im Detail näht, kannst du in zahlreichen Tutorials, mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen anschauen. Und wer weiß – vielleicht gefällt dir die Handarbeit so gut, dass du dich schon bald an neue Projekte traust. Für die Nachhaltigkeit in deinem Zero Waste Home (und dein Portemonnaie) ist es auf jeden Fall von großem Vorteil, wenn du handwerklich und an der Nähmaschine die Basics kennst. Am Schluss habe ich übrigens einfach alle Beutel abgewogen und mit einem Stift das Gewicht vermerkt. So muss ich nicht jedes Mal wiegen.

Falls du keine Nähmaschine hast, dann leih dir erst einmal eine aus, bevor du eine kaufst. Und wenn du es dir wirklich so gar nicht zutraust, dann frag doch mal in der Familie oder bei Freunden nach. Es gibt immer jemanden, der daran Freude hat und den du um Unterstützung bitten kannst. Du weißt ja selbst am besten, wo deine Stärken liegen und wie du dich bedanken kannst. Viele helfen für ein paar heiße Zimtschnecken, kostenlose Steuerratschläge, eine gute Pasta oder handwerkliche Unterstützung sehr gerne… 😉

Was haben wir trotz allem zugekauft?

Wir haben seit unserer Umstellung drei große Schnapp-Gläser dazugekauft. Und das auch erst nach einigen Monaten, nachdem wir wirklich sicher waren, dass wir sie brauchen. Natürlich gebraucht – die kann man ja heiß ausspülen und dann sind sie wie neu. Wir hatten in dieser Größe nichts und brauchten einfach noch große. Im Nachhinein hätte ich aber nicht einmal diese drei gebraucht, weil ich mittlerweile weiß, dass einige Großküchen auf nette Anfragen hin auch kostenlos Gläser abgeben. Gläser, in denen zum Beispiel vorher Essiggurken waren. Die sind schön groß für Lebensmittel, die man oft und in größeren Mengen benötigt.

Es muss übrigens auch nicht immer superhübsch und mangelfrei sein. Unser Vogelfutter bewahren wir beispielweise in einem alten Tontopf auf, den wir im Keller fanden. Der hatte keinen Deckel und war von außen leicht beschädigt, innen aber noch intakt. Also haben wir einen passenden Deckel zugesägt und benutzen ihn seither für alles „Mäuseempfindliche“. 

Wie kaufst du ein – was hast du für kreative Lösungen gefunden in deinem Haushalt? Ich bin gespannt, was es da noch alles für tolle Ideen und Inspirationen gibt.