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Zero Waste

5 Tipps für bewussteren Konsum
Nachhaltigkeit

5 Fragen für einen bewussten Konsum

Wir haben bis auf eine Handvoll Ausnahmen seit über 1 ½ Jahren nichts mehr neu gekauft und einen “Neukonsum”-Stopp durchgezogen. Das war am Anfang tatsächlich recht einfach, wurde aber nach einigen Wochen zunehmend schwieriger. Aber, good news, es wurde auch wieder einfacher und je länger man das schafft, desto selbstverständlicher integriert es sich in deinen Alltag. 😉

Mehr Ordnung und ein nachhaltiger, bewusster Konsum

Nachdem ich meinen Kleiderschrank durchging und ausgemistet hatte war mir klar, dass ich nie wieder so ausmisten möchte und muss. Ich habe früher schon einige Male ausgemistet, aber dadurch, dass meine Intention eine andere war, war das Ganze nie wirklich nachhaltig. Da ich mich dieses Mal vorweg für einen bewussten Konsum entschieden habe, wurde und ist alles anders.

Das konnte ich direkt erleben, als ich letzte Woche nochmals meinen Kleiderschrank reduziert und unter die Lupe genommen habe. Da war nichts zu finden, was ich in den letzten Monaten unbewusst, impulsiv oder unnötig gekauft hätte. Ein wunderbares Gefühl…

Ich hoffe, die folgenden Fragen helfen auch dir bewusster zu konsumieren und somit dauerhaft Ordnung zu halten.

Finden Sie Zufriedenheit in dem, was Sie bereits haben.  

Bea Johnson

5 Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du etwas neues anschaffst

  1. Brauche ich es wirklich?
    Überlege dir in Ruhe ob du die Hose, das Glas, die Teller oder Kerzenhalter wirklich brauchst. Wofür brauchst du es? Wo bringst du es unter? Hattest du den Wunsch schon lange oder ist das eher spontan? Lass es erst einmal sacken und schau ob du es morgen oder nächste Woche immernoch unbedingt willst. Wenn du z. B. eine Woche lang nicht dran gedacht hast, brauchst du es in deinem täglichen Leben wohl kaum.  Das bringt uns direkt zum nächsten Punkt.
  2. Werde ich es oft verwenden?
    Wirst du dieses spezielle Kleid oft tragen? Wie oft brauchst du die schicke Tasche, die sowieso kaum etwas passt? Wie häufig brauchst du eine Burger-Presse, eine Fisch-Grillzange oder ein zweites Raclette-Gerät, falls mal mehr Gäste da sind? Ist es etwas Saisonales und kann den Rest des Jahres nicht benutzt werden? Speziell bei Kleidung frage ich mich auch immer ob es gut kombinierbar ist und zu meinem Stil passt. Wenn nicht, dann werde ich es nämlich auch nicht oft tragen (können). 
  3. Habe ich schon etwas Ähnliches? Etwas, was den Zweck auch erfüllt?
    Brauchst du wirklich ein drittes weißes T-Shirt, eine zweite hohe Vase, ein weiteres Dekoglas für Kerzen oder die süßen Servietten für die nächste Party? Gibt es keine anderen Gegenstände, die den Zweck erfüllen? Kannst du dein graues oder schwarzes T-Shirt nicht genauso gut kombinieren wie das weiße und mal ehrlich – wieviele kannst du gleichzeitig tragen? Kein Mensch braucht eine Salatschleuder, wenn er ein Geschirrtuch hat. Genauso sinnlos ist es, zehn Schüsseln in verschiedenen Größen zu besitzen. Ich habe zum Beispiel noch unzählige Papierservietten, Teelichter usw. dass ich mich heute frage ob ich mich überhaupt irgendetwas gefragt habe damals beim Kauf. Schließlich ist das schon über zwei Jahre her. 

    Frust oder Ärger über dich selbst bringt dich hier aber nicht weiter. Versuche lieber kreativ zu sein und über den Tellerrand zu blicken, etwas daraus zu lernen und schlichtweg aufzubrauchen.
  4. Habe ich Platz dafür?
    Ich habe zum Beispiel eine Schwäche für Flohmärkte und antike Möbel. Das Dilemma scheint offensichtlich – wo soll denn noch ein Hocker hin? Es betrifft aber nicht nur größere Dinge wie Möbelstücke. Deine Besteckschublade ist sicher schon voll – und trotzdem möchtest du spezielles Steakbesteck oder Fonduegabeln (wie oft nutzt du sie – siehe oben)? Deine Schüsseln passen gerade so ins Regal und du möchtest trotzdem diese eine tolle? Wo stellst du die hin und wieviele kannst du gleichzeitig benutzen?
  5. Muss es neu sein und wie wurde es produziert?
    Wenn du alles bejahst und es ein sinnvoller Kauf zu sein scheint, dann kaufe zumindest Secondhand. Damit werden keine neuen Ressourcen für die Herstellung verbraucht. Neu kaufen ist bei uns immer die allerletzte Wahl. Zum Beispiel wenn wir es über eine längere Zeit nicht gebraucht oder secondhand finde. Oder es nur neu erhältlich ist. Falls du bisher nicht aus zweiter Hand gekauft hast, wirst du überrascht sein was man alles aus zweiter Hand bekommt und in welch tollem Zustand. Ich kaufe manchmal sogar Dinge wie Lebensmittel in Großgebinden aus zweiter Hand und hatte dabei noch nie ein unangenehmes Erlebnis oder eine negative Überraschung.

Bei Neukäufen achten wir zudem darauf, dass es im Idealfall lokal oder regional erhältlich ist und kleine Unternehmen unterstützt. Falls nicht, dann achten wir auf eine möglichst umweltfreundliche und faire Produktion.

Faustregel bei Neukäufen

Eine Faustregel, die ich ursprünglich nur bei der Kleidung beachtet habe, die sich aber auf alle Bereiche ausgeweitet hat: Kommt etwas rein, muss etwas raus. Wenn ich etwas anschaffe, muss ich mich von etwas anderem trennen. Ganz einfach und eine letzte Hürde zu einem sinnvollem, bewusstem Konsum.

Behältnisse für den Zero Waste Einkauf
Zero Waste Home

Zero Waste einkaufen – ganz einfach

Nicht jeder hat den Luxus eines Unverpackt-Ladens in der Nähe. Es wäre zwar toll, aber nicht zwingend notwendig. Wir haben auch erst seit Juni 2020 einen solchen bei uns in der Nähe und mussten uns vorher anders behelfen. Wo ein Wille ist, ist ein Weg und mit ein wenig Improvisation kann man auch ohne Unverpackt-Laden vor Ort deutlich verpackungsreduziert einkaufen.

Zum einen findest du unverpacktes Obst und Gemüse beim nächsten Bio-Bauernhof oder auf dem Markt. Hülsenfrüchte, Nüsse, getrocknete Früchte, Gewürze usw. bekommst du da teilweise auch oder in arabischen Supermärkten. Gewürze sind je nachdem auch in einigen Reformhäusern und diesen „Teeläden“ erhältlich.

Zudem gibt es einige Onlineshops, bei denen man weitgehend unverpackt bestellen kann. Plastikfrei sind die besseren auf jeden Fall alle und Großgebinde in Verpackungen kaufen, spart ja einiges an Abfall. Große Papiertüten von Mehl und Pasta können zudem weiterverwendet werden, zum Beispiel als Müllbeutel oder für Papier im Arbeitszimmer.

Was bringt mir das?

Neben all den Bergen an Abfall und Plastikmüll überall auf der Welt bringt das viele ganz persönliche Vorteile mit sich. Seit ich mir mehr Gedanken zu unseren Einkäufen mache, spare ich Geld und viel Zeit. Geld, weil ich möglichst immer mit Liste losgehe und mir erlaube weniger Verpacktes zu kaufen und Zeit spare ich vor allem, weil ich nicht mehr jeden zweiten Tag in den Supermarkt rennen muss.

Wenn man alle seine “Erledigungs-Wege” clever organisiert, ist es super leicht hier effizienter zu werden. Ich kaufe in der Regel nur noch alle zehn bis 14 Tage ein und wir haben immer frisches Obst und Gemüse da. Im Notfall frieren wir ein, wenn wir es doch nicht schaffen, es frisch zu essen. Aber wegwerfen müssen wir so gut wie nichts mehr. Mit einer Bestandsaufnahme am Anfang und einem Überblick über das, was du wirklich isst und damit regelmäßig verbrauchst, brauchst du zudem weniger Platz. Daher empfehle ich immer, erst einmal die Vorräte zu plündern – und zwar so richtig.

Wir haben während des „Hamster-Wahns“ im letzten Jahr einfach das Gegenteil gemacht und nur noch das nötigste, also Frisches, eingekauft. Alles andere haben wir im Sinne einer #eatupchallenge aufgebraucht. Macht tatsächlich Spaß und bringt einige Aha-Effekte mit sich…

Was brauche ich dazu?

In einem klassischen Unverpackt-Laden brauchst du lediglich Behälter und etwas, um alles nachhause zu tragen. Dazu musst du auch überhaupt nichts Neues kaufen, denn du hast sicher genug zuhause… Zum Beispiel eignen sich alle Arten von Aufbewahrungsdosen aus Kunststoff, Blech oder Karton, Papiertüten, Stoffbeutel oder Gläser. Bei den Gläsern können das Schnapp-Gläser, Schraubgläser oder auch einfach Flaschen sein. Wir verwenden diese Passata-Flaschen mit dem breiten Hals auch für Lebensmittel, die sonst nicht in Flaschen daherkommen. Es müssen nicht die tollen englischen sein, die gemäss Insta scheinbar in jedem Haushalt schon immer vorhanden waren…

Ich kann übrigens absolut verstehen, wenn du hübsche, einheitliche Gläser magst und habe einige zumindest sehr ähnliche Gläser auch offen im Küchenregal stehen. Was man aber immer wieder vergisst: die meisten Gläser stehen doch sowieso im Vorratsraum oder den Schränken. Kein Mensch sieht sie und alles ist schöner als bunte Plastikpackungen – glaub mir. 🙂

Da jedoch gerade größere Gläser für Getreide, Pasta, Reis & Co. ganz schön ins Gewicht gehen, verwende ich diese hauptsächlich für die Vorratshaltung zuhause und kaufe meist mit Stoffbeuteln ein. 

Unsere ersten drei waren Obst- und Gemüsenetze von Ecoyou (Werbung unbezahlt), die wir zu Weihnachten geschenkt bekommen haben. Die nutzen wir auch heute noch, wobei der Saum bzw. die Seitennaht oben nicht so belastbar ist bei den beiden größeren Beuteln. Der ist schon zwei Mal aufgegangen, was beim zweiten Mal wohl aber auch auf meine fehlenden Reparier- und Nähkünste zurückzuführen ist… Feine Dinge wie Reis, Zucker oder Linsen kann man mit diesen Netzen natürlich nicht abfüllen. Auch Kichererbsen sind nicht so clever – gibt eine große Schweinerei, da sich die Maschen dehnen mit dem Gewicht. 😉 Dazu sind klassische Stoffbeutel klar im Vorteil.

Stoffbeutel – nutze was du hast

Stoffbeutel kannst du zwar inzwischen auch in Bio-Qualität kaufen, nachhaltiger und sinnvoller ist jedoch, wenn du sie selbst machst. 

Theoretisch musst du sie nicht einmal selber machen, wenn du mal kreativ durch deinen Haushalt gehst. Alte Kissenhüllen eignen sich zum Beispiel perfekt, um größere Mengen Brot und Brötchen oder größere Mengen Lieblingspasta einzukaufen. Vielleicht hast du Wäschenetze mit Reißverschluss, die du nicht mehr nutzt oder mal etwas gekauft, was in einem Netz oder Beutel eingepackt war. Wäre alles denkbar.

Wir haben mal einen Lachs aus den Schottland-Ferien mit nachhause gebracht, der in einem Stoffsack verpackt war. Statt ihn wegzuwerfen, habe ich ihn zu Beginn einfach so verwendet und mit einer Schnur oben zugebunden. Mittlerweile hat er einen Tunnelzug bekommen. Nicht schön, aber er funktioniert. 

Was ich damit sagen möchte: du musst du kein Pro an der Nähmaschine sein. Ich bin das nämlich definitiv auch nicht und hab‘s auch geschafft, unseren Bedarf an Stoffbeuteln selbst zu nähen. 

Stoffbeutel selber nähen, aber clever 

Mit etwas Kreativität kannst du da sogar richtig viel Zeit sparen, oder würdest du erkennen, dass meine Beutel mal eine Schlafhose und eine Boxershort waren? 😉 Zeit gespart habe ich insofern, dass ich einen Teil verwendet habe, der sowieso schon an zwei Enden vernäht, also schlauchförmig, war. Bei mir waren das die Beine einer alten Baumwoll-Schlafhose, die oben am Bund zerschlissen war. Also habe ich den Schrittbereich abgeschnitten und die Hosenbeine zu insgesamt fünf Beuteln in verschiedenen Größen vernäht. Das Gleiche habe ich mit einer Boxershort gemacht, die auch am Bund ausgeleiert war. Als Schnur habe ich genommen, was ich sowieso da hatte. Wollschnur, Häkelgarn, den Bändel der Schlafhose, Schnürsenkel usw. Wie ich die Beutel genäht habe, lest ihr weiter unten. Man sieht sofort, dass sie nicht gekauft und handgemacht sind, aber mich stört das nicht – da überwiegt klar die Freude darüber, dass ich nichts Neues kaufen musste…

Stoffbeutel für den Zero Waste Einkauf
Ein Teil unseres Stoffbeutel-Sortiments für den Zero Waste Einkauf

Von links nach rechts die zwei rosa gestreiften Beutel (zwei davon sind noch in der Wäsche), darunter einen der beiden Boxershort-Beutel, darüber der „Lachsbeutel“ und rechts davon die drei Ecoyou-Netze in den Größen S, M und L (Werbung unbezahlt). Aus den Ärmeln eines alten Longsleeves habe ich außerdem mehrere kleine, fliederfarbene Beutel gemacht für belegte Brote (Mitte unten). Auch bei diesen gilt das Prinzip – so einfach wie möglich. Die Ärmel müssen ja auch nur oben und unten vernäht werden. 

Ach ja, und beim kleinsten unten seht ihr direkt den Beweis für meine nicht vorhandenen Nähkünste. Ich dachte so ein Gummizug (eingenähter Gummi) muss doch ganz einfach sein. Tja, ging in die Hose aber benutzt wird das Säckchen jetzt trotzdem für belegte Brote und ich muss immer schmunzeln, wenn ich es in die Hände bekomme. 

Stoffbeutel aus Hosenbein oder Ärmel nähen:

  1. Höhe der Beutel zuschneiden (Breite ist ja schon gegeben) 
  2. Teile auf links drehen
  3. Zwei gerade Nähte nah übereinander für den Boden nähen. Über die ganze Breite und gut nach vorne und zurück vernähen. Sieht man später ja nicht, aber sorgt dafür, dass sie nicht so leicht aufgehen.
  4. Schnur einziehen

Wie du so einen Tunnelzug bzw. auch den ganzen Beutel im Detail näht, kannst du in zahlreichen Tutorials, mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen anschauen. Und wer weiß – vielleicht gefällt dir die Handarbeit so gut, dass du dich schon bald an neue Projekte traust. Für die Nachhaltigkeit in deinem Zero Waste Home (und dein Portemonnaie) ist es auf jeden Fall von großem Vorteil, wenn du handwerklich und an der Nähmaschine die Basics kennst. Am Schluss habe ich übrigens einfach alle Beutel abgewogen und mit einem Stift das Gewicht vermerkt. So muss ich nicht jedes Mal wiegen.

Falls du keine Nähmaschine hast, dann leih dir erst einmal eine aus, bevor du eine kaufst. Und wenn du es dir wirklich so gar nicht zutraust, dann frag doch mal in der Familie oder bei Freunden nach. Es gibt immer jemanden, der daran Freude hat und den du um Unterstützung bitten kannst. Du weißt ja selbst am besten, wo deine Stärken liegen und wie du dich bedanken kannst. Viele helfen für ein paar heiße Zimtschnecken, kostenlose Steuerratschläge, eine gute Pasta oder handwerkliche Unterstützung sehr gerne… 😉

Was haben wir trotz allem zugekauft?

Wir haben seit unserer Umstellung drei große Schnapp-Gläser dazugekauft. Und das auch erst nach einigen Monaten, nachdem wir wirklich sicher waren, dass wir sie brauchen. Natürlich gebraucht – die kann man ja heiß ausspülen und dann sind sie wie neu. Wir hatten in dieser Größe nichts und brauchten einfach noch große. Im Nachhinein hätte ich aber nicht einmal diese drei gebraucht, weil ich mittlerweile weiß, dass einige Großküchen auf nette Anfragen hin auch kostenlos Gläser abgeben. Gläser, in denen zum Beispiel vorher Essiggurken waren. Die sind schön groß für Lebensmittel, die man oft und in größeren Mengen benötigt.

Es muss übrigens auch nicht immer superhübsch und mangelfrei sein. Unser Vogelfutter bewahren wir beispielweise in einem alten Tontopf auf, den wir im Keller fanden. Der hatte keinen Deckel und war von außen leicht beschädigt, innen aber noch intakt. Also haben wir einen passenden Deckel zugesägt und benutzen ihn seither für alles „Mäuseempfindliche“. 

Wie kaufst du ein – was hast du für kreative Lösungen gefunden in deinem Haushalt? Ich bin gespannt, was es da noch alles für tolle Ideen und Inspirationen gibt.

Zero Waste Home

Erste Schritte zu weniger – Ablehnen und Ausmisten

Nachhaltigkeit in deinen Alltag zu bringen ist eigentlich ganz einfach. Es gibt da allerdings ein paar Grundsätze, die ich mir immer wieder vor Augen führe und wichtig sind für alle nachfolgenden Schritte. Damit wirds einfacher, finde ich.

3 wichtige Grundsätze

  1. Was treibt dich an? 
    Der Start findet in deinem Kopf statt. Du möchtest es aus Überzeugung und weißt genau wieso? Prima, dann kannst du es auch. Falls es dir hilft, kannst du es dir irgendwo aufschreiben. Irgendwo, wo es dich regelmäßig daran erinnert, weshalb du das machst und willst. 
  2. Nichts ist nachhaltiger als das was du schon hast.
    Das war für mich am Anfang schwierig zu akzeptieren und ich denke darauf gehe ich in einem separaten Post mal näher ein. Wichtig ist, dass du nicht nervös wirst und dich nicht von einer Scheinwelt „influencen“ lässt. Es ist definitiv nicht nachhaltig, alle deine Aufbewahrungsboxen aus Plastik wegzuwerfen und gegen stylishe Glas- oder Edelstahlboxen mit Deckel einzutauschen, nur weil dir Instagram-Bilder das Gefühl geben, dass es so aussehen muss. 
  3. Es dauert und das muss man akzeptieren.
    Du wirst nicht innerhalb von wenigen Wochen alles umstellen. Das geht nicht, wenn es nachhaltig sein soll. Nachhaltigkeit wird definiert durch Begriffe wie stark, robust und dauerhaft. Was sich über Jahre angehäuft hat, kann nicht in wenigen Wochen komplett verändert und entrümpelt werden. Und dabei meine ich nicht nur Materielles sondern auch die eigenen Denkweisen und Routinen. Es ist ja vor allem auch nicht nachhaltig wie in meinem Fall 200 konventionelle Teelichter in wunderbarer Alu-Hülle wegzuwerfen, nur weil ich sie nie wieder kaufen würde. Genauso steht es um meinen Bestand an Papier-Servietten. Die einfach wegzuwerfen wäre einfach gewesen – aber nicht nachhaltig. Stattdessen bediene ich mich gelegentlich immernoch davon – nicht zuletzt, weil ich aus einem alten T-Shirt Stoffservietten geschnitten habe und wir eigentlich nur noch die benutzen… Ich freue mich einfach auf den Tag, an dem ich kaum mehr welche hab und dieser Korb (Foto oben) nur noch Stoff beinhaltet.

Einer meiner ersten Erkenntnisse war also, das zu akzeptieren und einzusehen, dass ich mein Verhalten ändern muss. Nur so ist es auch wirklich nachhaltig. Danach bin ich wie folgt vorgegangen:

1. Refuse – lerne etwas abzulehnen.

Die 5Rs zu Zero Waste – in der Theorie ganz einfach, aber in der Praxis eine echte Herausforderung. Vor allem der erste Schritt zu “Refuse” war bei mir eine große Umstellung. Und „war“ ist hier wohl etwas übertrieben, ich stecke da noch mittendrin…

Bea Johnson erklärt in Zero Waste Home, dass man sich das am besten so vorstellt. Mit jedem „Ja“ zu einem Kugelschreiber, einem Feuerzeug, einer Tüte, Shampoo aus dem Hotel oder einer Plastikflasche und vielen weiteren „Kleinigkeiten“, generiere ich jedes Mal auch eine Nachfrage. Je weniger ich annehme, desto weniger habe ich dann auch zuhause und desto weniger muss ich entsorgen, ausmisten oder instandhalten.

Das gilt übrigens auch für Werbepost. Wir haben auf unseren Briefkasten „Bitte keine Werbung“ stehen. Wenn sich mal wieder Werbepost oder ein Katalog verirrt, mache ich ein Foto mit dem Handy und schicke meine Bitte per Mail an den Händler. Funktioniert einfach und schnell. So haben wir unser Altpapier um mindestens 50% reduziert. 

2. Reduce – was brauchst du (und kannst du nicht ablehnen)?

Beim Ausmisten und Reduzieren kann man schon mal den Überblick verlieren und es kann einen schnell überfordern im Alltag. Wer hat schon zwei Wochen am Stück Zeit, um sich nur seinen Zimmern und Schränken zu widmen… Daher habe ich jeden Bereich einzeln und teilweise auch nur einen Schrank oder eine Schublade am Abend durchgeschaut. Außer bei Kleidung. da empfehle ich eine Ausnahme zu machen.

Kleidung ist am einfachsten? Ja, klar… 

Nach Marie Kondo startest du bei der Kleidung. Schon hier, in der (laut ihr) einfachsten Kategorie, war ich unsicher. Behalten oder nicht? Bin ich mir sicher? Könnte ja mal passen? Ich habe ja sonst nichts Passendes in lila usw. Hier bin ich total froh, nach ihrem System vorgegangen zu sein. Zum einen um den Anfang zu machen und zum anderen um mir vor Augen zu führen was ich alles (zu viel) hatte.

Zuerst habe ich alle (!) Kleidungsstücke aufs Bett gelegt und den Schrank kurz ausgesaugt und ausgewischt. Danach habe ich Stück für Stück in die Hand genommen. Dabei musst du ehrlich zu dir sein. Ziel ist ja, dass du danach nur noch Stücke hast, in denen du dich wohl fühlst, die dir stehen, dein Stil sind und dir vor allem ein gutes Gefühl geben. Wie gesagt musst du ehrlich sein – wer bist du und nicht „wer wärst du gerne“ lautet die Devise. 

Falls du Netflix hast, kannst du dir auch die Serie von Marie Kondo anschauen. Bedingungslos empfehlen würde ich sie aber nicht. Aber als Inspiration zum Start kann sie durchaus motivieren. Als Faustregel gilt aber: für jedes Stück was nach dem Ausmisten reinkommt, muss eines raus.

Tipps, um besser vorwärts zu kommen:

Ich habe gleich zu Beginn alles, was ich in den letzten vier Wochen getragen habe sowie alle Lieblingssachen rausgesucht. Das war also direkt mal vom Stapel. Zudem hat mir ein „Vielleicht“-Stapel für die schwierigen Teile geholfen. Den habe ich an einem anderen Tag dann nochmals kritisch angeschaut und teilweise auch Dritte nach ihrer Meinung und Einschätzung gefragt.

Ähnlich wie beim Kleiderschrank nur in etwas kleinerem Umfang, bin ich in den anderen Bereichen des Haushalts vorgegangen.

Auf direktem Wege in die Mülltonne…

Jetzt stehst du da vor so vielen Dingen, von denen du dich befreien möchtest. Kleidung, die du nicht mehr trägst, zehn Essteller, zig Schüsseln für die du keine Verwendung mehr hast (vermutlich noch nie hattest…) usw. Nun stellt sich die Frage wohin damit.

Der einfachste Weg wäre ab in die Mülltonne und den Altkleidercontainer. Beide Themen – Restmüll und Altkleider – wären separate Posts und würden diesen hier noch länger machen. Meine Meinung dazu: Bitte bitte nicht in die Mülltonne oder den Kleidercontainer, solange etwas reparabel ist. Stattdessen bieten sich Secondhand-Plattformen, Wohltätigkeitsorganisationen oder der Freundes- und Bekanntenkreis an.

Second Hand Plattformen

Secondhand-Plattformen boomen aktuell und können dir immerhin einen kleinen Verdienst einbringen (natürlich sehr individuell). Allerdings besteht hier auch der große Nachteil, dass die Dinge, die du eigentlich loswerden möchtest, weiterhin in deinem Leben sind. Einfach in einem anderen Raum. Vom Platzbedarf mal abgesehen. Kleidung hat bisher gut funktioniert bei mir, beim Rest kommt es sehr darauf an. Erwarte einfach nicht, dass billig produzierte Dinge viel Geld einbringen.

Verschenken an Freunde und Bekannte

Bei letzterem war ich auch sehr vorsichtig und habe das nur bei Dingen gemacht, bei denen ich ein gutes Gefühl hatte. Schließlich merkst du immer mehr, wieviel alle um einen herum besitzen. Da will man teilweise also nicht noch mehr Ballast in die Haushalte und Kleiderschränke bringen.

Spenden an wohltätige Einrichtungen

Das schönste und erfüllteste Gefühl ist für mich eindeutig die zweite Option – das Spenden. Ich habe damit relativ spät erst angefangen und zuvor versucht alles zu verkaufen. Genau aus den obigen Gründen, war das zwar ein kleiner Verdienst aber auch belastend. Unser ganzes Arbeitszimmer stand zeitweise voll mit ausgemisteten Dingen. Mittlerweile hat sich das gewandelt und ich habe das meiste an Haushaltsgegenständen gespendet statt verkauft. Man tut etwas Gutes, es ist nachhaltig und das Gefühl ist mit Abstand das tollste.

Ich habe übrigens immernoch zwei Zimmer, in denen ich noch nicht wirklich reduziert habe. Und trotzdem haben die bisherigen Entscheidungen und Erfolge schon so viel verändert.

Reduzieren macht dir nochmals deine aktuellen Kauf- und Konsumgewohnheiten bewusst. Es verhilft dir zu mehr nachhaltigen Gewohnheiten und einem echten Umdenken. Zudem macht es glücklich und du sparst bares Geld.

Zero Waste Home
Nachhaltigkeit

Mein Ultimativer Buch-Tipp für den Einstieg

Für einen guten Start in ein bewussteres und natürlicheres Leben, gibt es sicher viele gute Bücher. Wenn du aber wie ich bei den Basics anfangen und leicht lesen magst, kann ich dir Bea Johnsons Zero Waste Home mehr als empfehlen. Bei mir war das ein echter Game Changer – aber sowas von. 

Zero Waste Home – glücklich leben ohne Müll

Du kannst das Buch zum Beispiel Secondhand, auf Ebay Kleinanzeigen, Rebuy oder als eBook beziehen. Und wenn du dich leicht wieder von Büchern trennen kannst, umso besser. Dann verkaufst du es einfach im Anschluss wieder und verhilfst jemand anderem zu mehr Freude, Zeit, Freiheit und Glück. 

Die schlechte Nachricht vorweg: das Buch löst dir keine Probleme. Die gute Nachricht: Du bist danach selbst in der Lage sie zu lösen, denn du vereinfachst dein Leben. Durch den sinnvollen Aufbau kannst du direkt von Anfang an damit beginnen. Und den ersten Schritt hast du schon jetzt gemacht – es muss ein Umdenken in deinem Kopf stattfinden. Sonst ist die Gefahr ohnehin zu groß, dass du in alte Muster zurückfällst bei den ganzen Verlockungen. Und davon gibt es einfach viel zu viele… Aber das wäre ein ganzer Blog-Beitrag wert, daher lass ich das an dieser Stelle lieber.

Lieber unperfekt als gar nicht dabei

Zurück zum Buch… Es hilft dir deine bisherigen Gewohnheiten zu hinterfragen und zu durchbrechen. Es ist praxisnah geschrieben, enthält einige praktische Checklisten und du kannst wie gesagt sofort anfangen – das ist besonders für ungeduldige wie mich perfekt.
Gutes Stichwort: auch hier geht es wieder darum, dass man nicht perfekt sein muss – Bea Johnson stolpert selbst nach so vielen Jahren hin und wieder über gewisse Dinge. Wichtig ist, dass du dich nicht entmutigen lässt und fest an deinem Kerngedanken festhältst. Ganz egal welcher das auch sein mag. 

5 Schritte zu Zero Waste: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot
ablehnen, reduzieren, wiederverwenden, recyclen, verrotten,

5 Schritte zu deinem Zero Waste Alltag

Zuerst werden die fünf Schritte, auch die « 5 R» genannt, und die Vorteile des Zero Waste Lebensstils erklärt. Danach geht es an die Bereiche Küche, Einkaufen, Badezimmer, Beauty, Gesundheit, Schlafzimmer, Kleiderschrank, Haushalt usw. Auch die schwierigeren Bereiche wie Festtage und Geschenke oder unterwegs Zero Waste zu bleiben, werden erläutert. Abschließend geht Bea Johnson auf das „Was nun?“ ein. Alles in allem ist das Buch damit in sich wirklich schlüssig und ein echter (Lebens-)Ratgeber, auch wenn das verstaubt klingt. Ich fand tatsächlich, dass es auf den ersten Blick trocken aussah, aber das täuscht absolut. Es liest sich wie anfangs schon erwähnt sehr leicht und eher wie eine praktische Anleitung.

Zero Waste = kein Müll?

An dieser Stelle ist mir noch wichtig, dass Zero Waste nicht nur „kein Müll“ bedeutet. Zum einen kann es übersetzt ja auch „keine Verschwendung“ bedeuten und zum anderen kann man es auch einfach als eine Guideline zu einem Weg mit weniger Müll sehen. Ansonsten engt dich das auf lange Sicht zu schnell ein und nimmt die Freude und Motivation daran. Alles zu reduzieren und festzustellen dass man weniger braucht, macht nämlich Spaß. Ich frage mich immer öfter im Alltag «geht das nicht auch mit weniger Müll, ökologischer, mit weniger Verpackung usw.» Mal abgesehen davon, dass ein Stoff-Säckchen einfach auch viel schöner ist als herkömmliche Verpackungen, findest du nicht? Das können ja auch viele kleinere Dinge sein. Meine Schwester fragt zum Beispiel bei Onlineshops nach, die ihre Bestellung mit Plastik-Paketband oder -Füllmaterial verpacken. Es sind Kleinigkeiten im Alltag, die aber zu Gewohnheiten werden und sich summieren. Und genau da will auch ich hin. 😉

Mein Fazit:

 ZeroWasteHome – Glücklich leben ohne Müll ist ein Buch das sich leicht liest und nah an der Praxis ist. Dank der Checklisten und präzisen Anleitungen, den Rezepten und dem privaten Einblick in einen echten Zero Waste Alltag eignet es sich auch für alle Ungeduldigen, die einfach nur beginnen wollen. Ich kann es absolut empfehlen…

Nachhaltigkeit

Der Moment?

Einen alles verändernden Moment, den hat es bei mir nicht wirklich gegeben. Das war mehr ein schleichender Prozess, denke ich. Wie bei Über mich kurz erwähnt, wurden meine Schwester und ich sehr bewusst und naturnah erzogen. Müll- und vor allem Plastikvermeidung waren trotzdem lange Zeit kein so grosses Thema bei uns zuhause. Als ich dann 2010 den Garten meiner Mama übernommen habe, war ich immer wieder erstaunt darüber, wieviel Plastik ich in diesem vermeintlich unberührten Fleckchen Erde – hinter dem Bauernhaus meiner Grosseltern – finde. Auf dem Gras, in Büschen, in der Erde usw. Nur kleine Teile, aber sie waren da. Es hat damals allerdings nicht bewusst klick gemacht und plötzlich war alles anders. Das wünsche ich mir zwar rückblickend, aber das war mir irgendwie nicht so klar damals. Dennoch hat sich unbewusst etwas in mir in Gang gesetzt. Das brauchte einfach einige Jahre, Erlebnisse und Erfahrungen.

Entscheidend ist nicht wie lange du nichts gemacht hast, sondern dass du jetzt etwas tust.

unbekannt

Grössere Veränderungen gab es dann in den letzten Jahren, als ich immer mehr feststellte, dass ich nicht viel brauche um glücklich zu sein. Vermeintlicher Luxus und Komfort waren mir immer weniger wichtig, stattdessen ging ich einfach campen – vorher undenkbar…

Daher möchte ich allen Mut machen, die wie ich rückblickend manchmal einfach nur traurig sind oder sich schämen für ihr früheres, ignorantes Verhalten. Wie oft habe ich mich geschämt, dass ich so einfache Dinge wie eine Zahnbürste aus Holz, Stoffbeutel zum Einkaufen oder auch eine Periodentasse nicht schon viel früher in mein Leben integriert habe. Dass ich eingekauft habe, als ob es nirgends auf der Welt ein Plastikproblem oder Ausbeutung gäbe. Wenn ich nur daran denke, wie viel ich konsumiert habe – wie viele negative Dinge, Strukturen und Unternehmen ich damit begünstigt habe… Die Liste scheint endlos und genau hier muss man stoppen. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, aber ich kann daraus lernen und sie akzeptieren bzw. jetzt umso mehr machen. Wichtig für mich ist, dass ich es jetzt tue und immer wieder versuche unseren Alltag noch grüner, achtsamer und einfach nachhaltiger zu gestalten. 

Jetzt etwas tun, können wir alle – und ich freue mich so, dass du hier bist und das liest. 

PS: Vielleicht möchtest du erstmal mehr wissen über Zero Waste? Mir ging es damals so und ich habe die „Zero Waste Bibel“ – Zero Waste Home von Bea Johnson. Das war für mich eine ideale Begleitung, Motivation und Inspiration. Deshalb habe ich dazu auch eine kurze Buchempfehlung geschrieben, für alle die sich überlegen es zu leihen oder zu kaufen.